Tracktest Mitsubishi Racing Lancer Dakar

Tracktest Mitsubishi Racing Lancer Tracktest Mitsubishi Racing Lancer

Tracktest Mitsubishi Racing Lancer Dakar

— 07.10.2008

Spuren im Sand

Mitsubishi will VW auch den ersten Diesel-Sieg bei einer Rallye Dakar wegschnappen. Die neuen Racing Lancer sollen 2009 die VW-Touareg versägen. AUTO BILD MOTORSPORT hat den Racing Lancer schon vor der Premiere getestet.

Vorhang auf zur großen Premiere. Am 2. Oktober 2008 präsentierte der Dauersieger der Rallye Dakar Mitsubishi auf der Paris Motor Show 2008 seinen neuen Wüstenwagen. Die Herausforderung der Neukonstruktion: Nach zwölf Siegen mit dem Pajero beginnt bei der wohl härtesten Motorsportveranstaltung der Welt eine neue Ära. Die Rallye Dakar tourt im Januar 2009 statt durch Afrika erstmals durch Südamerika. Und Mitsubishi schickt mit dem Racing Lancer ein völlig neues Rallyegerät zur Königstour durch Argentinien und Chile. Dabei setzen die Japaner erstmals auf einen Dieselmotor. Das Ziel ist klar. Nicht nur die seit 2001 haltende Siegesserie beim Marathon-Klassiker Rallye Dakar fortzusetzen, sondern zudem den Wettbewerbern Volkswagen und X-raid BMW den ersten Dakar-Triumph eines Autos mit Selbstzünder-Triebwerk wegzuschnappen. Darauf bereitete sich Mitsubishi unter anderem mit Tests in Marokko vor. Als sich das Tor des wie eine kleine Festung gesicherten Testcenters öffnet, steht vor uns aber nicht der pechschwarze Testwagen, sondern der erste von insgesamt vier brandneuen Mitsubishi Racing Lancer. Für uns kommen diesmal Weihnachten und Ostern zusammen. Erstmals darf ein Journalist einen Werkswagen noch vor dem ersten Wettbewerbseinsatz erfahren. Ein Dankeschön für das Vertrauen und rein in den Sandstürmer für die Rallye Dakar 2009.

Nur noch die Sitzposition erinnert an einen sportlichen Geländewagen

Das futuristische Cockpit vemittelt ein wenig das Gefühl, in einem Spaceshuttle zu sitzen.

Erste Überraschung: Hat man sich an der seitlich angeschlagenen Flügeltür vorbei ins geräumige Cockpit geschält, erinnert nur noch die Sitzposition an einen sportlichen Geländewagen. Mich umgibt eine Mischung aus DTM-Tourenwagen und Spaceshuttle. Das im Gegensatz zum Vorgänger um zehn Zentimeter in alle Richtungen angewachsene Cockpit des Racing Lancer kommt vor allem der Sicherheit der Besatzung zugute. "Der Racing Lancer entspricht zu rund 95 Prozent den ab 2010 gültigen FIA-Regeln", erklärt Konstrukteur Max Felter (39). "Sicherheit war dabei ein großes Thema." Der Radstand wuchs um 13 Zentimeter auf 2,90 Meter (Pajero Evolution 2,77 m). Das Plus ist die ausgewogene Gewichtsverteilung. "Auch wir versuchten, möglichst viel in die Mitte und nach unten zu verschieben", erläutert der 39-jährige Ingenieur. "Selbst die Ersatzräder sind zur Mitte gerückt und nun vor der Hinterachse platziert. Bei dreimal 38 Kilo macht das viel aus."

Der Racing Lancer überzeugt mit verbesserter Stabilität und Fahragilität

Mächtig Dampf drauf: Mit dem 280 PS starken V6-Turbodiesel-Motor pflügt der Lancer vehement durch jedes Gelände.

Auch die Tankanordnung ist optimiert. Waren beim Mitsubishi Pajero Evolution wegen des durstigeren Benzinmotors drei Tanks mit maximal 530 Liter notwendig, kommt der Dieselmotor des Racing Lancer mit zwei hinter dem Cockpit angeordneten bananenförmigen Behältern für 460 Liter aus. Auch sonst blieb unter dem Carbonkleid wenig beim Alten. Jede einzelne Verbindungsstrebe des aus Flugzeugstahl bestehenden Chassis wurde mittels Belastungsanalysen am Computer optimiert. Die Folge: höhere Stabilität und trotz größerem Ausmaß gleiches Gewicht. Die Achsträger sind vorn wie hinten an Hilfsrahmen befestigt. Und zweigeteilt. Dank unterschiedlicher Varianten lässt sich die Fahrwerksgeometrie künftig in wenigen Handgriffen auf die unterschiedlichsten Anforderungen anpassen. Heute eine tiefliegende Variante für harte Schotterpisten, morgen eine höhere Auslegung zum Fahren in weichem Sand. Die bisher geschmiedeten und geschweißten Radträger sind nun gegossen. "Das ist zwar teurer, geht aber schneller und präziser", so Felter. Vorne kommt die Neukonstruktion künftig ohne Stabilisator daher. Ein klares Zeichen für verbesserte Stabilität und Fahragilität.

Ab ins Gelände. Wenn überhaupt, muss sich der Racing Lancer nur aus dem Stand etwas mühen. Ist die rund zwei Tonnen schwere Fuhre erst einmal in Bewegung, jagt das Auto mit Vehemenz durchs Gelände. Länge läuft. "Auf schnellen Abschnitten liegt der Neue schon deutlich besser als sein Vorgänger", bestätigt auch Dakar-Rekord-Sieger Stéphane Peterhansel. "Nur an der Abstimmung in engen Ecken und bei Sprüngen müssen wir an der Dämpfereinstellung arbeiten." Sand in Sicht. Jetzt gilt’s. Schnurstracks rein in den ersten Dünenhang. Hier, wo vor allem Motorleistung und Drehmoment zählen, soll der Racing Lancer seine neue Trumpfkarte ausspielen. Gut versteckt hinter der Vorderachse tief unter der Frontscheibe kauert der neue 3-Liter-V6-Dieselmotor. Das Triebwerk sitzt fast an der gleichen Position wie im Mitsubishi Pajero Evo. Logisch: wegen der Bodenfreiheit ist man am unteren Limit.

In Sachen Fahrgestell dürfte der Neue das Maß der Wüsten-Dinge sein

Der neu Racing Lancer soll die Mitsubishi Siegesserie bei der Rallye Dakar im Jahr 2009 fortsetzten.

Größter Unterschied zu den Rallye-Dakar-Selbstzündern der Konkurrenz: Das ebenfalls auf Stufenaufladung setzende Mitsubishi-Triebwerk des Racing Lancer wartet mit vier Turbos, je einem Lader pro Zylinderreihe auf. Der Block ist mit jenem aus dem 4-Liter-Benziner nahezu identisch und wurde nur für die nun höheren Drücke modifiziert. Keine Frage, das Kraftwerk schiebt, pflügt und wühlt sich energisch durchs Gelände. Ein letzter Sprung endet mit einer ebenso sauberen Landung. 300 Meter weiter warten die Mitsubishi-Mannen auf ihr "eiliges Blech". Fazit von AUTO BILD MOTORSPRT-Testfahrer Reiner Kuhn: Eine unvergessliche Premiere. Nur Peterhansel saß vor uns am Steuer des frisch lackierten Racing Lancer. In Sachen Fahrgestell dürfte der Neue erneut das Maß der Wüsten-Dinge sein. Ob das reicht, um Mitsubishis Siegesserie bei der Rallye Dakar fortzusetzen, hängt davon ab, wie gut der neue Selbstzünder funktioniert.
Technische Daten
Fahrzeugdaten Mitsubishi Racing Lancer
Motor Bauart/ Einbaulage V6-Turbodiesel/ vorn längs
Ventile / Nockenwellen 4 pro Zylinder/ 4
Nockenwellenantrieb Steuerkette
Maximale Leistung ca. 280 PS
Hubraum 2997 ccm
Maximales Drehmoment 650 Nm
Literleistung 93 PS/ Liter
Antrieb permanenter Allradantrieb
Getriebe 5-Gang sequenziell
Länge/ Breite/ Höhe/ Radstand in mm 4475/ 1990/ 1783/ 2900 mm
Leergewicht 1900 kg (Mindestgewicht)
Leistungsgewicht 9,7 Kilogramm/ PS
Reifentyp All Terrain BF Goodrich
Reifengröße vorn/ hinten 245 / 80-16 auf Felgen 7 x 16
Tankinhalt/ Kraftstoffsorte 480 Liter in 2 Tanks / Diesel
Preis keine Angabe

Autor: Reiner Kuhn

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