Tracktest Norma 20

Tracktest Norma 20-Nissan

— 12.02.2010

Rendezvous mit Norma

Fast 300 km/h schnell, laut und offen: Auf dem Hockenheimring fuhren wir den französischen Sport-Prototypen Norma 20. Ein heißblütiges Date – mit großer Überraschung.

Es ist wie bei jedem Rendezvous. Am Anfang geht man nicht zu stürmisch vor. Wie schnell kann es sonst passieren, dass sie zickig wird – und sich einfach wegdreht. Doch Norma ist anders. Mit ihr geht's ziemlich schnell zur Sache. Norma ist ein Rennwagen. Und folgt stoisch meinen Lenkbefehlen. Ganz berechenbar im Verhalten.
Mein linker Fuß ruht auf der Stütze links neben dem Kupplungspedal. Am rechten Fahrbahnrand tauchen die weißen Bremsmarken mit den schwarzen Ziffern vor der Sachskurve auf. Noch 300, gleich 200 Meter bis zur 180-Grad-Kehre. Rechten Fuß vom Gas nehmen, aufs Bremspedal treten. Den silbernen, zum Lenkrad geneigten Schaltknauf vehement von mir wegdrücken. Trotz Helm, trotz Windgeräuschen: Die kernigen, automatisch abgefeuerten Zwischengasstöße sind unüberhörbar.

Das Gitterrohramen-Chassis könnte weniger als 700 Kilo wiegen

Unser Mann vor Ort: AMBS-Redakteur Martin Westerhoff nahm Norma unter die Lupe.

Sie halten den Motor davon ab, im kleineren Gang die Hinterachse runterzubremsen und damit zum Blockieren zu bringen. Ich konzentriere mich voll aufs Einlenken. Über die vor mir in einem Halbbogen nach oben gewölbte Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff peile ich den Scheitelpunkt an, trete das Gaspedal gefühlvoll runter. Bereits bei 4000 Touren liegen 300 Newtonmeter Drehmoment an. Das sind 75 Prozent der maximalen Durchzugskraft von 375 Nm, die der von der britischen Motorenschmiede AER vorbereitete Nissan-V6-Motor maximal leisten kann. Deshalb schiebt er den offenen Prototypen druckvoll aus der Kurve. Und legt beim Hochdrehen ab etwa 6000 Umdrehungen ein tiefes, durch Mark und Bein dringendes Ständchen ein. Bis zum Raufschalten – bei Vollgas. "Das Reglement schreibt für das Auto ohne Fahrer ein Mindestgewicht von 700 Kilo vor", erklärt Besitzer und Fahrer Gerd Beisel (52), der im alltäglichen Leben als Geschäftsführer einer Kanalsanierungsfirma arbeitet.

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Auch von hinten durch und durch Sportprototyp.

Doch das aus Stahlrohr aufgebaute Gitterrohrrahmen-Chassis mit der leichten Karosserie könnte fahrfertig auch deutlich weniger wiegen. "Deshalb können wir das Auto, auch mit den vorgeschriebenen Zusatzgewichten, sehr gut ausbalancieren", beschreibt der in der Sports Car Challenge eingeschriebene Pilot. Das ist also der Grund, warum Norma so ausgeglichen bei unserem Date reagiert. Weder das Heck tanzt in schnell gefahrenen Kurven aus der Reihe. Noch neigt der Sportwagen dazu, in engen Kehren untersteuernd über die Vorderreifen zum Kurvenäußeren zu schieben. In Deutschland ist die nunmehr dritte Evolution des Modells M20, der M20 F, noch weitgehend unbekannt. "Das Auto eignet sich nicht nur für die Langstrecke, sondern auch für Bergrennen", zählt Beisel die Vorteile auf. Norma ist also nicht nur umgänglich, sondern auch vielseitig interessiert. Trotzdem bleibt’s für mich leider nur bei diesem einen Rendezvous.
Autor:

Martin Westerhoff

Fazit

Der Norma 20 F ist ein gutmütig zu fahrender Sportwagen. Sein Leistungsgewicht liegt sogar unter dem eines aktuellen DTM-Tourenwagens. Bei Geschossen solchen Kalibers ist es daher umso bemerkenswerter, wie schnell das Vertrauen des Fahrers wächst.

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