Tracktest Peugeot 207 Super 2000

Peugeot 207 Super 2000 Cockpit Peugeot 207 Super 2000 Heckflügel

Tracktest Peugeot 207 Super 2000

— 16.01.2009

Drifter der Zukunft

Der Peugeot 207 Super 2000 ist auf Schotter ein echtes Spaßmobil. Noch fährt er in der zweiten Rallye-Liga. Doch der WM-Aufstieg ist für das Jahr 2010 fest eingeplant.

Der französische Automulti PSA zog seine Marke Peugeot (206/207) zugunsten der Konzernschwester Citroën aus der Rallye-WM zurück. Damals musste sich eines der kompetentesten Technikerteams der Driftszene neu orientieren. Statt der in der WM sonst üblichen World Rallye Cars (WRC, Zweiliter-Turbomotor, Allradantrieb, Preis über 500 000 Euro), sollten die Spitzeningenieure ein Super-2000-Fahrzeug (Zweiliter-Saugmotor, Allradantrieb aus Einheitsteilen) entwickeln. Die sind z.B. in der Europameisterschaft und in der Intercontinental Rally Challenge (IRC) unterwegs. Die erfolgsgewohnten Peugeot-Techniker leisteten ganze Arbeit. Ihr 207 ist das momentan erfolgreichste Super-2000-Auto der zweiten Rallye-Liga: Peugeot holte 2007 den Marken- und Fahrertitel in der IRC.

Hier schaltet der Pilot noch selbst! Und das kräftig, damit der Gang auch wirklich drin ist.

Nach den ersten Läufen der aktuellen Saison, führt Peugeot-Pilot Luca Rossetti in der IRC und in der Europameisterschaft. Auf der Rennstrecke im französischen Lohéac hatte AUTO BILD MOTORSPORT Gelegenheit, die Asphalt- und Schotter-Version des Allradfahrzeugs zu erleben. Erster Eindruck: Hier arbeitet der Pilot noch selbst. Statt wie im WRC nur lässig an Paddeln hinter dem Lenkrad zu zupfen, welche die Fingerbewegungen hydraulisch in Schaltbefehle umsetzen, muss man hier nach guter alter Sitte schalten. Und zwar mit gehörigem Nachdruck. Je härter ich gegen den Schalthebel schlage, umso exakter rastet der nächstkleinere Gang mit einem ziemlich lauten "Klonk" ein. Auch beim Hochschalten muss ich mich konzentrieren und beim Aufleuchten der Schaltlampen den Hebel brutal nach hinten reißen. Den Gasfuß kann man dabei getrost durchdrücken, denn die Zündelektronik wird beim Schaltvorgang kurz automatisch unterbrochen. Der Zweiliter-Saugmotor verlangt ständig nach Drehzahlen, nahe am Limit. Die ist vom Reglement auf maximal 8500 Touren festgelegt.

Der Drifter ringt mit starken Kurven

Auch im Jahr 2008 ist der kleine Franzose der große Favorit in der IRC.

Schaltfaulheit ist bei der spitzen Leistungscharakteristik des Schreihalses keine Option. Entsprechend unharmonisch fährt sich der Peugeot 207 besonders auch in kurvenreichen Passagen. Eine Offenbarung sind dagegen die Bremsen. Die riesigen Bremsscheiben haben mit dem vergleichsweise niedrigen Fahrzeuggewicht des Peugeot 207 (1150 kg in der Asphalt-Version, damit rund 200 kg weniger als ein WRC) leichtes Spiel. Das Verzögern erledigt je nach Entscheidung des Fahrers der rechte oder der linke Fuß. Denn gekuppelt wird in einem Super-2000-Auto nicht einmal beim Herunterschalten. Dumm nur: Wenn ein Drift schiefgeht und sich das Auto weiter als gewünscht eindreht. Dann fehlt Linksbremsern plötzlich ein Fuß, um die Kupplung zu treten und damit das Triebwerk am Laufen zu halten. Oder was dachten Sie, warum Rallyefahrer öfter mal den Motor abwürgen? Fazit: Der Peugeot ist zwei Drittel billiger als ein World Rallye Car. Trotzdem kriegt man fürs Geld ein vollwertiges Rallyeauto. Auf Schotter macht er mehr Spaß als auf Asphalt, aber 280 PS sind für ein Allrad-Rennauto ein bisschen wenig. Spitzenklasse ist der Motorsound. Da kann kein WRC mithalten.

Technische Daten
MESSWERTE PEUGEOT 207 SUPER 2000
Beschleunigung 0–100 km/h 5,5 Sekunden
0–200 km/h
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h*
Bremsweg aus 100 km/h keine Angabe
Kraftstoffverbrauch keine Angabe
FAHRZEUGDATEN
Motor: Bauart/Einbaulage Vierzylinder-Sauger/vorn quer
Hubraum 1998 cm3
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
Max. Leistung bei Drehzahl 280 PS bei 8250 U/min
Max. Drehmoment bei Drehzahl 250 Nm bei 6000 U/min
Literleistung 140 PS/Liter
Getriebe 6-Gang sequenziell
Antrieb Allrad
Länge/Breite/Höhe/Radstand 4030/1800/einstellbar/2560 mm
Reifentyp Michelin
Reifengröße (v/h) 225/40 R 18 u. 195/65 R 15 (Schotter)
Leergewicht 1150 kg /1200 kg (Schotter)**
Leistungsgewicht 3,92 kg/PS (Asphalt-Konfiguration)
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 80 l/Super Plus
Preis 168 000 Euro
* je nach Übersetzung
** Minimalgewicht ohne Besatzung lt. Reglement

Autor: Christian Schön

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