Tracktest Seat León TDI WTCC

Seat León Eurocup Seat León TDI WTCC

Tracktest Seat León TDI WTCC

— 29.02.2008

Seats Diesel-Monster

Der Seat León TDI schlug in der WTCC ein wie ein gelber Blitz. Von jetzt auf gleich waren die Spanier Meisterschaftskandidaten. Warum, zeigt der direkte Vergleich mit dem Benzin-Bruder.

Die Kälte kriecht überall hin. Meine Füße frieren unter dem dünnen Wildleder der roten Fahrerschuhe. Nur vier Grad sind es heute. Werkspilot Jordi Gené (37) hat den Kragen seiner gelben Seat-Jacke bis zum Kinn hochgezogen. Nieselregen fällt aus dem dunstigen Hochnebel. "Eigentlich bräuchtest Du Intermediates bei diesem Wetter", raunt er. Das  Reglement erlaubt aber nur Slicks – oder Regenreifen, die jetzt drauf sind. Auf beiden Versionen von Seats WTCC-Tourenwagen León, die sie heute hierher gebracht haben – zum Circuito del Jarama bei Madrid. Benziner und Diesel treten zum Tracktest-Duell an. Rückblick: Im zweiten Rennen des León mit Turbodiesel-Motor (TDI) siegte Yvan Muller (38) letzte Saison. Schlagartig wird er zum Meisterschaftskandidaten. Vorher fuhren die Seat mit Benzinmotor BMW und Chevrolet hinterher. Nur eine lockere Spritpumpe hindert ihn beim Saisonfinale in Macau daran, Meister zu werden. Jetzt soll unser Vergleich klären: Warum ist der León mit Turbodiesel-Motor so plötzlich auf die Überholspur gezogen? Zuerst ist der Benzin-León dran. Ich sitze im Cockpit. Gené kniet in der offenen Fahrertür. Seats Rennprofi spielt heute meinen Einweiser. "Dreh ihn ruhig auf 5000 Touren, ehe Du die Kupplung kommen lässt. Sonst stirbt der Benziner gleich ab."

Der Normal-Sprit-León ist gutmütiger zu fahren – allerdings meist hinterher.

Raus geht es auf die Strecke. Vorsichtig drücke ich vor der ersten Kurve aufs Bremspedal, mit dem linken Fuß. Kupplung treten brauche ich nicht. Nach dem Anfahren lässt sich das sequenzielle Sechsgang-Getriebe ganz einfach schalten: Über einen langen blanken Metallhebel, gleich rechts neben dem Lenkrad. Schiebst du ihn weg, geht es einen Gang hoch. Daran ziehen schaltet runter. Einlenken in die enge Nuvolari-Rechtskurve am Ende der Start- und Zielgeraden: Der Wagen schiebt leicht über die Vorderreifen. Sachte Gegenlenken, etwas Gas und rein in die nächste Rechts, die Fangio heißt. Exakt und gutmütig ist der Benzin-León zu fahren. Das Fahrwerk lässt die Karosserie kaum aufschaukeln. Nach ein paar Runden heißt es zur Box, Wagenwechsel.

Diesel-Power: Auf den Geraden ist der León TDI wahnsinnig schnell

Der 55 Kilogramm schwere Turbodiesel hat mächtig Power. 450 Nm aus 284 PS lassen den Benziner alt aussehen.

Rein in den León TDI. Das Cockpit vibriert wie ein Panzer. Beißend kriecht der Geruch von verbranntem Diesel in die Nase. Im Leerlauf klingt der Selbstzünder wie ein brummender Stromgenerator für ein ganzes Kirmeszelt. "Sei jetzt vorsichtiger mit dem Gas", mahnt "Fahrlehrer" Gené. Das Anfahren gelingt sofort, mit deutlich weniger Touren als beim Benziner. Aber was ist denn jetzt los? Die Warnlampen zum Hochschalten blinken schneller auf, als ich gucken kann. Beim Benziner leuchteten sie erst ganz spät. Zweiter Gang, etwas Gas. Sofort wieder Schaltalarm! Nein, so kurz sind die Gänge nicht übersetzt. Des Rätsels Lösung: Das gewaltige Drehmoment von 450 Newtonmetern liegt so plötzlich an, da drehen die Vorderreifen nur noch durch. Sachte, ja wirklich ganz sachte den Gasfuß senken. Nur so bändigst du das Diesel-Monster und fährst es zügig. Auf den Geraden ist der León TDI wahnsinnig schnell. Sein Motor kaum noch zu hören, die Vibrationen verschwunden. Das Summen der Getriebe-Zahnräder übertönt alles. Das Bremsen läuft wie beim Benziner problemlos.

Nur nicht zwischen Kurven, mit leicht eingeschlagenen Vorderreifen. Ein Ruck und das Heck tanzt Tango. Heftig Gegenlenken, nur so halte ich den León im Zaum. Warum? Schon mal im Getränkemarkt drei schwere Bierkästen ganz vorne auf dem Einkaufswagen gestapelt? Eben! Zu viel Gewicht auf die Vorderachse gepackt, hebelt die leichte Hinterachse aus. Stolze 55 Kilo schwerer ist der Turbodiesel. Das Heck ist richtig leicht, verliert deshalb schnell die Bodenhaftung. "Wir mussten uns während der Saison eine andere Fahrtechnik für den TDI angewöhnen", bestätigt Einsatzfahrer Gené. Die heißt: möglichst nur mit geraden Rädern bremsen, die Kurve spitzer fahren und dann wieder drauf." Stört ihn das nicht? "Nein!" entgegnet er mit einem verschmitzten Grinsen. "Das macht die Rennen doch nur spannender. Denn auf den Geraden sind wir  schneller als die anderen. Und dort wird schließlich überholt."

Fazit von AUTO BILD MOTORSPORT-Reporter Martin Westerhoff

Ein gelbes, mit seiner Kraft wütendes Monster: Das hat der Turbodiesel aus Seats WTCC-León gemacht. Schwieriger zu fahren als der Benziner – aber dafür sauschnell! Weil er durch mehr Leistung besser beschleunigt und mehr Höchstgeschwindigkeit bringt. Ganz schön clever, wie Seat so auf die Überholspur ging.

Neu 2008: der Eurocup, der auf dem Supercopa basiert

Der einfach zu beherrschende Neuling ist eine gute Schule für WTCC-Anwärter.

Ausprobieren durften wir in Jarama auch den neuen Renner für den Seat León Eurocup, der im Rahmenprogramm von sechs europäischen WTCC-Rennen starten wird. Das Auto basiert auf dem Seat León Supercopa, soll aber wahrscheinlich etwas breitere Reifen bekommen. Eindruck: Der 301 PS starke Zweiliter-Turbo-Benziner macht richtig Laune. Der stärker an die Serie angelehnte León muss mit dem Direktschaltgetriebe DSG auskommen. Schalten geht damit etwas zögerlicher als bei den WTCC-Boliden. Dafür ist er einfacher zu fahren und somit eine gute Schule für WTCC-Anwärter.
MESSWERTE Seat León WTCC Seat León TDI WTCC
Beschleunigung 0–100 km/h 5,6 Sekunden 5,5 Sekunden
0–160 km/h k.a. k.a.
Höchstgeschwindigkeit 246 km/h 250 km/h
Bremsweg aus 100 km/h k.a. k.a.
Kraftstoffverbrauch ca. 44 l / 100 km (geschätzt) ca. 40,5 l / 100 km (geschätzt)
FAHRZEUGDATEN Seat León WTCC Seat León TDI WTCC
Motor: Bauart/Einbaulage 4 Zyl. Reihe Sauger/ vorn quer 4 Zyl. Reihe Turbo/ vorn quer
Hubraum 2000 ccm 2000 ccm
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Zahnriemen
Max. Leistung bei Drehzahl 264 PS bei 8500 U/min 284 PS bei 4000 U/min
Max. Drehmoment bei Drehzahl 225 Nm bei 7000 U/min 450 Nm bei 2500 U/min
Literleistung 132 PS/Liter 142 PS/Liter
Getriebe 6-Gang sequenziell 6-Gang sequenziell
Antrieb Vorderrad Vorderrad
Länge/Breite/Höhe/Radstand 4330/ 1849/ 1400/ 2600 mm
4330/ 1849/ 1400/ 2600 mm
Reifentyp Yokohama 26B Yokohama 26B
Reifengröße (v/h) 240/61 R 17 240/61 R 17
Leergewicht 1140 kg (inkl. Fahrer) 1140 kg (inkl. Fahrer)
Leistungsgewicht 4,32 kg/PS 4,12 kg/PS
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 45 l/Super plus 45 l/ Diesel
Preis 200.000 Euro 225.000 Euro

Autor: Martin Westerhoff

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