Tracktest Volland Skoda Fabia

— 11.08.2009

Der macht alle nass

Mit viel Aufwand, Ideen und Kosten hat Tüftler und Fahrer Rolf Volland einen Skoda Fabia zum Rallycross-Geschoss umgebaut. AUTO BILD MOTORSPORT durfte den neuen Leichtbau-Krawallzwerg testen.
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Von Martin Westerhoff Dumpf prasseln die aufgewirbelten Schottersteine in den Radhäusern. Das große Lenkrad ruckelt plötzlich kaum noch in meinen Händen. Zisch! Das linke Vorderrad taucht in die riesige Pfütze mitten im Scheitelpunkt der 180-Grad-Kehre ein. Ich lenke stärker ein, gehe kurz vom Gas. Und schwups – das Heck wird leicht und schwingt mit einem Drift herum. In einem giftig knurrenden, jenseits von 7000 Touren richtig munter spurtenden Skoda Fabia jage ich über die Rallycross-Strecke im tschechischen Ceská Lípa, nur rund 60 Kilometer nördlich vom Skoda-Werk in Mladá Boleslav gelegen. Aber dieser Fabia kommt – außer Motorblock, Fahrertür, Dach sowie anderen vom Reglement vorgeschriebenen Elementen des Straßenautos – eher aus Franken. Sein Erbauer: Der neunmalige Deutsche und zehnmalige DRV-Pokalsieger im Rallycross Rolf Volland (41) aus Hilpoltstein.
Durch Spezialfelgen und Kohlefaserteilen speckt der Fabia 320 Kilo ab
Testfahrer legt selbst Hand an: ABMS-Autor Martin Westerhoff hebt das Leichtgewicht hoch.
Testfahrer legt selbst Hand an: ABMS-Autor Martin Westerhoff hebt das Leichtgewicht hoch.
"Ich habe versucht, diesen Fabia so leicht wie möglich zu konstruieren", erklärt Volland. "Aber dadurch, dass Autos in der Serie immer mehr wiegen, ist das keine leichte Aufgabe." Der Tüftler setzte alles daran, seinen Tschechen auf Diät zu setzen. Die meisten Blechteile der Serienkarosserie fertigte er Stück für Stück aus Kohlefaser nach. In Russland ließ er Felgen einzelanfertigen, die pro Stück nur acht Kilogramm wiegen – normale Rennfelgen aus dem Katalog wiegen zehn Kilo. Wo immer es ging, drehte er teure Titanschrauben bei der Montage in die Gewinde. "Ich überlege ständig, in welchen Details ich das Fahrzeug noch leichter machen kann", beschreibt Volland sein Erfolgsrezept. Eine seiner Ideen: An der Hinterachse ist rechts und links der vordere Bremssattel samt -Scheibe eines Suzuki-Rollers aus dem Ersatzteilkatalog montiert. Grund: Das Reglement schreibt Bremsscheiben vor. Aber die eines Autos waren Volland zu schwer. Und auf deren Verzögerungsleistung kann er verzichten: "Vorne muss alles bremsen, hinten nicht." Nur 825 Kilo bringt sein Fabia leer auf die Waage. Zum Vergleich: Der Straßen-Fabia mit 1,6-Liter-Motor wiegt ohne Fahrer 1145 Kilo. Vollands Ersparnis: stolze 320 Kilo. Da das Reglement aber ein Mindestgewicht von Fahrer und Auto von 950 Kilo vorschreibt, muss er wieder Gewicht zuladen. "Aber" wendet er ein, "damit kann ich das Auto zusätzlich ausbalancieren." Die Last ist so verlagert, dass sie sich auf die angetriebene Vorderachse konzentriert. Das Auto hinter dem Fahrer so leicht, dass sich das Heck von einem Mechaniker hochheben lässt.
Driften verboten beim Rallyecross
Die Rallyecross-DM ist eine Mischung zwischen Rallye und Tourenwagen-Rennen.
Die Rallyecross-DM ist eine Mischung zwischen Rallye und Tourenwagen-Rennen.
Beim Fahren ist das ein irres Gefühl: Agil wie ein Kart fegt der Fabia über den Rundkurs, auf dem sich Asphalt und Schotter abwechseln. Die Vorderräder reagieren auf jeden Millimeter, den ich am Lenkrad drehe. Vor mir blitzt ständig die Schaltlampe auf. Zwei, drei, vier – und wieder bremsen. Mit einem Prasseln aus dem Auspuff biege ich in eine sehr enge, asphaltierte Linkskurve ein. Das Heck rutscht. Vollgas. Die Traktion der Vorderreifen ist irre. Ohne Durchdrehen reißen die maximal 225 PS des 1,6-Liter-Saugmotors an ihnen, ziehen den Fabia raus auf die nächste Gerade. "Sauber ohne Drifts ist die schnellste Art Rallycross zu fahren", beweist mir Volland anhand von Datenaufzeichnungen. Dieser Mann ist eben ein besessener Tüftler – und "schraubt" auch an seinem Fahrstil. Mit ein Grund, warum er im neuen Fabia gleich beim zweiten Rennen alle nass gemacht hat.
Technische Daten Volland Skoda Fabia
Motor Reihen-Vierzylinder
Einbaulage vorn quer
Hubraum 1597 cm3
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/1
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
PS bei U/min 225/8900
Literleistung 141 PS/Liter
Nm bei U/min 190/7600
Antriebsart Vorderrad
Getriebe 6-Gang sequenziell
Reifen vorn / hinten 205/620-17
Reifentyp Avon/BF Goodrich
Länge/Breite/Höhe 3992/1798/1400 mm
Radstand 2462 mm
Leergewicht 950 kg*
Leistungsgewicht 4,22 kg/PS
Tankvolumen 9 Liter
Kraftstoffsorte Rennbenzin, 101 Oktan
Messwerte Volland Skoda Fabia
Beschleunigung 0–100 km/h 5,9 s
Beschleunigung 0–200 km/h entfällt
Bremsweg aus 100–0 km/h 33 Meter**
Höchstgeschwindigkeit 191 km/h
Fahrzeugpreis inkl. MwSt. 178500 Euro
*Mindestgewicht mit Fahrer **Asphalt schmutzig
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RIC,
07.10.2010 23:14Uhr
Ich sehe da auch hängende Pedale, und der Preis kommt leider hin! Es ist aber trotzdem ein Meisterauto, muß man mal live erleben!!! Hier findet ihr ein onboard Video:

http://www.youtube.com/watch?v=fyhcfOKtMUo

njoy it!!!
Eintrag melden
newman-zh,
15.08.2009 17:09Uhr
Bild 9: Stehende Pedale, damit der Fahrer weiter vorn sitzen kann???

Sieht eher aus wie die original hängende Pedalerie...
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Zdenek Urban,
13.08.2009 22:24Uhr
Haben Sie wirklich keinen Fehler in der Preisangabe gemacht?? Interessant :) Eintrag melden
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Von Martin Westerhoff
Alle Achtung! Was Rolf Volland nun wieder in seinen Hallen konstruiert hat, ist ein absolut durchdachtes und sauber ...
Alle Achtung! Was Rolf Volland nun wieder in seinen Hallen konstruiert hat, ist ein absolut durchdachtes und sauber verarbeitetes Renngerät. Diesen Fabia um eine Autocross-Strecke zu scheuchen macht richtig viel Freude. Die elektrisch unterstützte Lenkung braucht nur sehr wenig Drehbewegung am Lenkrad, um den Fabia präzise um die Ecken zu werfen. Der 1,6-Liter-Motor ist quirlig, hat bei hohen Drehzahlen noch mal richtig Dampf.
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