Tracktest VW Race Touareg 2

Tracktest VW Race Touareg 2

— 26.03.2007

Der Wellenreiter

Ob im Sand oder im Wasser der VW Race Touareg 2 nimmt alle Wellen souvern. Eine exklusive Testfahrt im schnellsten Renner der Dakar 2007.

Oma hat's schon immer gewusst: "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um." So zitierte sie aus der Bibel. Und jetzt ist es so weit. Irgendwann musste es ja mal passieren. Aus, Ende, vorbei. Immerhin ein schner Tod: auf einem herrlichen Sandstrand, unter herrlich blauem tunesischen Himmel. VW-Werksfahrer Giniel de Villiers braust mit gefhlten 180 Sachen durch den feinkrnigen weien Sand. Eigentlich keine groe Sache. Wre da nicht dieser Bachlauf, der sich ziemlich tief in den Strand eingegraben hat. Gleich werden wir ihn kreuzen und uns an der meterhohen Kante vorwrts berschlagen: dreimal, fnfmal, zehnmal? Egal! Auf jeden Fall oft genug, um anschlieend nicht mehr auszusteigen.

Der Race Touareg 2 schreckt vor nichts zurck

Der Touareg nimmt die Kanten, als gäbe es sie gar nicht.

Dann das Wunder: Der Race Touareg brezelt ber den Bach und nimmt die Kante, als gbe es sie gar nicht. Ein kurzer Schlag nur, und wir ballern weiter. Als die Wischer das Spritzwasser von der Scheibe gefegt haben, sehe ich die Welt wieder: Weier Sand, blauer Himmel, alles so wie gehabt. Und de Villiers schenkt mir einen lssigen Spruch ber die Gegensprechanlage: "Suspensions are incredible." Da hat er recht. Einfach unglaublich, diese Radaufhngungen. Wie kann ein fast 1,8 Tonnen schweres Monstrum mit 180 Klamotten nahezu unbeeindruckt eine solche Kante inhalieren? Die Frage beantwortet sich nach dem Aussteigen. Denn die Radhuser von VWs Dakar-Express sind ungefhr doppelt so gro wie die darin wohnenden Rder. Im ausgefederten Zustand kann man locker den Kopf reinstecken und dabei sehen, dass auch hinter den relativ kleinen Rdern alles anders ist.

Den Motor findet man erst nach lngerem Suchen

Die Radhäuser sind ungefähr doppelt so groß wie die darin wohnenden Räder.

Wie etwa die massiven doppelten Dreieckslenker im Wasserrohr-Durchmesser. Oder die doppelten Dmpfer-Feder-Einheiten von ZF Sachs mit endlos langen Federwegen und die davor hngenden Khlzylinder fr das Dmpferl. berhaupt ist bei diesem Auto alles anders. Der Fnfzylinder-Diesel mit den zweistufig geschalteten Turboladern beispielsweise findet sich erst nach lngerem Suchen: weit hinter der Vorderachse und grtenteils verdeckt von armdicken Rohren aus Flugzeugstahl. Die dem mit hauchdnner Kohlefaserhaut verkleideten Wstenjger seine Festigkeit verleihen. Den "Kofferraum" teilen sich je zwei Wasser- und lkhler mit bis zu vier Ersatzrdern.

Im Cockpit herrscht nackte Armut

Und das Cockpit hat nun wirklich nichts gemein mit dem grobrgerlichen Luxus eines Serien-Touareg. Hier regiert die nackte Armut, garniert mit der blichen Kollektion von Sicherungsschaltern und Drehknpfen zur nderung von Motorkennlinien und Bremskraftverteilung. Ergnzt um eine spezielle Digitalanzeige, die alternativ ber Reifenluftdruck und Stodmpfer-ltemperatur informiert. Das Ganze wird dominiert vom Knppel fr das sequenzielle Sechsgang-Getriebe, der wie ein Monument aus der kantigen Mittelkonsole ragt. Geradezu neckisch nimmt sich dagegen der Bowdenzug(!) links neben dem Lenkrad aus, der zum Entriegeln der Rckwrtsgang-Einlegesperre dient. Ziemlich spartanisch auch die Rennschale, in der ich nach dem bersteigen des soliden Flankenschutzes fr eine ganz exklusive Ausfahrt Platz nehmen darf. Den winzigen Starterknopf bettigt und: Brummig nimmt der 2,5-Liter-Turbodiesel seine Arbeit auf.

Riesiger Wendekreis: "Na und, in der Wste ist viel Platz."

Mit einem trockenen Schlag rastet der erste Gang ein. Die Dreischeiben-Keramik-Kupplung kommt erstaunlich sanft, Anfahren ist kein Problem. Auch nicht im tiefen Sand, in dem die grobstolligen Goodrich-Gummis (Typ "Rock") berraschend gut greifen. Der Race Touareg 2 schnellt frmlich nach vorn, katapultiert sich durchs nutzbare Drehzahlband zwischen 2000 und 4200 Touren, verlangt schon nach zwei Sekunden nach dem zweiten Gang und zieht auch im vierten noch wie eine ganze Kamelherde. Traktion ist hier kein Thema, eher schon der Geradeauslauf. Die nicht sonderlich direkte und zum Abfedern grober Ste stark gedmpfte Lenkung vereinfacht das Spurhalten nicht gerade. Und allzu heftige Korrekturen quittiert die Hinterachse mit ausgeprgtem Eigenlenkverhalten. Doch auf eine exakte Linie kommt es bei einem solchen Auto ebenso wenig an wie auf den Wendekreis. Er ist fast doppelt so gro wie beim Serienmodell (11,4 Meter) um die Gelenkwellen zu schonen. "Na und", bemerkt Giniel de Villiers augenzwinkernd, "in der Wste ist viel Platz". Und jetzt wei ich, wozu man den braucht.

Autor: Hermann J. Mller

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