Traktor Fendt 1050 Vario: Fahrbericht

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Traktor Fendt 1050 Vario: Fahrbericht

— 02.09.2016

Super-Trecker mit 500 PS

Moderne Traktoren sind Wohlfühloasen für den Landwirt. AUTO BILD war im 500 PS starken Fendt 1050 Vario unterwegs – dem stärksten Serien-Traktor!

3,60 Meter streckt sich der Traktor in die Höhe und misst 2,95 Meter in der Breite.

Trecker fahren! Hoch auf dem Bock Hühner über den Acker jagen, bei jeder Furche hochgeschleudert werden, Krach in den Ohren und Dieselgeruch in der Nase. Ein Jungstraum wird wahr. Aber dann schwingt die Glastür mit einem schmatzenden Geräusch auf, und der Blick fällt auf den breiten Sitz, der auch in Omas Kaminzimmer stehen könnte. Mit einem Zischen sinkt er kurz ein, drückt sich mit leisem Gurgeln wieder hoch. Durchatmen und wohlfühlen. Landwirte lieben es gemütlich. Neueste Endstufe der Bequemlichkeit: der Fendt 1050 Vario, mit 500 PS der stärkste Traktor auf dem Markt. Einer, der was wegzieht. Und er kann noch viel mehr!

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Sechszylinder mit 12,4 Liter Hubraum

Unter der langen Haube arbeitet ein 12,4-Liter-Sechszylinder von MAN.

Der Ausblick gleicht dem Panorama auf einem Windkraftwerk – Land, wohin das Auge blickt. Arbeiten auf dem Feld kann so schön sein. Stattliche 3,60 Meter streckt sich der Traktor in die Höhe, misst 2,95 Meter in der Breite und wiegt 14 Tonnen – das gilt in der Branche als Leichtgewicht. Unter der langen, schmalen Haube arbeitet ein 12,4-Liter-Sechszylinder von MAN mit VTG Turbolader. Mit einem Knopf zündet der Sechszylinder, über den Joystick auf der rechten Seite lässt sich die Fahrstufe einlegen. Dann einfach Gas geben, und der Trecker stampft los. Nicht stotternd und polternd wie früher, sondern leicht säuselnd und zischend. Kraftvoll, ungestüm. Ein kurzer Tipp aufs Pedal, und das Monster sprintet nach vorn. Die Automatik arbeitet stufenlos, der Sitz wippt hoch und runter, mit rund 60 Sachen geht es über die Landstraße aufs Feld. Aus den Radhäusern dringt ein leises Wimmern der Reifen, das grobe Profil walkt sich über den Asphalt.

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Der Fendt "Dieselross" von 1930 brachte es gerade mal auf sechs PS.

©Fabian Hoberg

Kraft besitzt der Fendt im Überfluss: Musste der erste Fendt "Dieselross" von 1930 mit sechs PS und wenigen Newtonmeter Drehmoment auskommen, stehen dem Landwirt von heute 2400 Newtonmeter Drehmoment bei 1100 Umdrehungen zur Verfügung – fast das Zehnfache von dem, was ein aktueller VW Golf mit 1,6-Liter-Diesel auf den Asphalt stemmt. Das Variogetriebe arbeitet ab 650 Umdrehungen pro Minute flüssig. Statt blankpolierten 19-Zoll-Golf-Rädern drehen sich beim Fendt rotlackierte 46-Zöller mit 900/65er-Reifen – bei einem Durchmesser von 2,35 Metern. Vorn kommen schlanke 710/60 R38-Reifen zum Einsatz. Bisher konnten in der 500-PS-Leistungsklasse nur Knick-Lenker oder Kettenfahrzeuge mithalten, Vehikel also, die größer, schwerer und weniger flexibler sind. Ein Traktor läuft dagegen das ganze Jahr, vom Pflügen übers Säen bis zur Ernte und dem Winterdienst auf der Straße. Anders als bei Autos benötigt der Traktor die Leistung nicht zum Schnellfahren, sondern zur Bodenbearbeitung. Jedes PS an Mehrleistung bedeutet eine breitere Arbeitsmaschine, weniger Fahrten pro Feld, weniger Zeit auf dem Acker. Die zwölf Meter breite Egge hinterm Fendt schneidet leicht durch den Boden wie ein scharfes Messer durch den Sonntagsbraten.

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In der dick gedämmten und gefederten Kabine bleibt es so ruhig wie auf dem Heuboden. Für einen langen Arbeitstag hält eine Box das Essen warm und die Getränke kalt. Das Soundsystem spielt die neuesten Partykracher, und die Klimaanlage pegelt auf angenehme 21 Grad – die ideale Bürotemperatur.

Vollgestopft mit Elektronik

Dank modernster Elektronik im Cockpi dreht der Fendt auf dem Acker fast selbständig seine Runden.

Der Büro-Vergleich ist gar nicht so abwegig: Wie ein Versicherungsangestellter sitzt der Bauer des 21. Jahrhunderts vor allem vor seinem Computer. Die Fahrerkabine ist vollgestopft mit Elektronik. Das TMS (Traktor-Management-System) ist eine automatische und intelligente Steuerung für den Antrieb – und setzt einen intelligenten Fahrer voraus. Der Computer mit dem Touchscreen auf der rechten Seite bedient und justiert die Arbeitsgeräte – je nach Arbeit und Bodenbeschaffenheit. Über eine API-Schnittstelle fließen Telemetriedaten anderer Geräte ins System. Mit dem Joystick stellt der Fahrer Geschwindigkeit, Tempomat und Wegepunkte ein. 15 km/h sind auf dem Acker kein Problem, wenn der Boden fluffig genug ist.

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Das zwölf Meter Arbeitsgerät hinterm Fendt schneidet leicht durch den Boden.

Während autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen noch Zukunftsmusik ist, dreht der Fendt auf dem Acker selbständig seine Runden. Vorteil: Gegenverkehr und Fußgänger gibt es hier nicht. Dafür steuert ein spezielles Navigationssystem für den Feldeinsatz den Traktor bis auf zwei Zentimeter genau. Dort, wo keine GPS-Signale auf den Acker treffen, helfen Iridium-Satelliten. Weltweit. Und das sind nicht die einzigen Helferlein: Permanenter Allradantrieb, "Grip Assistent", automatische Reifendruckregelanlage "Vario Grip Pro", Ballast-Auswahl "Ballast Select", Spurführungssystem und ein spezielles Getriebe regeln die Kraft und verhindern, dass sich der Koloss im Acker einwühlt.

Eine Maschine für Russland

Fendt entwickelte den Super-Trecker nicht für den kleinen Gemüsebauer in der Eifel, sondern für große Betriebe ab 600 Hektar, die vor allem in Polen, Russland und in der Ukraine liegen. Aber auch Frankreich und Australien zählen zu den Hauptmärkten. Dort laufen die Maschinen zwischen 700 und 800 Stunden pro Jahr, die Lebensdauer beträgt laut Fendt rund 20.000 Arbeitsstunden. Dann müsste der Kaufpreis von 322.000 Euro ohne Mehrwertsteuer längst eingefahren sein. Bei der Arbeit zieht sich der Fendt rund 85 Liter Diesel pro Stunde rein, mit dem 800-Liter-Tank reicht das für einen guten Arbeitstag.

Kein Traktor gleicht dem anderen

Fendt ist einer der großen Hersteller auf dem Markt, in Deutschland mit einem Marktanteil von 21 Prozent. Die Firma wurde 1930 gegründet und ist seit 1997 in der Hand des AGCO-Konzerns, dem drittgrößten Landmaschinenhersteller der Welt. Entwickelt und produziert werden die Maschinen im Werk in Marktoberdorf im Allgäu. 3400 Mitarbeiter, darunter 400 Ingenieure, bauen dort nur Einzelanfertigungen. Gegen den Zubehörkatalog von Fendt wirkt ein Katalog der Mercedes-S-Klasse wie ein maues Daumenkino: Jedes Fahrzeug wird individuell bestellt, da gleicht keines dem anderen.

Traktor Fendt 1050 Vario: Fahrbericht

Autor: Fabian Hoberg

Fotos: Fabian Hoberg

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