Trampen

Trampen: Pro und Kontra

— 10.06.2011

Trampen – riskant oder spannend?

Trampen? Macht das in Zeiten der Billigflieger und Mitfahrzentralen überhaupt noch jemand? Und ist es ein Risiko, bei einem völlig Fremdem ins Auto zu steigen? Oder doch bloß spannend?

"Wie sieht ein Irrer aus? Bist du erst drin im Auto, ist es zu spät",
meint Tomas Hirschberger.

"In einem kleinen Waldstück bei Münster machten Pilzesammler einen grausigen Fund ..." Eduard Zimmermann ist schuld. Der kleine seriöse Mann, der stets so auftrat, als wäre er selbst Polizeioberinspektor, hat einer ganzen Generation das Trampen abgewöhnt. Zum Glück. Seine Berichte über vermisste, verstümmelte oder vergewaltigte Tramper in "Aktenzeichen XY ungelöst" sagten nichts anderes als: "Setzt euch nicht zu einem Irren ins Auto."

Ein Verrückter reicht

Redakteur Tomas Hirschberger.

Na klar bin auch ich getrampt. Kreuz und quer durch ganz Europa. Jahrelang. Wir hatten weder Geld noch Angst. Vor allem hatten wir keine Ahnung. Wenn ich überlege, bei was für Gestalten ich damals eingestiegen bin, gruselt es mich heute noch nachträglich. Okay, nicht jeder, der einen Anhalter mitnimmt, ist ein Psychopath oder Serienkiller mit 'nem Hackebeilchen im Kofferraum. Doch einer reicht schon. Man kann ja schließlich nicht reinschauen in die Typen. Wie sieht ein Irrer aus? Und – lieber Kollege – komm mir nicht mit all den super Sicherheitstipps. Die sind doch keinen Cent wert, wenn bei Mr. Hyde die Sicherung durchbrennt. Ich sage: Wer trampt, begibt sich vorsätzlich in Gefahr. Woher soll ich wissen, ob Herr Ebennochnett nicht vielleicht auf Ecstasy ist, schwer einen gehoben hat oder ganz einfach ein lausiger Fahrer ist. Wer heute Europa entdecken will, setzt sich ins Flugzeug. Hamburg–Rom für 49 Euro. Überlebenschance nahezu hundert Prozent.

Reporter Hauke Schrieber.

"Das letzte bisschen Abenteuer in unserem Leben",
kontert Hauke Schrieber.

Trampen ist was für zottelige Schulabbrecher mit Löchern in den Hosen, die kein Geld für Bahntickets haben. Oder für lebensmüde Mädchen, die freiwillig bei Psychopathen einsteigen und nie wieder auftauchen. Okay, Spießer, pflege deine Klischees! Die Wahrheit ist: Trampen ist ein wunderbares Relikt aus dem guten alten 20. Jahrhundert. Ohne Trampen wäre Uschi Obermaier nie aus ihrer bayerischen Provinz herausgekommen und Jack Kerouac nie zu seinen Abenteuertouren quer durch Amerika aufgebrochen. Wie reisen wir denn heute? Mit Billigfliegern, immer besorgt, dass der Sitznachbar für den Flug 50 Euro weniger gezahlt hat. Gebucht: all inclusive; wie praktisch, da braucht man nicht mal mehr Geld umzutauschen. Und vor der Reiseplanung erst mal auf Google Earth checken, ob der Strand tatsächlich nur 150 Meter vom Hotel entfernt ist.

Die Furcht nicht übertreiben

Man will sich ja schließlich entspannen und bloß keine Überraschungen erleben. Wie wäre dies: wenig Gepäck, dafür viel Abenteuerlust. Ein Pappkarton, darauf mit Filzer: SÜDEN. Dann an der Autobahnauffahrt den Daumen raus. Sich Zeit nehmen, warten können. Abwarten, was kommt. Ein Porsche oder ein Panda. Ein Schweiger oder ein Witzeerzähler. Gespannt sein, wo das Ganze hinführt: Andalusien oder Adria. Und keine Furcht vor Fremden. Nur simple Regeln befolgen: Autonummer per SMS an einen Freund und dem Fahrer das zeigen. Beim Trampen lernt man Land, Leute und Autos kennen. Von Plön bis Palermo. Nur per Pappe.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.