Traumwagen aus Plastik

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Traumwagen aus Plastik

— 27.12.2007

Andersens Märchen

Mit dem Dänen Steen Sig Andersen würden viele gern tauschen: Der 51-Jährige entwickelt Lego-Modelle. Sein jüngstes Werk: ein VW Käfer aus 1000 Steinen.

Manchmal sitzt Steen Sig Andersen auf einem Berg von weißen Riesenkissen und steckt im Geiste bunte Plastiksteinchen zu Autos, Häusern und Raumschiffen zusammen. Um ihn herum sitzen dann seine Kollegen, die das Gleiche tun: auf weichen Hügeln über harte Klötze nachdenken. Eine solche Umgebung fördert Kreativität – und die ist aus Andersens Job nicht wegzudenken. Ebenso wenig wie das, was auf seinem Schreibtisch im dänischen Billund liegt: Legosteine. Flach und hoch. Grün und rot. Lang und kurz. Vermischt auf dem Tisch, einsortiert in Setzkästen. "Damit spiele ich täglich mehrere Stunden", sagt der 51-jährige Däne und versucht, dabei ernst zu bleiben. Das ist schwierig bei all dem Spaß, den sein märchenhaft schöner Beruf mit sich bringt: Er entwickelt Lego-Modelle, spielt mit Lego. Seit 26 Jahren. Jeden Tag.

Lego rief Hobbykonstrukteure auf, Autos zu bauen

Voraussichtlicher Preis für Andersens 1000-Teile-Käfer: etwa 120 Euro.

Sein jüngster Wurf steht fertig auf dem Schreibtisch: ein rund 40 Zentimeter langer VW Käfer. Er kommt im Sommer 2008 als Bausatz in den Internet-Verkauf. Voraussichtlicher Preis für 1000 Teile: etwa 120 Euro. Andersen öffnet den Kofferraum. Darin steht – wie beim Vorbild – das Reserverad. Zu verdanken haben die Lego-Fans Andersens jüngste Idee einer großen Krise, in der das dänische Unternehmen vor vier Jahren steckte. Investitionen in unwirtschaftliche Vergnügungsparks und Produkte, die nicht den Vorstellungen der vielen Fans entsprachen. "Wir beschlossen darum, uns besser um unsere Anhänger zu kümmern, sie zu fragen, was sie sich wünschen", sagt Soren Lund, der Fanbeauftragte bei Lego. Über das Internet rief man alle Hobbykonstrukteure auf, Autos zu bauen. Eines davon sollte dann zu einem Bausatz werden. Auch Andersen bastelte – und reichte am Ende seinen Käfer ein. Damit gewann er die Abstimmung unter den Fans im Herbst 2007.

Automodelle gab es in der Lego-Geschichte schon immer

Andersen holt einen Karton aus dem Schrank, in dem zwei Prototypen seines Käfers parken. Der eine ist grau und sehr kantig. Der zweite Entwurf hat schon große Ähnlichkeit mit dem endgültigen Modell. Im Dach und den Türholmen stecken ein paar rote Bauteile, die wie Fremdkörper wirken. Andersen dreht das graue Modell um: Motor und Kofferraumboden fehlen. "Ist halt nur eine Studie", so der Designer. "Beim anderen haben nur ein paar Teile die falsche Farbe." Automodelle gab es in der Lego-Geschichte schon immer: Im Gründungsjahr 1932 kamen die ersten Autos aus Holz, 1936 eine hölzerne Feuerwehr. Von den Plastikklötzen träumte Gründer Ole Kirk Christiansen zu diesem Zeitpunkt nicht einmal. Es folgten gegossene Kunststoff-Modelle aus einem Stück in den 40er-, 50er- und 60er-Jahren. Der erste Auto- Bausatz mit den Plastiksteinen kam 1963. In den 70ern bot Lego einige Oldtimer-Kästen an: Ein Cadillac von 1913, ein Rolls-Royce von 1909. Der erste Technik-Bausatz von 1978 war ebenfalls ein Auto – mit verstellbaren Sitzen und Zweigang-Getriebe. 2008 wird das Set 30 Jahre alt – und damit reif für das H-Kennzeichen.

Eine weitere Folge der Klötzchenkrise: Ein Teil der Steine kommt erstmals nicht mehr aus dem Lego-Land Dänemark, sondern seit 2006 aus Tschechien und bald sogar aus Mexiko. Kompliziertere Quader spuckt aber weiterhin das Stammwerk in Billund aus. "Insgesamt haben wir 2200 verschiedene Bausteine und 55 Farben im Sortiment. Aus den Maschinen kommen über 6000 Kombinationen", sagt Eric Paludan (72), der Gäste des Hauses auch sieben Jahre nach seiner Pensionierung noch immer durch die Produktionshallen führt. In der Plexiglasvitrine hinter ihm stecken metallische Greifer, die im Sekundentakt gelbe Plastik-Hände in die Ärmel von Legomännchen-Oberkörpern schieben. Ein paar Maschinen weiter rollen Köpfe: Sechsmal in der Minute prasselt ein halbes Dutzend gelber Häupter in eine flache Kiste. Sie sind noch warm. Von all dem bekommt man in Andersens Büro nichts mit. Er stellt seine Käfer-Babys zurück in die flache Pappkiste. Die vordere Stoßstange reißt vom Wagen ab, als sie sich am Rand des Kartons verhakt. Behutsam drückt Andersen sie wieder fest und stellt die Kiste schließlich in den Schrank. Zurück an seinem Schreibtisch, macht er sich wieder an die Arbeit: Lego spielen.

Die Lego-Geschichte

Gründer Ole Kirk Christiansen begann 1932, Holzspielzeug zu verkaufen. "Lego" ist eine Abkürzung für "Leg godt", dänisch für "Spiel gut". Die ersten Steine (1949) waren hohl, die Modelle fielen leicht zusammen. Den Durchbruch (1958) brachten Röhren im Inneren der Klötzchen, das Patent dafür lief 1988 aus. Nach der Krise im Jahr 2003 begann ein radikaler Umbau, der bis 2010 laufen soll: Die Freizeitparks wurden 2005 verkauft, die Produktion teilweise nach Tschechien verlagert. In drei Jahren sollen 80 Prozent der Bausteine aus Osteuropa und Mexiko kommen. Aktueller Eigentümer ist der Enkel des Gründers, Kjeld Kirk Kristiansen.

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Autor: Roland Niederlich

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