Lamborghini Aventador

Trumps Strafzölle: Auswirkungen für Autofahrer

Alles über Donald Trumps Strafzölle

Die EU und damit auch die deutschen Autobauer sind vorerst von den Stahl-Strafzöllen der USA ausgenommen. AUTO BILD erklärt die Hintergründe!
(dpa) Kurz vor Inkrafttreten der umstrittenen Strafzölle auf Stahl und Aluminum am 23. März 2018 haben die USA die EU-Länder sowie weitere Partner davon ausgenommen – vorerst bis zum 1. Mai. Bis dahin soll weiter über neue Handelsbedingungen gesprochen werden. Damit können die deutschen Autobauer zumindest ein wenig aufatmen. Allerdings droht wegen der harten Haltung von US-Präsident Donald Trump gegenüber China weiter ein globaler Handelskonflikt. Trump hatte zwei Wochen zuvor umfassende Einfuhrzölle auf Stahl in Höhe von 25 Prozent und auf Aluminium in Höhe von zehn Prozent angekündigt. Mehrere europäische Politiker, darunter der neue Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), hatten bei Verhandlungen in Washington das Schlimmste noch abwenden können.

Trump: "Autos ein wirklich großes Problem"

Trump hatte Autos am 10. März 2018 auf einer Kundgebung vor Anhängern als "wirklich großes Problem" bezeichnet und gedroht: "Wir werden Mercedes-Benz mit Zöllen belegen, wir werden BMW mit Zöllen belegen." Schon zuvor hatte der US-Präsident über Twitter erklärt, Importabgaben erheben zu wollen – und zwar nicht nur im Fall von EU-Vergeltungsmaßnahmen für die von ihm verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Die scharfen Töne beunruhigen viele Deutsche, schließlich besteht ein enges Handelsgeflecht zwischen Deutschland und den USA. Deutschland exportiert Waren im Wert von vielen Milliarden in die USA, importiert aber auch einiges. AUTO BILD klärt über die Hintergründe auf.

Was ist der Anlass für den Streit?

US-Präsident Trump drohte der deutschen Autoindustrie schon vor Amtsantritt mit Strafzöllen.

Trump bemängelt den Handel zwischen Europa und den USA als unfair: Die Europäer würden die eigenen Märkte abschotten, aber günstig exportieren. Tatsächlich werden Autos aus den USA in der EU mit zehn Prozent Importzoll belegt, während die USA auf eingeführte Autos aus Europa nur 2,5 Prozent draufschlagen. Deutschland kassiere auf Kosten der USA, kritisiert Trump.

Worum geht es wirklich?

Dem US-Präsidenten ist es ein Dorn im Auge, dass Deutschland als Exportweltmeister gut am internationalen Handel verdient, sich in Sicherheitsfragen aber auf den starken Partner USA verlässt. Tatsächlich reißt Deutschland das mit der NATO vereinbarte Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben seit Jahren. Das wird begründet mit einem weiter gefassten Sicherheitsbegriff: Die Bundesregierung argumentiert, dass auch Entwicklungshilfe die Sicherheit hierzulande erhöht, das Geld zählt aber nicht zum Verteidigungshaushalt. 

Was würden Strafzölle bringen?

Sie machen importierte Waren teuer, denn sie werden auf die regulären Einfuhrzöllen aufgeschlagen. Damit wollen die USA die Einfuhrmenge verringern, um mehr von der heimischen Ware zu verkaufen. Importierter Stahl wird um 25 Prozent teurer, Aluminium um zehn Prozent. Doch die Wirkung solcher Strafzölle hält meist nicht lange an und schlägt dann ins Gegenteil um. Als US-Präsident George W. Bush 2002 ähnliche Schutzzölle auf Stahl verhängte, konterte die EU mit Gegenzöllen. Die Folge: In den USA gingen Zehntausende Jobs in der Stahlindustrie verloren, nach zwei Jahren hoben die USA die Zölle wieder auf. 

Wie wären die deutschen Autobauer betroffen?

Unterschiedlich. BMW wäre eher vor Gegenreaktionen aus aller Welt betroffen. Denn die Bayern haben ihr weltweit größtes Werk in Spartanburg (US-Bundesstaat South Carolina), von wo aus sie 70 Prozent aller gefertigten Fahrzeuge (vor allem SUVs) exportieren, auch nach Europa. Auch Daimler und VW haben große Werke in Übersee, Audi und Porsche nicht. Porsche exportiert jährlich rund 50.000 Autos in die USA. Für alle deutschen Hersteller aber gilt: Der US-Markt ist enorm wichtig. 2017 legten ihre Verkäufe dort laut VDA um etwa ein Prozent auf 1,35 Millionen Neuwagen zu.

Würden GM, Chrysler und Co überhaupt profitieren?

Das ist eher fraglich. Laut Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sind rund drei Viertel der Produktion der großen US-Hersteller dicke Light Trucks und Pick-ups, die in Europa kaum gefahren werden. Sie würden wohl auch durch geringere Einfuhrbeschränkungen kaum begehrter.

Wie geht es weiter?

Die Strafzölle sind gesetzt, der Handelskonflikt kommt (zumindest mit China), auch wenn der Sinn der Aktion selbst in den USA angezweifelt wird. Mit der EU sollen laut Weißem Haus "langfristige Alternativen entwickelt werden, die der nationalen Sicherheit der USA gerecht" würden. Trump werde am 1. Mai weitere Entscheidungen treffen. Aber der transatlantische Zoff der Worte dürfte erst mal weitergehen. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sprach im Bayerischen Rundfunk von Trump als "Raufbold, der Vergnügen daran (dem Streit, d. Red.) hat". Das Münchener Ifo-Institut hatte die EU dazu aufgefordert, auf mögliche US-Abgaben entschieden mit den Vergeltungszöllen zu reagieren, die durch die Regeln der Welthandelsorganisation erlaubt seien. Es droht nach wie vor eine Spirale des Protektionismus.

Werden wir die Auswirkungen spüren, und wann?

Erst mal kaum, dann aber umso heftiger. Nur drei Prozent der US-Stahlimporte stammen aus Deutschland. Sorge bereitet den Wirtschaftsverbänden der raue Ton, der dem internationalen Handel schadet und eine Kette von Strafen und Gegenreaktionen nach sich ziehen dürfte. Das beeinträchtigt das günstige Wirtschaftsklima und könnte den Aufschwung abschnüren. Bei einem Abkühlen der Konjunktur wären höhere Spritpreise und mehr Arbeitslose eine mögliche Folge. Der wichtige Verband der Maschinenbauer VDMA sieht als Ergebnis nur Verlierer.

Werden Harley-Davidsons und Teslas jetzt teurer? 

In Europa würden die legendären Motorräder mit Sicherheit teurer, wenn die Importeure die von der EU angekündigten Strafzölle auf den Kaufpreis aufschlügen. Denn die EU hatte höhere Importsteuern als Gegenmaßnahmen angekündigt. Das ist nun vorerst vom Tisch. Ob Teslas E-Autos auf dem alten Kontinent teurer werden, ist schwer zu sagen. Nutzt Musk hochfesten, strafbesteuerten Stahl aus dem Import? Verhängt die EU im Gegenzug Strafzölle auf US-Produkte? Und wie jongliert Tesla-Chef Elon Musk mit den Preisen für seine Autos? Alles offene Fragen.

Welche Rolle spielt Elon Musk?

Er sprang Trump bei den Importzöllen bei! Aber er nimmt eher China als die EU aufs Korn, denn dort will er eine Tesla-Fabrik bauen und stößt dabei auf Widerstand. Im Verhältnis zu China fallen die Importzölle noch gravierender aus als mit den USA: China schlägt auf importierte Autos 25 Prozent Einfuhrzoll auf, die USA auf Autos aus China nur 2,5 Prozent. Aber tatsächlich geht es wohl eher um den freien Zugang zum chinesischen Markt. Interessant ist, dass Musk, der Trump zuletzt kritisiert hat, ihn auf einmal unterstützt.

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