Tuning-Alternativen zum VW Golf GTI

Tuning-Alternativen zum VW Golf GTI

— 03.12.2009

Drei sparsame Golf-Sportler

Sie wollen heizen ohne zu blechen? Warum nicht mal was Alternatives ausprobieren? Downsizing und Powerpimping von Abt? Die Autogas-Variante von Sportec vielleicht? Oder gleich den Powerdiesel von Digi-Tec?

Wer hat's erfunden? Nein, nicht die Schweizer, das waren die Deutschen, genauer: die in Wolfsburg, noch genauer: die von VW, und zwar vor 33 Jahren mit dem Golf GTI. Doch halt, um den Golf GTI geht es doch gar nicht, sondern um drei Alternativen, die dem Kultmobil nicht nur Show und Shine stehlen, sondern vor allem günstiger, weil sparsamer, die Kilometer abspulen wollen – bei angeblich GTI-tauglicher Performance. Darunter findet sich mit dem schlumpfblauen Sportec-Golf eben auch eine spannende Farberfindung aus der Schweiz. Doch der Reihe nach, schauen wir uns die drei Alternativen aus der Nähe an. Zunächst den Abt: schon äußerlich wie gemacht für die Showbühne. Sein Rundum-Bodykit zeugt von hartem Workout in der Muckibude, dazu Anstrich in Feuerrot, Tagfahrleuchten und vier dicke Auspuffrohre, die bedauerlicherweise nur mickrige Töne spucken.

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Klassisches Downsizing: Abt verspricht sechs Liter Verbrauch auf 100 Kilometer.

Ob es am kleinen Motor liegt? Schließlich arbeitet hier "nur" der zierliche 1.4 TSI Twincharger. Sonst mit 160 PS, dank des umfassenden Elektronik-Push-ups auf 210 PS getrimmt. Dazu ein stämmiger Drehmomentverlauf, der laut Abt von 2500 bis 5000 Touren auf dem Maximum von 290 Newtonmetern surft. Unbehandelt bringt der Motor es auf 240 Nm (1500 bis 4000/min). Der Clou: Abt verspricht mehr Power bei gleichem Einsatz, der Verbrauch soll unverändert bei 6,0 Liter pro 100 Kilometer liegen. Sünde ohne Reue also? Noch effizienter, weil mit grundsätzlich besserem Wirkungsgrad bewaffnet, kann es dagegen ein Diesel. Besonders einer vom Schlage des 2.0 TDI mit 170 PS im Golf GTD . Dieses Haudraufs hat sich Digi-Tec angenommen, die Leistung auf 205 PS, das maximale Drehmoment von 350 auf 415 Nm nach oben korrigiert. Dazu gibt es ein KW-Gewindefahrwerk, Eisenmann-Endtopf und hübsche 19-Zöller mit 225er-Schluffen. Ansonsten bleibt der GTD wie von der Stange.

Sportec vertraut beim SC 200 auf das Sparpotenzial von Autogas

Schweizer Blaumacher: Der Sportec Golf SC 200 LPG setzt auf Autogas.

Der Dritte im Bunde: der Schweizer Schlumpf von Sportec. Die Basis des SC 200 Mean+Clean bildet wie beim Abt ein doppelt aufgeladener Golf 1.4 TSI. Mittels neuer Motorsoftware auf 210 PS gepusht, prügelt er in Sachen Drehmoment sogar mit 300 Nm auf die Kurbelwelle ein. Und zwar kontinuierlich von 1800 bis 3000 Umdrehungen. Das Besondere am Sportec: Er ist mit Autogas/LPG-Umbau unterwegs. Nach üblichem Prinzip: Zusatztank in der Reserveradmulde, zweiter Tankstutzen, LPG-Einspritzanlage, Umschalter im Cockpit. Gut für die Umwelt, gut für den Geldbeutel: Autogas kostet derzeit im Schnitt etwa 59 Cent je Liter. Klar, der Verbrauch steigt, die Leistung sinkt etwas, aber bei diesem Tarif lässt sich damit leben. Gerade auch, weil es bereits 5535 Autogas-Tankstellen in Deutschland gibt. Was aber schmerzt: Sportec verlangt 5075 Euro für den Autogas-Umbau. Um diese Kosten wieder reinzuholen, müsste man gemäß der Testverbräuche 82.925 Kilometer (durchweg mit Autogas) fahren. Eine echte Sparinvestition sieht anders aus.

Zumal es sich hierbei nur um die Gasanlage handelt. Die durch die heißere LPG-Verbrennung gefährdeten Ventile und Ventilsitzringe bleiben unbehandelt. Fragt man bei VW nach, heißt es: "Wenn am Zylinderkopf nichts gemacht ist, lasst die Finger von Flüssiggas beim 1.4 TSI. Die Belastung wird auf Dauer zu groß." Sportec sagt: "Vom Hersteller der Gasanlage BRC gibt es grünes Licht für den Einsatz beim leistungsgesteigerten 1.4 TSI. Ventile und deren Sitzringe haben bei Langzeittests keine Probleme gemacht. Einzige Schwachstelle: Im Dauergasbetrieb könnten die Benzin-Einspritzventile verkoken. Um dem vorzubeugen, lässt die Software stets parallel 5 Prozent Super Plus einspritzen; so werden die Ventile geschützt, die Verbrennungstemperatur sinkt."

Nur der Digi-Tec GTD hat die Ölbadvariante des DSG

Schaltarbeit im Ölbad: Digi-Tec wechselt die Fahrstufen per Sechsgang-DSG.

Endgültige Klärung zur Dauerhaltbarkeit kann dieser Vergleich nicht liefern. Wir blenden diese Frage daher aus und konzentrieren uns auf Umbau und Performance der drei: Alle wechseln ihre Gänge via Doppelkupplung. Beim Digi-Tec-GTD ist es die Ölbadvariante mit sechs Gängen, bei den anderen jene mit trocken laufenden Kupplungsscheiben und sieben Gängen. In Sachen Schaltgeschwindigkeit gibt es quasi keine Unterschiede zwischen den Systemen. Die Gangwechsel erfolgen jeweils binnen 250 und 350 Millisekunden, je nach Gaspedalstellung und Schaltmodus. Zur Einordnung: Blinzeln dauert 300 bis 400 ms. Nur beim sportlichen Runterzappen der Gänge lässt sich das 7-Gang-DSG gern mal ein wenig mehr Zeit als das 6-Gang-System, vermutlich eine Schutzfunktion vor Überbelastung. Peitscht man die drei aus dem Stand voran, liegt der Abt ab Tempo 80 vorn und gibt die Führung nicht mehr her. Auch im Zwischenspurt liefert er die Bestzeiten. Die Steigerung zum Serien-TSI ist beträchtlich, dieser braucht von 0 auf 100 km/h 7,9 Sekunden, der Abt nur 6,7, der Sportec 6,9 Sekunden.

Alle drei Tuningprodukte sind ihren Serienversionen überlegen

Deutlich schneller: Alle drei getunten Golf hängen ihre Serienversion ab.

Dank Launch-Control kann der Digi-Tec-GTD mit dem Sportec-LPG bis Tempo 100 mithalten und verliert erst bei höheren Geschwindigkeiten an Boden. Mit 6,9 Sekunden hängt auch er die Serienversion (8,1 s) deutlich ab. Dass der Sportec im Spritbetrieb mit 6,5 Sekunden den 0-auf-100-Bestwert erreicht, bringt ihm allenfalls Anerkennung, mehr nicht. Schließlich geht es um die verschiedenen Konzepte, in die Wertung gehen also nur die LPG-Zeiten ein. Eindeutig dagegen: der Sieg des Sportec in der Bremswertung. Er profitiert von seiner Sportbremsanlage an der Vorderachse, aber auch von den feinen Michelin-Reifen, die ihm zudem ein hübsch agiles Handling verleihen. Der Pedalstepptanz, die Kurvenjagd, Lenkgefühl, Pedaldruckpunkte – auch bei harter Belastung passt das Material und dessen Zusammenspiel hervorragend.

Weitere Details zu den sauberen und schnellen Golf vom Tuner gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Abt Golf VS4 Digi-Tec Golf GTD Sportec Golf SC 200 LPG
Motor R4, Turbo + Kompressor R4, Turbo R4, Turbo+ Kompressor
Einbaulage vorn quer vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1390 cm³ 1968 cm³ 1390 cm³
Bohrung x Hub 76,5 x 75,6 mm 81,0 x 95,5 mm 76,5 x 75,6 mm
Verdichtung 10,0:1 16,5:1 10,0:1
kW (PS) bei 1/min 154 (210)/6000 151 (205)/4050 154 (210)/5560
Literleistung 151 PS/Liter 104 PS/Liter 151 PS/Liter
Nm bei 1/min 290/2500–5000 415/2200 300/1800–3000
Antriebsart Vorderrad Vorderrad Vorderrad
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung 6-Gang-Doppelkupplung 7-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn 345 mm/innenbel. 312 mm/innenbel. 320 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 253 mm 253 mm 253 mm
Radgröße vorn/hinten 8,5 x 18 8 x 19 8,5 x 19
Reifen vorn/hinten 225/40 R 18 225/35 R 19 225/35 R 19
Reifentyp Continental SportContact 3 Continental SportContact 3 Michelin Pilot Sport 2 K1
Länge/Breite/Höhe 4199/1779/1450 mm 4213/1786/1450 mm 4199/1779/1445 mm
Radstand 2575 mm 2578 mm 2575 mm
Leistungsgewicht 6,6 kg/PS 7,0 kg/PS 6,7 kg/PS
Zuladung 472 kg 481 kg 454 kg
Tankvolumen 55 l 55 l 55 l
Messwerte Abt Golf VS4 Digi-Tec Golf GTD Sportec Golf SC 200 LPG
Beschleunigung LPG | Super Plus
0–50 km/h 2,6 s 2,6 s 2,9 | 2,7 s
0–80 km/h 4,8 s 4,8 s 5,1 | 4,8 s
0–100 km/h 6,7 s 6,9 s 6,9 | 6,5 s
0–130 km/h 10,8 s 11,3 s 11,1 | 10,3 s
0–160 km/h 16,7 s 17,8 s 17,5 | 16,2 s
0–180 km/h 22,4 s 24,1 s 22,6 | 20,9 s
0–200 km/h 31,1 s 33,6 s 31,8 | 28,7 s
Viertelmeile
0–402,34 m 14,99 s 15,07 s 15,01 | 14,75 s
Höchstgeschwindigkeit
GPS-Messung 235 km/h 226 km/h 237 km/h
Zwischenspurt
60–100 km/h 3,5 s 3,9 s 3,5 | 3,4 s
80–120 km/h 4,5 s 4,9 s 4,5 | 4,2 s
Bremsweg (Verzögerung)
100–0 km/h kalt 36,0 m (–10,7 m/s²) 37,8 m (–10,2 m/s²) 35,1 m (–11,0 m/s²)
100–0 km/h warm 36,4 m (–10,6 m/s²) 38,3 m (–10,1 m/s²) 34,4 m (–11,2 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 8,3 l Super Plus 7,6 l Diesel 8,9 l Flüssiggas
Reichweite 660 km 730 km 560 km
Leergewicht 1388 kg 1429 kg 1406 kg

Autor: Oliver Strohbach

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