Tuning-Alternativen zum VW Golf GTI
— 03.12.2009Drei sparsame Golf-Sportler
Sie wollen heizen ohne zu blechen? Warum nicht mal was Alternatives ausprobieren? Downsizing und Powerpimping von Abt? Die Autogas-Variante von Sportec vielleicht? Oder gleich den Powerdiesel von Digi-Tec?
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Ob es am kleinen Motor liegt? Schließlich arbeitet hier "nur" der zierliche 1.4 TSI Twincharger. Sonst mit 160 PS, dank des umfassenden Elektronik-Push-ups auf 210 PS getrimmt. Dazu ein stämmiger Drehmomentverlauf, der laut Abt von 2500 bis 5000 Touren auf dem Maximum von 290 Newtonmetern surft. Unbehandelt bringt der Motor es auf 240 Nm (1500 bis 4000/min). Der Clou: Abt verspricht mehr Power bei gleichem Einsatz, der Verbrauch soll unverändert bei 6,0 Liter pro 100 Kilometer liegen. Sünde ohne Reue also? Noch effizienter, weil mit grundsätzlich besserem Wirkungsgrad bewaffnet, kann es dagegen ein Diesel. Besonders einer vom Schlage des 2.0 TDI mit 170 PS im Golf GTD . Dieses Haudraufs hat sich Digi-Tec angenommen, die Leistung auf 205 PS, das maximale Drehmoment von 350 auf 415 Nm nach oben korrigiert. Dazu gibt es ein KW-Gewindefahrwerk, Eisenmann-Endtopf und hübsche 19-Zöller mit 225er-Schluffen. Ansonsten bleibt der GTD wie von der Stange.
Sportec vertraut beim SC 200 auf das Sparpotenzial von Autogas
Der Dritte im Bunde: der Schweizer Schlumpf von Sportec. Die Basis des SC 200 Mean+Clean bildet wie beim Abt ein doppelt aufgeladener Golf 1.4 TSI. Mittels neuer Motorsoftware auf 210 PS gepusht, prügelt er in Sachen Drehmoment sogar mit 300 Nm auf die Kurbelwelle ein. Und zwar kontinuierlich von 1800 bis 3000 Umdrehungen. Das Besondere am Sportec: Er ist mit Autogas/LPG-Umbau unterwegs. Nach üblichem Prinzip: Zusatztank in der Reserveradmulde, zweiter Tankstutzen, LPG-Einspritzanlage, Umschalter im Cockpit. Gut für die Umwelt, gut für den Geldbeutel: Autogas kostet derzeit im Schnitt etwa 59 Cent je Liter. Klar, der Verbrauch steigt, die Leistung sinkt etwas, aber bei diesem Tarif lässt sich damit leben. Gerade auch, weil es bereits 5535 Autogas-Tankstellen in Deutschland gibt. Was aber schmerzt: Sportec verlangt 5075 Euro für den Autogas-Umbau. Um diese Kosten wieder reinzuholen, müsste man gemäß der Testverbräuche 82.925 Kilometer (durchweg mit Autogas) fahren. Eine echte Sparinvestition sieht anders aus.Zumal es sich hierbei nur um die Gasanlage handelt. Die durch die heißere LPG-Verbrennung gefährdeten Ventile und Ventilsitzringe bleiben unbehandelt. Fragt man bei VW nach, heißt es: "Wenn am Zylinderkopf nichts gemacht ist, lasst die Finger von Flüssiggas beim 1.4 TSI. Die Belastung wird auf Dauer zu groß." Sportec sagt: "Vom Hersteller der Gasanlage BRC gibt es grünes Licht für den Einsatz beim leistungsgesteigerten 1.4 TSI. Ventile und deren Sitzringe haben bei Langzeittests keine Probleme gemacht. Einzige Schwachstelle: Im Dauergasbetrieb könnten die Benzin-Einspritzventile verkoken. Um dem vorzubeugen, lässt die Software stets parallel 5 Prozent Super Plus einspritzen; so werden die Ventile geschützt, die Verbrennungstemperatur sinkt."
Nur der Digi-Tec GTD hat die Ölbadvariante des DSG
Endgültige Klärung zur Dauerhaltbarkeit kann dieser Vergleich nicht liefern. Wir blenden diese Frage daher aus und konzentrieren uns auf Umbau und Performance der drei: Alle wechseln ihre Gänge via Doppelkupplung. Beim Digi-Tec-GTD ist es die Ölbadvariante mit sechs Gängen, bei den anderen jene mit trocken laufenden Kupplungsscheiben und sieben Gängen. In Sachen Schaltgeschwindigkeit gibt es quasi keine Unterschiede zwischen den Systemen. Die Gangwechsel erfolgen jeweils binnen 250 und 350 Millisekunden, je nach Gaspedalstellung und Schaltmodus. Zur Einordnung: Blinzeln dauert 300 bis 400 ms. Nur beim sportlichen Runterzappen der Gänge lässt sich das 7-Gang-DSG gern mal ein wenig mehr Zeit als das 6-Gang-System, vermutlich eine Schutzfunktion vor Überbelastung. Peitscht man die drei aus dem Stand voran, liegt der Abt ab Tempo 80 vorn und gibt die Führung nicht mehr her. Auch im Zwischenspurt liefert er die Bestzeiten. Die Steigerung zum Serien-TSI ist beträchtlich, dieser braucht von 0 auf 100 km/h 7,9 Sekunden, der Abt nur 6,7, der Sportec 6,9 Sekunden.
Alle drei Tuningprodukte sind ihren Serienversionen überlegen
Dank Launch-Control kann der Digi-Tec-GTD mit dem Sportec-LPG bis Tempo 100 mithalten und verliert erst bei höheren Geschwindigkeiten an Boden. Mit 6,9 Sekunden hängt auch er die Serienversion (8,1 s) deutlich ab. Dass der Sportec im Spritbetrieb mit 6,5 Sekunden den 0-auf-100-Bestwert erreicht, bringt ihm allenfalls Anerkennung, mehr nicht. Schließlich geht es um die verschiedenen Konzepte, in die Wertung gehen also nur die LPG-Zeiten ein. Eindeutig dagegen: der Sieg des Sportec in der Bremswertung. Er profitiert von seiner Sportbremsanlage an der Vorderachse, aber auch von den feinen Michelin-Reifen, die ihm zudem ein hübsch agiles Handling verleihen. Der Pedalstepptanz, die Kurvenjagd, Lenkgefühl, Pedaldruckpunkte – auch bei harter Belastung passt das Material und dessen Zusammenspiel hervorragend. Weitere Details zu den sauberen und schnellen Golf vom Tuner gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.
| Fahrzeugdaten | Abt Golf VS4 | Digi-Tec Golf GTD | Sportec Golf SC 200 LPG |
|---|---|---|---|
| Motor | R4, Turbo + Kompressor | R4, Turbo | R4, Turbo+ Kompressor |
| Einbaulage | vorn quer | vorn quer | vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
| Hubraum | 1390 cm³ | 1968 cm³ | 1390 cm³ |
| Bohrung x Hub | 76,5 x 75,6 mm | 81,0 x 95,5 mm | 76,5 x 75,6 mm |
| Verdichtung | 10,0:1 | 16,5:1 | 10,0:1 |
| kW (PS) bei 1/min | 154 (210)/6000 | 151 (205)/4050 | 154 (210)/5560 |
| Literleistung | 151 PS/Liter | 104 PS/Liter | 151 PS/Liter |
| Nm bei 1/min | 290/2500–5000 | 415/2200 | 300/1800–3000 |
| Antriebsart | Vorderrad | Vorderrad | Vorderrad |
| Getriebe | 7-Gang-Doppelkupplung | 6-Gang-Doppelkupplung | 7-Gang-Doppelkupplung |
| Bremsen vorn | 345 mm/innenbel. | 312 mm/innenbel. | 320 mm/innenbel./gelocht |
| Bremsen hinten | 253 mm | 253 mm | 253 mm |
| Radgröße vorn/hinten | 8,5 x 18 | 8 x 19 | 8,5 x 19 |
| Reifen vorn/hinten | 225/40 R 18 | 225/35 R 19 | 225/35 R 19 |
| Reifentyp | Continental SportContact 3 | Continental SportContact 3 | Michelin Pilot Sport 2 K1 |
| Länge/Breite/Höhe | 4199/1779/1450 mm | 4213/1786/1450 mm | 4199/1779/1445 mm |
| Radstand | 2575 mm | 2578 mm | 2575 mm |
| Leistungsgewicht | 6,6 kg/PS | 7,0 kg/PS | 6,7 kg/PS |
| Zuladung | 472 kg | 481 kg | 454 kg |
| Tankvolumen | 55 l | 55 l | 55 l |
| Messwerte | Abt Golf VS4 | Digi-Tec Golf GTD | Sportec Golf SC 200 LPG |
|---|---|---|---|
| Beschleunigung | LPG | Super Plus | ||
| 0–50 km/h | 2,6 s | 2,6 s | 2,9 | 2,7 s |
| 0–80 km/h | 4,8 s | 4,8 s | 5,1 | 4,8 s |
| 0–100 km/h | 6,7 s | 6,9 s | 6,9 | 6,5 s |
| 0–130 km/h | 10,8 s | 11,3 s | 11,1 | 10,3 s |
| 0–160 km/h | 16,7 s | 17,8 s | 17,5 | 16,2 s |
| 0–180 km/h | 22,4 s | 24,1 s | 22,6 | 20,9 s |
| 0–200 km/h | 31,1 s | 33,6 s | 31,8 | 28,7 s |
| Viertelmeile | |||
| 0–402,34 m | 14,99 s | 15,07 s | 15,01 | 14,75 s |
| Höchstgeschwindigkeit | |||
| GPS-Messung | 235 km/h | 226 km/h | 237 km/h |
| Zwischenspurt | |||
| 60–100 km/h | 3,5 s | 3,9 s | 3,5 | 3,4 s |
| 80–120 km/h | 4,5 s | 4,9 s | 4,5 | 4,2 s |
| Bremsweg (Verzögerung) | |||
| 100–0 km/h kalt | 36,0 m (–10,7 m/s²) | 37,8 m (–10,2 m/s²) | 35,1 m (–11,0 m/s²) |
| 100–0 km/h warm | 36,4 m (–10,6 m/s²) | 38,3 m (–10,1 m/s²) | 34,4 m (–11,2 m/s²) |
| Testverbrauch | |||
| Ø auf 100 km | 8,3 l Super Plus | 7,6 l Diesel | 8,9 l Flüssiggas |
| Reichweite | 660 km | 730 km | 560 km |
| Leergewicht | 1388 kg | 1429 kg | 1406 kg |
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Kommentare zum Artikel (10)
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Natürlich hält der Motor. Die Frage ist jedoch was der Turbo so macht. Beim alten 1.8t (150PS) ist der ja auch öfters mal kaputt gegangen. Auch beim 2.o tdi von vw reißen stetig die Turboschläuche. Deswegen sehe sich die Entwicklungen mit den Turbos ziemlich kritisch. Das können die Kosten explosionsartig steigen. VW, denke ich, hat das (noch) nicht im Griff. Darüber hinaus sind die Preise dermaßen hoch für diese popeligen Golfs. Da greif ich doch gleich zu einem S3 oder so enn ich unbedingt 200PS oder mehr haben muss. Da spielen 2-3Liter Unterschied im Verbrauch auch keine Rolle mehr.
@D5
Ich seh das mit der Haltbarkeit nicht so kritisch- wer den Motor gut pflegt und ihn nicht jeden Tag ans Limit treibt sollte auch noch nach 200000 km gut unterwegs sein. Trotzdem halte ich einen 2.0 TSI für die bessere Entscheidung.
Da gewinnt ja schon wieder ein VW.
Schämt euch Auto Bild..
Mein erster VW war ein Golf V GT Diesel, 170 PS 350 NM.
Der Frontantrieb ist ohnehin mit der Leistung überfordert und hat auf der Antriebsachse gerne Reifen "gefressen" trotz fröhlich blinkender Lichtchen der Regelsysteme. Soviel zum Thema Leistungssteigerung in dieser Klasse mit Frontantrieb.
Mein letzter VW war auch ein Golf, eben genau dieser. War nämlich mehr Werkstattwagen bzw. Steh- statt Fahrzeug.
Nach 2,5 Jahren hab ich mir dann ein Fahrzeug gekauft was einem Anspruch an Qualität und zuverlässiger Technik in der gehobenen Preisklasse(VW ist ja nicht gerade günstig) gerecht wird.
Schade das es keinen BioEthernol Golf im Test gab. Dieses ist wohl einer der Zaubertränke für Motoren, wenn man sich zB. Koenigegg anschaut.