Tuning für Porsche Boxster S

TechArt Boxster 3.6 S gegen TTP Competition GT TechArt Boxster 3.6 S gegen TTP Competition GT

Tuning für Porsche Boxster S

— 02.09.2003

Eine Frage der Philosophie

Welche Tuningmethode macht beim Porsche Boxster mehr Sinn – größerer Hubraum oder zwei Turbolader?

Unterschiedliche Charaktere

Menschen sind verschieden: Für die einen beginnt ein perfekter Tag mit einem Halbmarathon. Danach geht's ins Fitnessstudio, und abends steht zur Entspannung eine Achterbahnfahrt oder Bungeejumping auf dem Programm. Die anderen wiederum genehmigen sich nach einem sechsgängigen Frühstücksmenü eine entspannte Golfpartie und lassen den Tag bei einer Zigarre im Whirlpool ihrer Villa ausklingen.

Den Ersteren ist der TTP-Boxster auf den Leib geschneidert, zu Letzteren würde der TechArt-Porsche passen. Vom Boxster S ausgehend, haben die Tuner zwei völlig unterschiedliche Charaktere geschaffen.

Das fällt schon beim Platznehmen im Innenraum auf. Competition GT heißt die Kreation von TTP. Den Wettbewerb (engl. competition) um das schönste Interieur verliert sie jedoch: Der Fahrer darf sich lediglich an einem Zusatzinstrument erfreuen, das den Ladedruck anzeigt – Zweckmäßigkeit regiert. Wenigstens äußerlich tut sich was: Die ausladende GT2-Frontschürze und die verspielten 18-Zöller brechen mit der reinen Lehre.

Exquisiter Innenraum

Der TechArt-Boxster hingegen verwöhnt mit einem Cockpit, das das Prädikat "exquisit" verdient. Bei Ampelstopps besteht durchaus die Gefahr, dass ein Verrückter ins Auto springt, um die Sitze zu liebkosen. Die komplette Ausstattung in Leder und Aluminum sieht sehr kostspielig aus – und sie ist es auch. Navigations- und Soundsystem von VDO Dayton unterstreichen die Bemühungen des Tuners, es an wirklich nichts fehlen zu lassen. Natürlich sind auch Äußerlichkeiten wichtig: Das Spoilerpaket ist komplett, die schwarzen Räder todschick.

Wer allerdings den TTP-Porsche aufgrund seiner seriennahen Optik unterschätzt, kommt schnell unter die Räder. Zwei Turbolader quetscht Turbopapst und Firmenchef Ferdinand Pietz in die drangvolle Enge des Boxster-Motorraums. Die werden im so genannten Bolt-on-Verfahren montiert. Hierfür muss der Motor weder ausgebaut noch zerlegt werden, der Arbeitsaufwand hält sich in Grenzen. Dank Wasser-Ladeluftkühlsystem bleibt die thermische Belastung im grünen Bereich. Nur der Wärmetauscher im Kofferraum verrät den Umbau. Aus einst 252 (beide Autos basieren auf dem alten Boxster S) zaubert Pietz 390 PS, die es in sich haben. Der Turbomotor quittiert jeden Gasstoß mit unverhohlener Begeisterung. Das zornige Bellen der Auspuffanlage passt vorzüglich dazu.

Mit ganz so giftigem Antritt kann TechArt nicht dienen. Verständlich – hier fehlt der Turbokick. Der Tuner erhöht den Hubraum um 0,4 auf 3,6 Liter, die Leistung steigt auf 325 PS. An normalen Maßstäben gemessen, ist aber auch dieser Porsche unglaublich schnell: Wenn die Maschine auf Touren kommt, schiebt sie bis in den roten Bereich.

Testwerte im Überblick

Beim Anblick der Messwerte werden die 65 PS Differenz zwischen den beiden Autos augenfällig. TechArt benötigt 5,5 Sekunden bis 100 km/h und eher zurückhaltende 21,1 Sekunden bis 200 km/h. Der TTP-Boxster lässt bis 100 km/h gerade mal 4,7 Sekunden verstreichen und hat nach fulminanten 15,5 Sekunden die 200 km/h erreicht. Nur die TTP-Sportbremse enttäuscht. Die normalen Porsche-Scheiben des TechArt-Boxsters verzögern vor allem aus hoher Geschwindigkeit besser.

Obwohl der Boxster ab Werk wieselflink um die Ecken geht, setzen die Tuner auf Sportfahrwerke. Gut so: Adjektive wie agil, handlich und dynamisch scheinen extra für diese beiden Sportwagen erdacht worden zu sein. Die erreichbaren Kurvengeschwindigkeiten hängen einzig und allein vom Wagemut der Fahrer ab. Der Grenzbereich liegt in schwindelerregenden Höhen. Der TTP-Boxster federt einen Tick härter als der TechArt, ausreichenden Restkomfort bieten beide.

Technische Daten und Preise

Preislich langen beide Veredler ordentlich hin. TechArt verlangt für weniger Leistung logischerweise weniger Geld. Die entscheidende Frage lautet: Supersportler oder Luxusgeschöpf? Keine Frage der Qualität – eine Frage der Philosophie.

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