Tuning-Szene

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— 02.05.2003

Die Druckpumpen

AUTOTUNING hatte einen Wunschzettel verfasst:Tuning eines Polo mit 100-PS-Diesel. Ein Vergleich von MTM und Wendland.

Polo mit nfasslichen 170 PS

Selten haben wir uns so auf einen Tuning-Vergleichstest gefreut wie in diesem Fall. Die Ursache dafr liegt im Erscheinungsbild der beiden Probanden. Mal ehrlich: Traut man diesen Einkaufskrben das Zwischenspurtpotenzial eines Porsche Boxster zu? Wohl kaum. Somit war uns schon vorher klar, dass diese Autos fr viele von starkem Interesse sein wrden. Dabei hatten die Profis von MTM und Wendland bei der Wahl ihrer leistungssteigernden Manahmen freie Hand. Ob Chiptuning oder Komplettumbau die Philosophie des Tunings sollte am Endergebnis erkennbar sein.

So erschienen bei uns auf dem Redaktionsparkplatz ein 140-PS-Polo aus Wettstetten und ein 170-PS-Polo aus Rangendingen. Ja, richtig gelesen: einhundertsiebzig PS. Da so viel Leistung aus einem Selbstznder nicht mit der raschen Umprogrammierung der Motorsteuerung zu bewerkstelligen ist, holten die Wendland-Brder mchtig aus. Zunchst einmal wich der originale Turbolader einem grerem Exemplar mit verbessertem Durchsatz samt leistungsfhigerem Ladeluftkhler und Leitungen aus dem VW-Regal.

Nachdem diese Hardware verbaut war, widmeten sie sich der Software. Der gekonnte Umgang mit Bits und Bytes bescherte dem Fronttriebler daraufhin erkleckliche 380 Newtonmeter an Drehmoment. Zu viel fr das originale Zweimassenschwungrad, dessen Belastungsgrenze bei rund 310 Nm liegt. Als logische Konsequenz wurde diese durch eine starre Schwungscheibe und eine Renn-Kupplung ersetzt. Und wenn alles ohnehin schon demontiert vor einem liegt, kann man ja noch flink ein Sechsgang-Getriebe der Konzernschwester Seat verbauen. Warum eigentlich nicht?

Kraft-Wrfel auf der Rennstrecke

MTM whlte bei seiner 100-PS-Basis einen weniger aufwndigen, aber hinsichtlich der Fahrwerte erstaunlich effektiven Weg. Das in der Nhe von Ingolstadt ansssige Tuning-Team rund um Roland Mayer widmete sich dabei eingehend der elektronischen Neuordnung des serienmigen Motormanagements. Die Folgen dieser Manahmen lassen danach 310 Nm auf die Halbwellen los. Aus diesem Grund blieben sowohl das Getriebe als auch die Kupplung unangetastet, selbst wenn letztere mit dem neu generierten Kraftzuwachs gelegentlich zu kmpfen hatte.

Fr uns ging es darum, die unterschiedlichen Charaktere der Kraft-Wrfel auf der Rennstrecke aufzudecken. Als ideales Terrain erschien uns der Sachsenring, der aufgrund seiner Strecken-Charakteristik von seinen Fans liebevoll als "Nordschleife des Ostens" bezeichnet wird. Hier wechseln sich mig schnelle, teils "zumachende" Ecken mit saumig schnellen Passagen ab, Bergauf-Partien folgen anspruchsvollen Bergab-Passagen perfekt. Perfekt deshalb, weil beide Polos zustzlich ber hhenverstellbare Gewindefahrwerke verfgen.

Auch hier entschieden sich MTM und Wendland fr unterschiedliche Lsungen. Im Wissen um unsere Zeitenjagd auf der Piste stellte MTM seinen Polo auf ein KW-Gewindefahrwerk, dessen Tieferlegung mit einem negativen Sturz von zwei Grad an der Vorderachse einherging. Wendland lie es bei Gewinde-Dmpfern von Koni und eigenen Federn bewenden. Welche dieser Umbau-Manahmen die schnellere ist, deckten bereits wenige Umlufe auf. Untersttzt wurden wir dabei von professioneller Seite, dem Geschftsfhrer des Fahrsicherheitszentrums am Sachsenring, Ruben Zeltner.

Harter MTM und gutmtiger Wendland-Polo

Zum MTM, dessen Abstimmung unsere Fotografin auf der Fahrt nach Chemnitz noch lautstark ber den Nutzen eines Sport-BHs sinnieren lie, uert sich der aktive Rallye-Pilot so: "Mein Kind wrde ich mit einem derart harten Fahrwerk ungern ber die Landstrae schicken. Aber hier auf der Rundstrecke passt die Abstimmung. Der macht echt Spa!" Wer also ber ein wenig Fahrtalent verfgt, ist mit dem lebendigen Heck, das bei provozierten Lastwechseln gut kontrollierbar mitlenkt, gut bedient. Lediglich abrupte Manver im Grenzbereich mssen sehr zgig pariert werden, da sich der Fronttriebler sonst schnell um die Hochachse eindreht und die Reifen in den Radhusern zu schleifen beginnen.

Gutmtiger verhlt sich da der Wendland. Der wirkt subjektiv zwar weniger agil, verlangt von seinem Fahrer aber auch weniger Korrekturen am Lenkrad. Richtig schnell bewegen lsst er sich jedoch nur dann, wenn man sich dem Limit mit einem sauberen Strich und wenig Lastwechseln nhert. Wer das beherzigt, wird mit guten Rundenzeiten belohnt. Wer es bertreibt egal ob mit zu hoher Kurveneingangsgeschwindigkeit oder mit zu plumpem Leistungseinsatz am Kurvenausgang hat mit hartnckigem Untersteuern zu kmpfen. Dann hilft auch kein Lupfer am Gaspedal mehr.

Und was meint der Rallye-Pilot zum Wendland-Polo? "Das Auto profitiert auf dieser Strecke stark von den besseren Anschlssen seiner Getriebeabstufung. Beeindruckend ist allerdings, wie der Pumpe-Dse-Motor trotz der kleinen Gedenksekunde des Turbos aus niedriger Drehzahl anschiebt. Und beim Fahrwerk passt soweit auch alles!" Demnach gilt fr beide die simple Formel: Przision macht schnell.

Fabelzeiten bei den Tuning-Polos

brig bleibt da nur noch die Paradedisziplin der Diesel-Aggregate: die Elastizittsmessung. Whrend unserer Test-Fahrten staunten wir nicht schlecht, welche Fabelzeiten sowohl beim Wendland als auch beim MTM-Polo von unseren Gerten ausgedruckt wurden. Damit jetzt keiner aufsteht, um seine Autozeitschriften nach Vergleichbarem zu durchforsten: Wir haben ein hnlich durchzugsstarkes Auto bereits ausgewhlt.

Als Referenz-Fahrzeug dient in diesem Falle kein geringeres als der aktuelle Porsche Boxster mit 2,7 Litern Hubraum und serienmigen 228 PS. Damit wird jedem klar, wie gewaltig die beiden Wolfsburger Richtung Horizont eilen. Aus diesem Grunde sollte man sich die Daten gensslich und in appetitlich kleinen Dosen zu Gemte ziehen. Wohl bekomms. Beginnen wir mit der Messung im vierten Gang von 60 bis 100 km/h. Bereits nach 6,7 Sekunden wird die Tachoanzeige im MTM-Polo dreistellig! Kurz dahinter folgt der Wendland mit 7,2 Sekunden.

Auch im fnften Gang hat der bayerische Polo die kurze Haube vorn. Hier distanziert er seinen Kontrahenten um drei Sekunden: 10,2 zu 13,2 Sekunden, das ist richtig Holz. Beim Elastiztts-Klassiker, der Prfung von 80 auf 120 km/h, wendet sich das Bild zu Gunsten des Wendland-Teams. Im vierten Gang durchfhrt deren Polo nach 6,1 Sekunden (MTM: 7,2 Sekunden; Porsche Boxster 6,9 Sekunden) rund 100 Meter frher den letzten Messpunkt als der MTM. Auch im fnften Gang wird die vorangegangene Messung besttigt: 9,2 Sekunden vergehen von 80 bis 120 km/h (MTM: 9,7 Sekunden; Porsche Boxster 10,2 Sekunden).

Fazit und Technische Daten

Fazit Ein Fazit fllt deshalb schwierig aus, da die beiden sich unabhngig vom motorseitigen Konzept wegen der unterschiedlichen Getriebeabstimmungen zu sehr voneinander unterscheiden. Dennoch bleibt festzustellen, dass die Kosten des MTM-Tunings am Motor mit 974 Euro im Verhltnis zum gebotenen Fahrspa erstaunlich niedrig ausfallen. Einziger Wermutstropfen ist jedoch die im fnften Gang bei voller Leistungsabfrage berforderte Kupplung. Hier punktet eindeutig der Wendland-Polo. Zwar tritt dessen Antrieb akustisch etwas rauer in den Vordergrund, doch die sechs Gnge entschdigen dafr. Sie bescheren nicht nur eine hhere Endgeschwindigkeit von bis zu 225 km/h, sie halten auch auf ausgedehnten Autobahn-Etappen das Drehzahl- und damit auch das Verbrauchsniveau niedriger.

Das Ergebnis ist deshalb ein klassisches Remis. Beide verbuchen dennoch ein dickes Plus auf ihrem Spakonto, weshalb wir auch zuknftig getunte Diesel-Fahrzeuge testen werden. Eines wurde uns von den Wendland-Brdern schon angeboten. Ein 1,9-TDI mit ber 200 PS und mehr als 400 Newtonmetern Drehmoment. Und wir freuen uns schon wieder darauf. Die Boxster-Fahrer wohl weniger....

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