Tuning World Bodensee 2009 — autobild.de — 02.05.2009

Das Volk dreht auf

Tuning World Bodensee 2009
Vier Tage Tuning-Messe hinterlassen Spuren. Da kommt auch das stärkste Eichhörnchen an seine Grenzen.
Die Branche stottert – die Szene feiert. Die siebte Auflage der Tuning World hat ein paar Profi-Tuner verloren – dafür aber an Glaubwürdigkeit gewonnen. Zurück zu den Tuning-Wurzeln. autobild.de ist dabei.
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Von Andreas Rogotzki Es war ein rauschendes Fest. Mit diesem Echo wird auch die siebte Auflage der Tuning World am Sonntag zu Ende gehen. Während Nicht-Tuner lediglich den 1. Mai als Feiertag in Anspruch nehmen, dauert die Party am See ganze vier Tage lang. Dem feiernden Volk ist es dabei gänzlich egal, wie es der Branche geht und welcher Profi-Tuner sich am Bodensee blicken ließ. Die Tuning-Szene feiert sich mit  Hingabe und erfüllt damit so manches seit Urzeiten in Stein gemeißeltes Klischee. Nicht, weil sie es nicht besser wüssten – sondern weil Tuningkultur ein gewachsenes Pflänzchen ist. Und das will gehegt und gepflegt werden: Rund 1000 aufgemotzte Fahrzeuge, vom Smart bis zum Aston Martin, etwa 150 private Tuning-Clubs und international bekannte Szene-Stars wie US-Tuner Eddie Paul, DMAX-Schrauberin Lina van de Mars oder Ex-Miss-Tuning und Tuning-Sternchen Katharina Kuhlmann geben sich auf der Tuning World 2009 die Ehre. Die Nächte schließen mit rauschenden Ballerman-Partys– und enden mit dem dazugehörenden Kater.
Tuning-Erfinder Kamei ist bis heute im Geschäft
Warum auch nicht? Tuning wurde schließlich in Deutschland erfunden. 1953 montierte ein gewisser Karl Meier das so genannte Tiefensteuer an ein Serienfahrzeug. Die weitere Entwicklung kennen wir. Und die Firma Kamei ist noch 50 Jahre später ein Begriff in der Szene. Heute zieht man mit einem Tiefensteuer freilich keinen mehr vom Hocker. Sideblades, Frontsplitter und Heckdiffusor lauten die Schlagworte, die das Tunerherz auf Drehzahl bringen. Gepaart mit massig PS unter der Haube, einer mehrere tausend Euro teuren Lackierung und einer High-End-Multimediaanlage. Es wird geklotzt und nicht gekleckert. Vollbluttuner verzichten für ihren Traum auf vier Rädern nicht selten auf viele Extras im Alltag und sparen sich das bisschen Exklusivität mühevoll vom Munde ab.
Tuning fasziniert, verbindet und funktioniert
Auf der Suche nach scharfen Kurven: Die Tuner küren auf der Tuning World die Schönste ihrer Zunft.
Auf der Suche nach scharfen Kurven: Die Tuner küren auf der Tuning World die Schönste ihrer Zunft.
Ganz wichtig: Die Jungs teilen ihre Begeisterung hingebungsvoll, zollen sich gegenseitig Respekt und stacheln so den Tuning-Wettstreit immer wieder an. Da wird stundenlang vom Einbau des HiFi-Systems erzählt. Wie schwierig es war – und wie viele Winternächte für den mit Gold verzierten Motorraum geopfert wurden. Manch Hobbtuner redet sich so lange in Rage, bis der Adrenalinschub wieder einsetzt. Ein Grinsen breitet sich aus und die Droge Autotuning beginnt zu wirken. Ohne böse Nebenwirkungen, ohne schlimme Spätfolgen. Tuning wird oft belächelt – die Anhänger wenig geschätzt. Dabei tun die Jungs doch keinem weh. Sondern halten einen Teil der Autobranche am Leben. Also lassen wir der Szene ihren Spaß und sind froh darüber, dass ein Teil des automobilen Nachwuchses seine Bestimmung gefunden hat. Weiter so, Jungs und Mädels!

Am Sonntag auf der Tuning World 2009: Das große Finale der Miss Tuning Wahl 2009. Die verrücktesten Kisten gibt es bereits hier.
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