Tunnel-Boykott

Autofahrer boykottieren Lübecker Maut-Tunnel

Tunnel-Boykott in Lübeck

— 06.06.2006

Lieber Stau als Maut

Benutzungsgebühren im Lübecker Herrentunnel sind vielen Autofahrern ein Dorn im Auge. Sie quälen sich lieber durch die Innenstadt.

Boykott wegen hoher Benutzungsgebühr

Der Lübecker Herrentunnel, von Beginn an nicht gerade erfolgverwöhnt, leidet unter anhaltendem Nutzerschwund. Rund 22.000 Fahrzeuge rollen nach Angaben der Herrentunnel GmbH täglich durch den Tunnel unter der Trave, rund 15.000 weniger als bei der Planung des Bauwerkes angenommen. Das bringt die Betreiber in die Zwickmühle.

Wegen der zu geringen Nutzerzahlen müßte die Maut zum 1. Juli eigentlich steigen. Doch wenn die Benutzung teurer wird, würden vermutlich noch mehr Autofahrer den Herrentunnel umfahren, um Geld zu sparen. Die Benutzungsgebühr – je nach Fahrzeuggröße und Form der Bezahlung zwischen 0,75 Euro und 8,80 Euro – ist vielen Autofahrern, vor allem aber Spediteuren und Lkw-Fahrern ein Dorn im Auge. Statt durch den Tunnel fahren sie lieber über die Autobahn und dann durch die Lübecker Innenstadt. Eine Verkehrszählung der Hansestadt Lübeck hat ergeben, daß auf dem Autobahnteilstück zwischen Lübeck-Zentrum und Bad Schwartau pro Tag rund 16.000 Fahrzeuge mehr gezählt werden als vor der Tunnelöffnung im August 2005. Auf der innerstädtischen Schwartauer Allee hat sich allein die Zahl der Lkw von 900 pro Tag auf 2000 mehr als verdoppelt.

Weil vor allem Lastwagen den Tunnel meiden, erhalten sie jetzt im Juni 30 Prozent Rabatt. "Das ist eine Werbeaktion, auf deren Ergebnis wir schon sehr gespannt sind. Schließlich haben zahlreiche Speditionen versichert, sie würden durch den Tunnel fahren, wenn es billiger wäre", sagt der Marketingleiter der Herrentunnel GmbH, Michael Ahrens. Unter anderem die Speditionen hatten vehement den Bau eines Tunnels gefordert.

Maut-Rabatt für Lkw als Lösungsansatz

Eine neue Klappbrücke als Ersatz für die alte Herrenbrücke würde durch die Brückenöffnungen Staus verursachen, die die Unternehmen Zeit und damit Geld kosten würden, wurde damals argumentiert. Zur Zeit liegt der neue Mautantrag im Verkehrsministerium des Landes zur Genehmigung. Der müsse aber noch überarbeitet werden, es gebe noch ungeklärte Punkte, sagt Ministeriumssprecher Harald Haase.

Wenn die Rabattaktion für Lastwagen tatsächlich zu deutlich mehr Verkehr führt, will die Betreibergesellschaft nach Angaben ihres Sprechers die Laster-Maut dauerhaft senken. Das soll allerdings nicht auf Kosten der Autofahrer geschehen, die rund 80 Prozent der Tunnelbenutzer ausmachen. Auch für diese Gruppe denken die Tunnelbetreiber über Rabattmodelle nach. Der Spielraum dafür ist aber beschränkt.

"Die geltende Rechtsverordnung zur Mauthöhe läßt da nur wenig Spielraum", sagt Haase. Um die Maut für den 180 Millionen Euro teuren Tunnel, der den Baufirmen Hochtief und Bilfinger-Berger über eine Tochterfirma gehört, gab es schon früher Streit. Nachdem anfangs die Mautberechnung nicht funktionierte und die Auto gratis durchfahren konnten, wird seit März 2006 vor Gericht um die Gebühr für Stadtbusse gerungen. So steht noch ein Betrag von 166.000 Euro offen.

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