TVR 3000 M Cosworth

TVR 3000 M Cosworth TVR 3000 M Cosworth

TVR 3000 M Cosworth

— 13.02.2003

Leichtes Spiel

Früher arbeitete ein Ford-Capri-Motor mit 136 PS unter der Kunststoffhaube, jetzt sind es 360 PS vom Ford Sierra Cosworth: Bornemann schuf mit dem TVR 3000 M Cosworth ein starkes Stück moderner Klassik.

Ein starkes Stück moderner Klassik

Er riecht genau wie ein Alter – nach kräftigem Connolly-Leder, gewürzt mit einer Prise Öl und einem halben Teelöffel Benzin. Er lässt sich so schwer schalten wie ein Alter – die Sportkupplung möchte von durchtrainiertem Bein getreten werden, der kurze Schaltknüppel mit den noch kürzeren Schaltwegen gebärdet sich urenglisch schwergängig.

Und er sieht aus wie ein Alter – zweiteilige Chromstoßstangen vorn und hinten, Rückleuchten vom Triumph TR 6, eine lange Motorhaube, das Dach des Passagierabteils ein bisschen ungeschickt – weil zu hoch – proportioniert. Ja, irgendwie ist das ein alter TVR. Und zwar ein 3000 M aus dem Jahr 1973.

Aber eben nur irgendwie. Wer genau hinsieht, kann schon von außen erkennen, dass dieses Exemplar nicht ganz originalgetreu ist: Der Doppelauspuff steht zu eng beisammen, der kleine Buckel auf der linken Seite der Motorhaube und die hinteren Entlüftungsöffnungen sind atypisch, die kleine, schwarze Spoilerlippe am Heck gab’s damals nicht. Und wer die Motorhaube öffnet, wird geblendet von einem fein aufgearbeiteten technischen Prunkstück, das hier eigentlich nicht hingehört.

Power-Oldie mit Cosworth-Turbo

Da werkelt ein 360 PS starker Zweiliter-Cosworth-Turbo, der in den achziger Jahren im Ford Sierra Cosworth und im Escort RS seinen Dienst tat – statt eines braven, 136 PS starken Ford-Dreiliter-Sechszylinders aus dem Capri. Joachim Kleppe (50) schaut uns beim Staunen zu. "Genau das wollten wir machen: einen Supersportwagen mit einer klassischen Karosserie", sagt er zufrieden.

Kleppe ist Chef der Firma Bornemann in Braunschweig (Telefon 0531/ 37 60 98), die unter anderem ihr Geld als Vertragshändler von Brabus, Techart und projektzwo, als Reifencenter und durch die Reparatur von Oldtimern – besonders englischer Bauart – verdient. "Wir", das sind er selbst als Ideen- sowie Geldgeber sowie sein Werkstattchef Andreas Radewagen (40), der als Diplomingenieur prädestiniert ist für komplette Neukonstruktionen.

Drei Jahre hat die Entwicklung des TVR 3000 M Cosworth, wie er nun offiziell heißt, gedauert. Vom Originalauto sind nur die leichte Kunststoffkarosserie und der Gitterrohrrahmen (allerdings stark bearbeitet) übrig geblieben sowie ein bisschen Interieur. Alles andere ist neu: Elektrik, Armaturenbrett (in Anlehnung an das alte), Räder (16 statt 15 Zoll und drei- statt einteilig, damit die riesige Brembo-Bremse mit ATE-ABS hineinpasst), Lenkung, Gewindefahrwerk (von H&R extra für dieses Auto hergestellt), Auspuff, Differenzialkühlung – oder es stammt aus dem Ford Sierra Cosworth (Getriebe, Differenzial).

Überblick: Alle News und Tests zum TVR 3000M

Die Mühe hat sich gelohnt. Allein schon das unverwechselbare Design des 3000 M (von 1972 bis 79 nur 654-mal gebaut) fällt auf, der tiefe Sound des zum Leben erweckten Cosworth-Aggregats sorgt für die passende Akustik. Nach etwa einer halben Minute Warmlaufen ist der Wagen fahrbereit.

Wer sensibel mit dem Gas umgeht, kann den TVR, ohne zu ruckeln, auch langsam durch die Stadt steuern. Auf der Landstraße zeigt der Cosworth-TVR dann seine Muskeln – aber nicht brutal, sondern genial. Der Turbo setzt sanft bei 3500 Umdrehungen ein und entwickelt seine Kraft bis 1,4 Bar Ladedruck.

Ein leichtes Spiel für den bärenstarken Motor: Der nur gut 1000 Kilo schwere Wagen stürmt vehement nach vorn – jede einzelne Pferdestärke ist für weit weniger als drei Kilo Sportwagen zuständig. Deswegen gab es auch Probleme bei der Leistungsmessung auf dem Prüfstand: Der Wagen sprang immer wieder aus den Rollen. Erst als sich vier Männer hinten drauflehnten, zwei im Auto saßen und einer auf dem Dach Platz nahm, war eine erste Messung möglich.

Käfig und Vierpunktgurte als Lebensretter

Die Insassen fühlen sich gut beschützt – hauptsächlich dank komplettem Käfig und Vierpunktgurten. "Allerdings haben wir ein paar unsichtbare Einbauten vorgenommen, damit die Karosserie auch 250 km/h gut übersteht", sagt Radewagen. Die A-Säulen sind nämlich so dünn, dass sich das Dach bei Tempi über 200 km/h verwindet und die Frontscheibe herausspringt. Eine zusätzliche Strebe soll das verhindern.

Die ursprünglich nur 1,5 Millimeter dickwandigen Flankenrohre des Gitterrohrrahmens wurden durch drei Millimeter starke ersetzt, Knotenteile eingeschweißt, die Fahrwerkaufnahme für die doppelten Dreiecklenker vorn und hinten versteift und das Differenzial starr mit dem Rahmen verbunden.

Platz ist rar – das Ein- und Aussteigen will geübt sein, die Beine müssen sich in einen schmalen, dunklen Tunnel einfädeln. Eine flache Ablage unter der gebogenen Heckscheibe stellt den Kofferraum dar. Trotzdem: "Der Wagen ist absolut alltagstauglich", sagt Kleppe, der tatsächlich täglich damit fährt.

Technische Daten TVR 3000 M Cosworth

Knapp ein Jahr benötigt der Aufbau eines solchen Autos – Nummer zwei ist gerade in Arbeit. Für den Preis von 67.000 Euro gibt es etwas ganz Seltenes: britisches Oldie-Understatement, Leistung satt aus einem komplett überholten Sportmotor – und das Ganze in einem extravaganten Kleid.

Technische Daten: Reihen-Vierzylinder mit Turbolader, vorn längs eingebaut • vier Ventile je Zylinder • Hubraum 1954 cm3 • Leistung 360 PS bei 5500/min • Hinterradantrieb • Fünfgang-Schaltgetriebe • rundum Doppeldreiecklenker • rundum gelochte, innenbelüftete Scheibenbremsen, Durchmesser 320 mm • Reifen 205/55 R 16 vorn, 225/50 R 16 hinten • Räder 7,5 Jx16 • Länge/Breite/ Höhe 3870/1625/1220 mm • Radstand 2200 mm • Leergewicht 1020 kg • Tankinhalt 40 l • Zuladung 180 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 4,9 s • Höchstgeschwindigkeit 250 km/h • Preis: 67.000 Euro.

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