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Uber-Manager droht Journalisten

— 19.11.2014

Uber ätzt sich ins Abseits

Uber Top-Manager Emil Michael droht kritischen Journalisten mit Ausspähung. Ein echtes Eigentor. Jetzt musste er sich öffentlich entschuldigen. Ob er an Bord bleibt, ist offen.

(dpa) Der umstrittene Fahrdienst-Vermittler Uber sorgt erneut für Negativ-Schlagzeilen: Ein Top-Manager löste Empörung mit Gedankenspielen über Schmutzkampagnen gegen kritische Reporter aus. Emil Michael, der bei Uber für das operative Geschäft zuständig ist, dachte bei einer Veranstaltung laut darüber nach, das Privatleben von Journalisten auszuforschen. Das könne Uber helfen, gegen unliebsame Medien zu kämpfen, sagte er einem Medienbericht zufolge. Gestern (18. November 2014) entschuldigte Michael sich. "Weder ich noch mein Unternehmen würden jemals zu einem solchen Vorgehen greifen", versicherte er im Kurznachrichtendienst Twitter. Eine Sprecherin von Uber erklärte, das Unternehmen habe Journalisten nicht ausgeforscht und habe auch keine Pläne, das zu tun.

Kampf um Kunden: Das Taxi-Gewerbe wehrt sich gegen Uber mit allen Mitteln.

Uber-Chef und -Gründer Travis Kalanick hat sich von den Äußerungen Michaels distanziert. Die Äußerungen des Vizepräsidenten seien "schrecklich" gewesen und er habe damit nicht die Position des Unternehmens vertreten, schrieb Firmenchef und Mitgründer Travis Kalanick bei Twitter. Zugleich sei er sicher, dass Michael aus Fehlern lernen könne. Ob der Manager bei dem erfolgreichen Start-up-Unternehmen weiter als Manager tätig sein darf, ist laut US-Medien offen. Der Sturm der Entrüstung war da jedoch bereits in vollem Gange. Diverse amerikanische Journalisten kündigten an, ihre Uber-Konten zu löschen. Für Uber ist ein gutes Verhältnis zu US-Medien, die über die Internet-Branche berichten, besonders wichtig. Das Unternehmen steckt weltweit im Grabenkampf mit dem Taxi-Gewerbe. Die Begeisterung von Startup-Reportern aus dem Silicon Valley, die früh die Taxi-Alternative ausprobierten, trug zum Aufstieg von Uber bei.

ADAC-Taxitest 2014

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Michaels Äußerungen bei einer Veranstaltung in New York waren überhaupt erst bekanntgeworden, weil dort ein Redakteur der US-Website "Buzzfeed" anwesend war. Es war vorgesehen, dass von dem Treffen keine Zitate verbreitet werden sollten – dem "Buzzfeed"-Redakteur hatte dies allerdings niemand gesagt. So wurde veröffentlicht, dass Michael beim Essen darüber sprach, für eine Million Dollar Spezialisten für die Ausforschung von Gegnern anzuheuern. Diese könnten kritische Reporter und ihre Familien durchleuchten und unangenehme Fakten aus deren Privatleben zu Tage fördern. Auf mögliche Probleme für Uber angesprochen, sagte Michael demnach: "Niemand würde wissen, dass wir es waren." Namentlich erwähnte der Manager in dem Gespräch die amerikanische Blog-Gründerin Sarah Lacy, die Uber mehrfach scharf kritisiert hatte. Lacy veröffentlichte in ihrem Technologie-Blog "Pandodaily" eine Entschuldigungs-E-Mail Michaels, in der er unter anderem schrieb, er habe nur "Dampf abgelassen" und nicht von konkreten Plänen gesprochen.

Mercedes Citan als Taxi

Mercedes Citan mit Taxipaket Mercedes Citan Langversion Mercedes Citan Langversion
Uber ist nach einer Finanzierungsrunde von 1,2 Milliarden Dollar in diesem Jahr eines der reichsten Startups und will sich laut Medienberichten bis zu zwei Milliarden Dollar mehr bei Investoren besorgen. Unter den rund 30 Geldgebern sind Google, die Bank Goldman Sachs und bekannte Startup-Finanzierer wie Kleiner Perkins. Der Fehltritt Michaels erscheint besonders peinlich, da die Firma im Sommer David Plouffe, den früheren Wahlkampfmanager von US-Präsident Barack Obama, als politischen Berater engagierte. Es wäre nicht das erste Mal, dass Uber mit rabiatem Geschäftsgebaren auffällt.

Apps von Mitfahrbörsen: Taxifahrer demonstrieren

Streikende Taxifahrer vor der Berliner Siegessäule Taxi-Apps auf iPhone-Bildschirm Streikende Taxifahrer in London
Das Taxi-Gewerbe wirft dem Dienst unfairen Wettbewerb vor, weil er die Regulierungsvorschriften aushebele. Uber will stattdessen als Innovator gesehen werden, der veraltete Beschränkungen aufbricht. In Deutschland trifft Uber ebenfalls auf massiven Widerstand durch das Taxi-Gewerbe: Dem Unternehmen war in Berlin und Hamburg zuletzt der Betrieb seines Dienstes untersagt worden. Ein bundesweites Verbot war vom Landgericht Frankfurt aus formalen Gründen zunächst ausgesetzt worden. Die Umwandlung in eine Mitfahrzentrale soll vorerst nur für Berlin gelten. Dem Zeitungsbericht zufolge soll eine Fahrt mit Uber Pop in Berlin künftig 35 Cent pro Kilometer kosten. Bei den Verboten in Hamburg und Berlin hatten die Richter vor allem Anstoß an dem geforderten Fahrpreis genommen. Dieser dürfe die Betriebskosten des Wagens nicht überschreiten, andernfalls falle der Dienst unter die Regeln des Personenbeförderungsgesetzes und benötige eine entsprechende Konzession.

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