Übernahmepoker um VDO

Übernahmepoker um VDO

— 20.07.2007

Die Politik mischt mit

Der Übernahme-Poker um den Automobilzulieferer Siemens VDO zwischen Continental und dem Finanzinvestor Blackstone wird zum Politikum.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hat sich für einen Verkauf des Automobilzulieferers Siemens VDO an den deutschen Mitbewerber Continental ausgesprochen. Gegenüber dem NDR sagte der CDU-Politiker, er setze sich sehr dafür ein, dass sich Siemens für den niedersächsischen Automobilzulieferer entscheide. "Wir wollen, dass Conti und VDO zusammenkommen, dann wäre das ein großer Automobilzulieferer, der von Deutschland aus agiert und weltweit tätig wäre", so der Ministerpräsident. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel habe sich bereits eingeschaltet, hieß es.

Conti stockt Angebot auf

Conti hatte sein Angebot an Siemens gestern angeblich um eine Milliarde auf elf Milliarden Euro aufgestockt. Der US-Finanzinvestor Blackstone, hinter dem der Conti-Konkurrent TRW steht, hat Medienberichten zufolge eine Offerte über zwölf Milliarden Euro unterbreitet. Siemens hatte sich bis zuletzt offen gehalten, die Tochter VDO als Alternative zu einem Verkauf an die Börse zu bringen, Experten erwarten jetzt aber wegen der höheren Angebote eine Veräußerung. Am kommenden Mittwoch will der Siemens-Aufsichtsrat seine Entscheidung treffen, wer den Zuschlag erhält. Im Falle einer Übernahme von VDO durch Continental würde der neue Konzern zur weltweiten Nummer drei unter den Zulieferern aufsteigen. Zusammen kämen sie auf 140.000 Mitarbeiter und 25 Milliarden Euro Umsatz.

Angst vor feindlicher Übernahme

Wulff erklärte seinen Vorstoß für Conti mit der Sorge um Arbeitsplätze in Deutschland. "Viel schlechter sähe es für die Arbeitnehmer der Autozulieferersparte von Siemens aus, wenn internationale Finanzinvestoren hier Zugriff hätten auf die Technologie und die Arbeitsplätze und die Standorte." Auch die deutschen Autobauer müssten ein Interesse daran haben, dass die Technologie von VDO im Land bleibe. Wulff sitzt in seiner Funktion als niedersächsischer Ministerpräsident auch im VW-Aufsichtsrat und weiß, wovon er spricht. Immerhin sind die Wolfsburger einer der größten Kunden von Continental, dessen Zentale in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover sitzt.

In den Hinterköpfen spukt zudem wohl der Gedanke herum, Conti könnte auf die Einkaufsliste von Blackstone geraten, wenn der Investor den Zuschlag für Siemens VDO erhielte. Dann würden TRW, VDO und Conti zum größten Zulieferer weltweit noch vor Bosch aufsteigen, der insbesondere das gewinnträchtige Geschäft mit Hochtechnologieprodukten dominieren könnte. Ob dann aber noch Platz für die Reifensparte der Conti bliebe, ist fraglich. Dann würde dem Hannoveraner Traditionsunternehmen die Zerschlagung drohen.

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