NRW schafft Sichtschutzwände gegen "Gaffer" an

Umstrittene Sichtschutzwände gegen Gaffer

— 27.04.2015

"Das rechnet sich allemal"

In NRW sollen mobile Sichtschutzwände Unfallopfer schützen. Pressefotografen und der Bund der Steuerzahler melden Bedenken an.

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'Sind Sichtschutzwände gegen Gaffer sinnvoll?'

(dpa) Nordrhein-Westfalen setzt als erstes Bundesland mobile Sichtschutzwände gegen Schaulustige ein. Landesverkehrsminister Michael Groschek (SPD) hat die Neuanschaffung am 24. April 2015 offiziell vorstellt: Die Wände sollen Unfallopfer auf Autobahnen vor neugierigen Blicken schützen. Immer wieder berichten Rettungskräfte von Problemen mit Gaffern: Sie verursachen Staus auf der Gegenfahrbahn, behindern die Retter anstatt zu helfen oder sie filmen das Geschehen und die Unfallopfer sogar mit ihren Handy-Kameras. Der Bund der Steuerzahler NRW äußerte Zweifel an der Neuanschaffung. So sei es fraglich, ob sich die Staus auf der Gegenfahrbahn nicht längst gebildet hätten, bevor die mobilen Wände herangeschafft und aufgebaut werden können. "Wir werden prüfen, ob Nutzen und Kosten in einem angemessenen Verhältnis stehen", kündigte eine Sprecherin an.

Fehlt nur noch ein Selfie: Immer wieder berichten Rettungskräfte von Problemen mit Gaffern.

Der Deutsche Journalisten-Verband in Nordrhein-Westfalen mahnte, die Arbeit der Pressefotografen dürfe nicht behindert werden. "Als Schutz der Unfallopfer ist die Maßnahme zu begrüßen", sagte eine Sprecherin. Man gehe aber davon aus, dass Pressefotografen durchgelassen würden. Bislang hatten Rettungskräfte die Unfallopfer bei der Bergung mit Decken und Tüchern vor neugierigen Blicken abgeschirmt. In letzter Zeit hatte die Polizei mehrfach Verfahren gegen Schaulustige eingeleitet, die zum Teil sogar die Aufforderungen der Polizisten, das Filmen einzustellen, ignoriert hatten. Gaffern drohen mindestens 60 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.

Rettungsgasse ist Pflicht

Rettungswagen auf dem Weg zu einem Unfall im Grünstreifen stecken Rettungsgasse Rettungsgasse
Fast eine halbe Million Euro aus Bundesmitteln hat der Landesbetrieb Straßenbau (Straßen.NRW) in insgesamt zwölf Sichtschutzsysteme investiert. Die sollen nun auf die einzelnen Straßenmeistereien verteilt werden. Bereits 2008 hatte Nordrhein-Westfalen den Test einer solchen Sichtschutzwand angekündigt. Das in den Niederlanden entwickelte System bestand damals aus 40 Blenden auf einem Anhänger, die aufgestellt über eine Strecke von 100 Metern reichten. Die rund zwei Meter hohe Wand sollte in Minuten aufgebaut sein und selbst starkem Wind standhalten.

Kritik vom Bund der Steuerzahler

Zweifel des Steuerzahlerbundes, ob die Wände rechtzeitig an der Einsatzstelle sind, Kosten und Nutzen in einem angemessenen Verhältnis stehen, kontert Straßen.NRW: Ein fünf Kilometer langer Stau von dreieinhalb Stunden Dauer auf einer stark befahrenen Autobahn verursache durch den Zeitverlust der Wartenden einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund 200.000 Euro. Jeder Einsatz der Sichtschutzwand schlage dagegen nur mit rund 2000 Euro zu Buche. Es gebe schon Anfragen aus anderen Bundesländern.

"Volkswirtschaftlich rechnet sich das allemal", sagt NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD). Beim Einwand, Brummi-Fahrer könnten aus dem Führerhaus über die Wand hinwegfilmen, nimmt Groschek die Lkw-Fahrer in Schutz: Die seien schließlich Profis und nicht das Problem. Wenn er sich da mal nicht irrt: Nach einem Unfall im März auf der A1 bei Dortmund zeigte die Polizei 14 mutmaßliche Gaffer an – zwölf von ihnen waren Lkw-Fahrer.

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