WunderCar: Carsharing für Kontaktfreudige

Umstrittenes Carsharing-Konzept "WunderCar"

— 13.06.2014

Verbot lässt "WunderCar" kalt

Die Mitfahrbörse "WunderCar" wurde von der Hamburger Wirtschaftsbehörde untersagt. Das Unternehmen zeigt sich unbeeindruckt – und macht einfach weiter.

(dpa) Der umstrittene Fahrer-Vermittlungsdienst "Wundercar" lässt sich durch ein Verbot der Hamburger Wirtschaftsbehörde und die Proteste von Taxifahrern gegen die neue Konkurrenz aus dem Internet nicht sonderlich beeindrucken. "Der Betrieb läuft weiter", sagte Wundercar-Geschäftsführer Gunnar Froh der Deutschen Presse-Agentur dpa in Hamburg. Um Probleme mit dem Gesetzgeber zu vermeiden, habe man das Konzept inzwischen etwas verändert: So will Wundercar der Kritik entgegentreten, man biete per Smartphone-App ohne Genehmigung gewerbliche Fahrten wie herkömmliche Taxi-Firmen an. Die Wirtschaftsbehörde überzeugt das nicht, der Streit wird wohl weitergehen.

Apps von Mitfahrbörsen: Taxifahrer demonstrieren

Streikende Taxifahrer vor der Berliner Siegessäule Taxi-Apps auf iPhone-Bildschirm Streikende Taxifahrer in London
Per Internet bringt Wundercar angemeldete Nutzer und einen privaten Fahrer zusammen. "Lerne tolle Leute kennen" – dieser Aspekt soll bei der Fahrt innerhalb der Stadt laut Werbung im Vordergrund stehen. Prinzipiell sei die Fahrt kostenlos, verspricht das Portal. Jedoch gibt es die Option, ein Trinkgeld in "beliebiger Höhe" zu zahlen – das geht jedoch nur bargeldlos über das Internet. Von dieser Summe behält Wundercar 20 Prozent.Erst am 11. Juni 2014 hatten im europäischen Verbund Hamburger Taxifahrer gegen die aus ihrer Sicht unfaire Konkurrenz aus dem Internet demonstriert. Die Fahrer wollen nicht hinnehmen, dass über Internet-Apps illegale Fahrdienste in Anspruch genommen werden können. "Firmen wie Wundercar oder Uber vermitteln im Netz die Dienste von Fahrern, die ohne Ausbildung, Versicherungen, Sozialabgaben und Gewerbeanmeldung für Trinkgeld fahren", sagte Christian Brüggmann, Vorstand der Taxen-Union Hamburg Hansa. Damit werde die Branche wieder mit Problemen wie Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung konfrontiert, die eigentlich überwunden seien. Taxis werden mit fälschungssicheren Taxametern und Fahrtenschreiben mittlerweile lückenlos überwacht. In Hamburg gibt es rund 3300 Taxis. Die Wirtschaftsbehörde hatte Wundercar per Brief verboten, Fahrten anzubieten, deren Entgelt die Betriebskosten übersteigt. Sollte Wundercar das Verbot ignorieren, drohen laut einer Sprecherin hohe Strafen. Der Taxi-Rivale habe für einen Widerspruch einen Monat Zeit. Im nächsten Schritt gebe es für Wundercar die Möglichkeit, sich vor dem Verwaltungsgericht gegen das Verbot zu wehren.

Privates Carsharing: Welche Modelle sind zu haben?

Chevrolet Corvair Mercedes G-Klasse Cabrio Mercedes CLS
Um die Kritiker zu besänftigen, hat das Unternehmen nun vor allem eine Umgestaltung vorgenommen: Bisher wurde den Fahrgästen immer angezeigt, wie viel andere Nutzer im Schnitt für diese Strecke zahlten. Nun werden nur noch die Betriebskosten von 35 Cent pro Kilometer als Empfehlung präsentiert, kündigte Froh an. Es ist aber trotzdem weiterhin möglich, nichts oder viel mehr zu bezahlen. Eine Sprecherin der Wirtschaftsbehörde bezeichnete dies auf dpa-Anfrage als "Kosmetik an der App", das Verbot gelte weiterhin.

Wundercar-Manager Froh unterstreicht den Unterschied zu einer Taxi-Fahrt: "Die Fahrer sind in wenigen Minuten da, es sind immer komfortable Autos, und man muss sich nicht mit dem Fahrer unterhalten, wenn man nicht will." Bei den Hobby-Fahrern gehe es "um den sozialen Aspekt". Deshalb sollen die derzeit 10.000 Nutzer der App bald nicht nur Name und Bild des Privat-Fahrers vorher sehen können, sondern auch einige Infos zur Person. "Das erhöht die Chance, dass man neben jemandem sitzt, der das gleiche Hobby hat", sagte der 31 Jahre alte Geschäftsführer. Am Ziel angekommen, bewerten sich Fahrer und Gast gegenseitig. Wer unfreundlich ist oder schlecht fährt, verliert Sterne – und läuft damit Gefahr, aus dem System zu fliegen.

Die Kritik an Wundercar hat ein mediales Echo ausgelöst, das für das 2013 in der Hansestadt gegründete Unternehmen eine große Werbung ist. "Normalerweise melden sich 100 neue Leute pro Tag an, derzeit sind es bis zu 50 neue Nutzer pro Minute", berichtet Froh. Auch viele neue Fahrer hätten sich registriert, die alle ein Auswahlverfahren durchlaufen müssten. "Wir wollen keine Leute, die einen Job suchen", erklärte Froh. In Deutschland gibt es Wundercar momentan nur in Hamburg und Berlin. "Das Interesse ist inzwischen so groß, dass man sich nun bundesweit als Fahrer anmelden kann."  Noch im Juli 2014 solle dann deutschlandweit eine Fahrtanfrage möglich sein.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.