Umwelttechnik

Dieselfilter Dieselfilter

Umwelttechnik

— 16.09.2003

Dieselfilter nachrüsten?

Partikelfilter reduzieren die Rußbelastung durch Diesel. Doch ohne Steuernachlass bleibt die Nachrüstung auf der Strecke.

Umrüstkosten von mehr als 1000 Euro

Autofahrer haben kein grünes Gewissen? Von wegen! Fragen zum Dieselpartikelfilter sind derzeit ein Dauerbrenner in der Leserpost. Vor allem eine Frage brennt den Dieselfahrern unter den Nägeln: Kann ich den Filter nachrüsten? Unsere Antwort bislang: Gibt es nicht.

Technisch ist dies zwar durchaus möglich, viele Hersteller stehen mit fertigen Systemen sogar in den Startlöchern. Doch sie scheuen das finanzielle Risiko, diese tatsächlich auf den Markt zu bringen. Grund: Die notwendigen Veränderungen an Motorsteuerung, der zusätzliche Einbau von Additivsystem und Partikelfilter werden zusammen mit dem Arbeitslohn für den einzelnen Autofahrer zu teuer. Die meisten Hersteller rechnen mit Umrüstkosten deutlich über 1000 Euro pro Fahrzeug.

Twin Tec hat sich nun als erster Abgasspezialist durchgerungen, einen Nachrüst-Filter ab 2004 zu verkaufen. Auf der IAA wird der technisch etwas simpler funktionierende Einbausatz erstmals vorgestellt. Ob dieser Zubehörfilter für Twin Tec ein Erfolg wird, hängt vom Umweltgewissen der Autofahrer ab. Geld sparen ist zurzeit mit dem Saubermann nicht möglich. Grund: Der Filter reduziert nur den Partikelaussstoß. Die gasförmigen Schadstoffe bleiben dagegen erhalten. Und somit Schadstoffeinstufung und Steuersatz.

Trick und Technik mit dem Filter

Soll sich der Rußfilter auf breiter Front durchsetzen, ist die Politik gefordert. Zum Beispiel mit einer Steuererleichterung. Denn auf einen etwas höheren Wiederverkaufswert (der zu erwarten ist) werden nur die wenigsten Dieselfahrer setzen wollen. Für den Neuwagenkauf gilt Ähnliches. Moderne Dieselmotoren erfüllen auch ohne Partikelfilter geltende Abgasnormen, erfahren keine weiteren Vergünstigungen.

Schwieriger wird die Hürde erst ab 2005, wenn die Abgasnorm Euro 4 für alle neuen Modelle Pflicht ist. Kleinere Motoren unter zwei Liter Hubraum schaffen auch diese Hürde ohne Filter, viele größere werden dann aber zur Einhaltung der Partikelgrenzen auf das technische Hilfsmittel Rußfilter angewiesen sein.

Filter-Reinigung Die Aufgabe des Filters, Rußpartikel festzuhalten, ist auch sein Problem: Der Filter setzt sich im Betrieb langsam zu. Der Motor verliert an Leistung, der Verbrauch steigt. Daher müssen, um ein "Verstopfen" zu vermeiden, die festgesetzten Partikel verbrannt werden. Im normalen Fahrbetrieb reicht die Temperatur im Auspuff nur selten dafür aus. Mit kleinen technischen Tricks wird die Rußzündtemperatur von 550 Grad gesenkt und die Abgastemperatur angehoben. Alle Systeme arbeiten mit einer modifizierten Motorsteuerung und einer katalytischen Beschichtung des Filters. Wichtig für Kunden: Peugeot und VW verwenden noch ein Additiv, das die Werkstatt nachfüllen muss. Daher geht der Trend zu wartungsfreien Filtern ohne Additiv.

Nachrüsten oder nicht – Gewissensfrage?

Fakt ist: Geld sparen lässt sich mit dem Partikelfilter nicht. Wenn schon nicht finanziell, zumindest für die Umwelt wird der nachträgliche Filtereinbau ein gutes Geschäft. Erstmals vorgestellt wird eine Nachrüstlösung vom Kat-Spezi Twin Tec am 11. September auf der IAA in Frankfurt.

Der große Unterschied zu anderen Filtern: Es handelt sich um ein offenes System. Der Rußfilter arbeitet ohne temperatursenkende Additive oder einen Eingriff in die Motorsteuerung. Ein Oxidationskatalysator wird zusammen mit dem katalytisch beschichteten Partikelfilter in die Abgasanlage unter dem Auto integriert. Zwischen 60 und 90 Prozent der Partikelmenge lassen sich so aus dem Abgas reduzieren, die gefürchteten Kleinstpartikel sogar bis zu 98 Prozent. Der Kraftstoffverbrauch bleibt gleich.

Der Verkaufsstart beginnt für Volumenmodelle laut Twin Tec im Frühjahr 2004. Kosten: rund 600 Euro. Die Einbauzeit beträgt ungefähr eine Stunde. Info und Kontakt: Twin Tec, Eduard- Rhein-Straße 21–23, 53639 Königswinter, Tel. 0 22 44–91 80 40, www.twintec.de., IAA: Stand 4.1 F 56

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