Umweltzonen

— 16.01.2008

Der Feinstaub ist weg!

Die Grenzwerte wurden 2007 so selten überschritten wie nie. Die Zahlen des Umweltbundesamtes sind noch vorläufig und nicht ganz vollständig, aber können die Umweltzonen jetzt abgeschafft werden?



DERP016 schweigt. DEST089 auch und DETH042 ebenfalls. 364 Tage im Jahr. Nur ein einziges Mal schlagen die drei Messstationen in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen Alarm, dann schweigen sie wieder. Und schweigen. Und schweigen. Das ganze Jahr 2007. DERP016 und ihre Kollegen überwachen die Luftqualität in der Republik. Vor allem den Feinstaub, diese bis zu zehn Millionstel Meter kleinen Teilchen, sollen die Geräte ermitteln. Wenn zu oft zu viel Feinstaub in der Luft ist, muss laut Gesetz die jeweilige Stadt oder Kommune handeln. Die Umweltzonen sind so entstanden. Doch gerade, als die ersten City-Fahrverbote in Berlin, München und Köln in Kraft getreten sind, kommt eine überraschende Nachricht: Der Feinstaub ist weg! Die vorläufigen Zahlen des Umweltbundesamtes für 2007 ergeben: Nur an 24 Stationen ist im vergangenen Jahr der Doppel-Grenzwert (über 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft an mehr als 35 Tagen) überschritten worden.

Zum Vergleich: 2006 passierte das noch an 99 Stationen. Ein Rückgang um 76 Prozent! Der Feinstaub ist weg, und der Autofahrer wundert sich. Wenn es offenbar gar kein Problem mehr gibt – fehlt dann nicht die Grundlage für so schwere Einschränkungen wie Umweltzonen und Fahrverbote? Zumal das Umweltbundesamt prophezeit, dass sich die Feinstaubemissionen bis 2020 wegen besserer Technik auch ohne diese Maßnahmen um 31 Prozent verringern werden? Von wegen, sagen die Umweltämter in Berlin, Köln und Hannover auf AUTO BILD-Anfrage. Die Feinstaubwerte seien nur wegen des Wetters so niedrig ausgefallen, der kräftige Wind und die vielen feuchten Tage seien die Ursache. Zudem zielten die Umweltzonen nicht nur auf Feinstaub ab, sondern auch auf Stickoxide.

Das Wetter hat größeren Einfluss auf die Luftqualität als der Mensch

Aber das alles zeigt ja auch: Das Wetter hat offenbar viel größeren Einfluss auf die Luftqualität als der Mensch. Wasser auf die Mühlen von Umweltzonen-Kritikern wie Ralf Wittkowski: "Auch ein von uns in Auftrag gegebenes Gutachten hat ergeben, dass die Belastung nicht vom Verkehr, sondern vor allem vom Wetter abhängt und dass sich mit Umweltzonen keine nennenswerten Effekte erzielen lassen." Der ADAC-Anwalt glaubt: "In Wahrheit geht es nicht um Feinstaub. Die Stadt soll vielmehr autofrei werden." Bei den Politikern regt sich jetzt ebenso Widerstand: "Typisch deutsch! Die Feinstaubrichtlinie wird im vorauseilenden Gehorsam zu 150 Prozent umgesetzt", schimpft etwa Verkehrsexperte Markus Ferber (CSU). Zwar sind die Zahlen des Umweltbundesamtes noch vorläufig und offenbar auch nicht ganz vollständig. Am Clevischer Ring in Köln beispielsweise wurde laut Stadt die Feinstaubgrenze an 60 Tagen überschritten, in der UBA-Statistik tauchen aber nur 24 Tage auf. Doch dass die Emissionen 2007 extrem niedrig waren, das geben auch die Umweltämter zu. Spannend wird nun, wie sich die ersten Monate dieses Jahres entwickeln – und ob DERP016 und Kollegen weiter schweigen.

Autor: Alex Cohrs

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