Traktor-Unfall

Unfälle mit Traktoren und Landmaschinen

— 07.10.2011

Volle Breitseite

Landwirtschaftliche Fahrzeuge im XXL-Format verursachen in der Erntezeit  stets schwere Unfälle. Und die Agrarmonster werden immer schneller, schwerer und breiter.

Im Herbst geht es wieder rund auf dem Land: Traktoren, Feldhäcksler und Rübenernter im XXL-Format sind rund um die Uhr im Einsatz. Hinter dem Steuer gestresste Fahrer, die zwölf Stunden und mehr auf dem Bock sitzen. Zeit ist Geld im Geschäft der 2000 Lohnunternehmer, die deutschlandweit von Acker zu Acker touren. "Zur Erntezeit", sagt Jörg Ahlgrimm, Leiter der Unfallanalyse der DEKRA, "ereignen sich regelmäßig schwerste Unfälle mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Pkw sowie Motorrädern".

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Die Traktoren und Landmaschinen werden immer breiter: bis zu 3,70 m – und mit Ausnahmegenehmigung auch noch mehr.

So wie auf der Bundesstraße L 85, Nähe Reinfeld im Kreis Stormarn (Schleswig-Holstein). Am Ausgang einer S-Kurve verunglückt ein Motorradfahrer, weil vor ihm ein Traktor auftaucht, der mit 3,89 Meter Breite fast die gesamte Fahrbahn einnimmt. Gefahr lauert stets, wenn die Agrarmonster ab- oder einbiegen oder beim Überholen und Entgegenkommen kein Platz zum Ausweichen bleibt. Denn sie werden immer größer, schneller, schwerer und vor allem immer breiter: bis 3,70 Meter – und dank Ausnahmegenehmigungen auch mehr. Die Ausnahme ist zur Regel geworden. "Ein gefahrloses Passieren", so Ahlgrimm, "ist fast unmöglich". Hinzu kommt, dass die bis zu 40 Tonnen schweren, über 300 PS starken und teils mehrere Hunderttausend Euro teuren Maschinen auf dem Feld fast von allein arbeiten, ihre Fahrer im Straßenverkehr aber überfordern. Zudem sind ihre Gespanne oft weit überladen und zu schnell unterwegs.

Acker-Giganten: Die größten Traktoren

Sogenannte Schwerlasttrupps der Polizei versuchen zu retten, was zu retten ist. Obwohl Kontrollen verschärft und Bußgelder seit 2009 fast verdoppelt wurden, fordert Kristian Käding vom Schwerlasttrupp der Polizei Ratzeburg (S-H) eine noch schärfere Gangart, um die Probleme der industrialisierten Landwirtschaft endlich von der Straße zu verbannen. Doch die Agrarlobby ist mächtig. Wie Pirko Renftel vom Bundesverband der Lohnunternehmer etwa. "Natürlich wissen wir, dass die Bevölkerung vor diesen gewaltigen Maschinen Angst hat", sagt Renftel, bittet aber um Nachsicht, dass die millionenschweren Maschinen effizient eingesetzt werden müssten. Was er nicht sagt: Es geht hier nicht um notleidende Landwirte, sondern um Unternehmer, die satte Gewinne einfahren. Doch auch Renftel räumt ein, dass in puncto Abmessungen der Maschinen das Ende der Fahnenstange bereits erreicht sei. Für das Gros der Unternehmer stehe die Sicherheit im Verkehr und die Rücksichtnahme gegenüber anderen an erster Stelle. Jetzt gelte es, die schwarzen Schafe zu bremsen.

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