Abschleppwagen

Unfall: Nutzungsausfall nach Crash

— 26.05.2016

Das steht Ihnen zu

Mietwagen oder Bares? Nach einem unverschuldeten Unfall haben Sie Anspruch auf Schadenersatz, wenn Ihr Auto in die Werkstatt muss. Alle Infos zur Nutzungsausfallentschädigung!

Rrrrrums, ein Unfall. Das Auto ist hin, muss in die Werkstatt. Und nun? Keine Sorge. War der Crash unverschuldet, können Sie sich für die Dauer der Reparatur einen Mietwagen nehmen und die Kosten dafür vom Unfallverursacher zurückverlangen. Oder Sie verzichten darauf und kassieren von der gegnerischen Haftpflichtversicherung die sogenannte Nutzungsausfallentschädigung – pro Tag je nach Fahrzeug immerhin zwischen 23 und 175 Euro. Allerdings gibt es einige Stolperfallen. Damit sie den Ihnen zustehenden Schadenersatz bekommen, gibt's hier alle wichtigen Infos im Überblick.

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Wer bekommt eine Nutzungsausfallentschädigung? 

Grundsätzlich jeder, dessen Auto nach einem unverschuldeten Unfall in die Werkstatt muss. Allerdings nur, wenn er auf das Fahrzeug angewiesen ist. Konkret heißt das: 

• Sie haben den nötigen "Nutzungswillen" und hätten das Auto während der Dauer der Reparatur auch tatsächlich genutzt. Wenn der Crash während eines Wochenendausflugs passiert ist, das Auto aber sonst in der Garage steht, weil Sie für tägliche Fahrten öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad nutzen, steht Ihnen keine Nutzungausfallentschädigung zu.

• Sie haben eine "Nutzungsmöglichkeit": Liegen Sie nach dem Unfall im Krankenhaus oder flitzen in den Urlaub, müssen Sie in der Regel nachweisen, dass beispielsweise ihre Familienmitglieder oder Kollegen aus einer Fahrgemeinschaft das Auto gebraucht hätten.

Wieviel Geld bekomme ich denn?

Die Höhe der Zahlungen hängt vom Modell und Alter des Fahrzeugs ab. Grundlage für die Berechnung ist ein kleines Büchlein namens "Nutzungsausfallentschädigung" von EurotaxSchwacke. Diese Tabelle enthält 38.000 Fahrzeugmodelle in elf Gruppen (A bis L). Je nach Modell und Alter ergeben sich also Tagessätze zwischen 23 und 175 Euro.
Gruppe Nutzungsausfall
A 23 Euro
B 29 Euro
C 35 Euro
D 38 Euro
E 43 Euro
F 50 Euro
G 59 Euro
H 65 Euro
J 79 Euro
K 119 Euro
L 175 Euro
Autos, die fünf Jahre und älter sind, werden um eine Gruppe zurückgestuft. Zehnjährige und ältere stuft man zwei Gruppen zurück, in manchen Fällen werden dann auch nur noch die sogenannten "Vorhaltekosten" (real anfallende Kosten wie Steuer, Versicherung oder auch die Garagenmiete) gezahlt.

Ab wann und für wie lange wird die Entschädigung bezahlt?

Für wie lange der Nutzungsausfall für den beschädigten Wagen nach einem Unfall gezahlt wird, bestimmt ein Gutachter.

Wie lange die Nutzungsausfallentschädigung bezahlt wird, entscheidet ein Gutachter. Er schätzt ab, wie viele Tage die Werkstatt voraussichtlich für die Reparatur des gecrashten Wagens brauchen wird. Achtung: Beginn der Zeitrechnung ist der Unfallzeitpunkt, und Sie haben in der Regel nur 14 Tage Zeit, das Auto wieder gerade biegen zu lassen. Danach gibt es keinen Anspruch mehr, Geschädigte sollten sich also schnellstmöglichst um eine Reparatur des Autos bemühen – erst in den Urlaub fahren und danach einen Nutzungsausfall geltend machen, weil dann das Auto wieder gebraucht würde, geht nicht. Eine "angemessene Überlegungsfrist" von ein bis drei Tagen, ob man das Auto überhaupt reparieren lassen oder eventuell gleich ein neues kaufen möchte, ist laut einer Entscheidung des Oberlandesgerichts München (DAR 2009, 703) aber erlaubt.
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Muss ich das Auto wirklich reparieren lassen?

Wer Bares möchte, muss das Auto schnell reparieren lassen und das auch belegen können.

Klare Antwort: ja. Anders als bei einem Sachschaden genügt eine fiktive Reparatur nicht. Sollten Sie einen Nutzungsausfall geltend machen, müssen Sie beweisen, dass das Auto wirklich wieder in Ordnung gebracht wurde, sonst gibt es auch kein Geld. Geeignete Beweismittel sind:

• die Werkstattrechnung, am besten mit einem Werkstattmitarbeiter als Zeuge in der Hinterhand.
• ein Sachverständigengutachten.
• Fotos, die zweifelsfrei beweisen, dass das Auto im angegebenen Zeitraum repariert wurde (beispielsweise durch eine beigelegte Tageszeitung mit erkennbarem Datum).
• das Vorführen des Autos bei einem Beauftragten des Versicherers.
• ein Zeuge, der glaubhaft über die Dauer und den Umfang der Reparatur Auskunft geben kann.

Selber reparieren? Grundsätzlich dürfen Geschädigte ihr Auto auch selber reparieren, allerdings wird hier in der Regel besonders scharf hingeguckt und hieb- und stichfeste Beweise für Ausfall- und Reparaturzeiten verlangt – Streitigkeiten sind in diesen Fällen fast vorprogrammiert. Besser, Sie geben das Auto einfach in eine Werkstatt, statt selber daran herumzuschrauben. Denn wenn Sie nicht gerade eine Kamera mitlaufen lassen, ist die geleistete Arbeitszeit nur schwer zu belegen. Und: Der Versicherer könnte behaupten, dass Fachkräfte einer Werkstatt schneller gewesen wären, und so versuchen, die Zahlungen zu reduzieren.
Wichtig: schnell handeln und gut dokumentieren!
Der Geschädigte hat eine Schadensminderungspflicht: Er muss schnellstmöglich für die Beseitigung des Schadens sorgen, gegebenenfalls auch eine Notreparatur in Kauf nehmen. Beliebter Schachzug von Versicherern, um die Anzahl der Tagessätze zu drücken, ist die Behauptung, die Reparatur hätte schneller erledigt werden können, wenn der Geschädigte sich nachdrücklicher oder sorgfältiger darum bemüht hätte. Es empfiehlt sich also, sich umgehend um einen Werkstatttermin zu bemühen und jeden Schritt zu dokumentieren. Beispiel: Kann eine Werkstatt die Reparatur aus terminlichen Gründen nicht sofort angehen, dann lassen Sie sich diese Aussage schriftlich geben. Löschen Sie keinesfalls die Protokollliste Ihres Telefons, die belegen kann, wann und wie lange Sie mit welchen Werkstätten gesprochen haben. Noch ein Tipp: Bleiben Sie auch während der Reparatur in Kontakt und überzeugen Sie sich, dass die Arbeiten zügig vorangehen. Sollte die Werkstatt trödeln, sind Sie sonst womöglich der Dumme.

Was ist, wenn ich einen Zweitwagen habe?

Kommt darauf an. Der Versicherer wird vermutlich einen "Zweitwageneinwand" erheben, um keine Nutzungsausfallentschädigung zahlen zu müssen – mit der Begründung, Sie hätten dieses Auto als Ersatzfahrzeug nutzen können. Um dennoch Geld zu bekommen, müssen Sie beweisen, dass der Zweitwagen sonst regelmäßig beispielsweise vom Ehepartner genutzt wird und Ihnen deshalb nicht zur Verfügung steht. Außerdem muss es sich beim Ersatzauto auch um ein vergleichbares zum Unfallfahrzeug handeln – einem Manager beispielsweise ist es nicht zumutbar, statt in seiner Luxuslimousine im verrosteten Polo oder auf dem Moped seines Sohnes bei der Firma vorzufahren. Auch hier muss eine Ausfallentschädigung gewährt werden.

Mein Auto ist ein Totalschaden. Was nun?

Ist das Auto ein wirtschaftlicher Totalschaden, steht Ihnen eine Nutzungsausfallentschädigung zu, bis ein neues vor der Tür steht.

Ist das Unfallfahrzeug nach dem Crash ein wirtschaftlicher Totalschaden, steht Ihnen ein neues Fahrzeug zu. Wie auch im Reparaturfall gibt es für die Neubeschaffung grundsätzlich eine Frist von 14 Tagen ab dem Unfallzeitpunkt. Das ist reichlich wenig, um zum einen diese Entscheidung zu treffen und zum anderen ein neues Auto zu kaufen – vor allem, wenn ein Gutachten nötig ist, um den wirtschaftlichen Schaden erst einmal feststellen zu lassen. Diverse Gerichte (z.B. das OLG Celle, 5 U 159/13) haben deshalb bereits in der Vergangenheit entschieden, dass bei unklaren Fällen zum einen die Dauer bis zum Erhalt des Gutachtens sowie ein bis drei Tage Überlegungsfrist zu den 14 Tagen hinzugezählt werden müssen, und dass der Geschädigte auch an diesen Tagen Anspruch auf Nutzungsausfallentschädigung hat. Im Falle der Entscheidung des OLG Celle waren es insgesamt 26 Tage.

Lieber Mietwagen oder Bargeld?

Ist die Schuldfrage eindeutig zu Ihren Gunsten geklärt, ist das Geschmackssache. Anders sieht es aus, wenn diese Frage noch strittig ist. Dann sollten Sie immer die Nutzungsausfallentschädigung wählen, denn die fällt dann eventuell einfach geringer aus, wenn Ihnen einen Teilschuld zugesprochen wird, Sie bezahlen aber nichts drauf. Hatten Sie sich einen Mietwagen genommen, müssen Sie womöglich nachträglich zumindest teilweise die Kosten dafür übernehmen. Übrigens: Es spielt keine Rolle, welche Alternative kostengünstiger ist – der Versicherer muss bezahlen, wofür Sie sich entscheiden.
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Muss ich das erhaltene Geld in die Reparatur stecken?

Nein, Sie können über die Entschädigungssumme ohne Nachweise frei verfügen. Das Geld müssen Sie also nicht zwingend in die Reparatur oder den Kauf eines neuen Wagens investieren. Sie können davon auch in den Urlaub fliegen oder ein paar neue Aluräder kaufen. 

Was ist, wenn das Unfallfahrzeug gewerblich benutzt wurde?

In diesem Fall ist die Rechtsprechung leider nicht eindeutig. Folgende Fälle werden unterschieden:

Bei Schäden an Gewerbefahrzeugen ist die Rechtsprechung nicht eindeutig.

• Das Fahrzeug wird unmittelbar zur Erbringung gewerblich genutzter Leistung eingesetzt (z.B. Taxi oder Lkw). Hier sind die instanzlichen Entscheidungen, ob in diesem Fall ein Nutzungsausfall, die Mietkosten für ein Ersatzfahrzeug oder der entgangene Gewinn, bezahlt werden müssen, sehr unterschiedlich, eine klare Linie ist nicht erkennbar. Soll der entgangene Ertrag ersetzt werden, muss der Geschädigte ihn konkret berechnen und beziffern. Ist das nicht möglich, kann er eine pauschalierte Entschädigung verlangen (BGH, VI ZR 241/06).

• Das Fahrzeug wird bei Fahrten zur (gewinnbringenden) Arbeit eingesetzt, dient also nur mittelbar der Ausübung des Gewerbes. Entsteht dem Geschädigten eine "fühlbare Beeinträchtigung", kann ihm eine Nutzungsausfallentschädigung zugesprochen werden. Auch hier ist die Rechtsprechung nicht eindeutig.

• Das Fahrzeug wird sowohl privat als auch gewerblich genutzt. Sie können die private Nutzung anteilig geltend machen. 

Oldtimer, Motorräder, Quads und Co.

Kracht es beim Wochendendausflug mit dem "Spaßfahrzeug", das nicht alltäglich genutzt wird, gibt es keine Nutzungsausfallentschädigung: Es fehlt der "Nutzungswille". Wird der Oldtimer oder das Motorrad aber anstelle eines "normalen" Autos ständig beispielsweise für den Arbeitsweg genutzt, steht Ihnen eine Nutzungsausfallentschädigung zu.

Autor: Maike Schade

Stichworte:

Unfall

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