Unfall

Unfall: Totalschaden

— 08.04.2013

So rechnen Sie ab

Tausende Male kracht es täglich in Deutschland. Viele Autos haben danach nur noch Schrottwert – Totalschaden. Dann folgt die komplizierte Abrechnung.

Eine Sekunde nicht aufgepasst, schon ist es passiert: Ein schwerer Unfall mit Riesenschaden – mit Totalschaden. Ein Glück, wenn dabei niemand verletzt wurde. Das beschädigte Auto lässt sich ersetzen. Wenn man gut versichert ist – und bei der Abrechnung keine Fehler macht. Die Ausgangsfrage lautet:
Welche Arten von Totalschäden gibt es? Ist ein Auto bis über die A-Säule hinaus zusammengedrückt, sieht selbst der Laie, dass es kaum mehr zu retten ist. Dann liegt ein "technischer Totalschaden" vor. Der Wagen ist also nicht wieder auf die Straße zu bringen. Die zweite Möglichkeit ist der "wirtschaftliche Totalschaden". Der tritt ein, wenn die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert des Wagens vor dem Zeitpunkt des Unfalls überschreiten.

Hier hat ein Sturm gleich drei Autos auf einen Schlag hingerichtet – ohne eine Teilkasko gehen die Halter leer aus.

Was zahlt die Versicherung? Besonders ärgerlich läuft es für den Halter eines Neuwagens, der zum Totalschaden wird. Denn eine gegnerische Haftpflicht zahlt nur den "Wiederbeschaffungswert eines gleichwertigen Modells am Schadenstag", umgangssprachlich "Zeitwert" genannt. Und bekanntlich setzt der Wertverlust eines Neuwagens bereits mit der Zulassung ein. Eine Neupreiserstattung gibt es nach der Rechtsprechung aber meist nur, wenn das Auto höchstens vier Wochen alt ist und zugleich maximal 1000 Kilometer zurückgelegt hat. Und eine eigene Vollkasko zahlt den Neuwert nur insoweit, wie das vertraglich vereinbart wurde.

In der Haftpflicht hat der Geschädigte das Recht auf einen Sachverständigen seiner Wahl. Nicht so in Kasko, da schickt den die Versicherung.

Wie setzt sich die Zahlung  der Versicherung zusammen? In jedem Fall wird der Restwert, den ein Auto auch nach einem Totalschaden noch hat, in die Zahlung der Versicherung einbezogen. Die Entschädigung setzt sich zusammen aus der Leistung der Versicherung plus dem von einem Sachverständigen ermittelten Restwert. Aber Achtung: Den Sachverständigen darf im Kaskofall nur die Versicherung beauftragen. Bei einem Haftpflichtschaden darf dagegen der Geschädigte den Sachverständigen frei wählen. Um den Restwert gibt es mitunter Streit. Denn je höher er ausfällt, desto billiger wird es für die Versicherung. Deshalb gilt, dass diese dem Geschädigten auch nachweisen muss, wo der angesetzte Restwert tatsächlich zu erzielen ist. Der Betroffene kann seinen Wagen dann bei dieser Adresse veräußern, muss es aber nicht. Er kann ihn auch anderweitig verwerten.

Totalschäden gibt es nicht nur durch Unfall, sondern auch durch  Brand. Bei Brandstiftung oder Defekt zahlt eine Teilkasko.

Reparieren lassen oder nicht? Bei einem technischen Totalschaden ist der Fall klar: Der Unfallwagen wird in der Regel einem Autoverwerter verkauft, also verschrottet. Bei einem wirtschaftlichen Totalschaden bleibt dem Autobesitzer die Wahl: Er kann den Wagen zum Restwert veräußern oder ihn behalten und wieder reparieren. Dafür kann dann die Zahlung der Versicherung ausreichen. Wenn der Halter sich beispielsweise für eine technisch und in Sachen Sicherheit hinreichende Reparatur in Eigenregie entscheidet, verbleibende optische Mängel aber nicht behebt und in Kauf nimmt.
Gibt es Ausnahmeregeln?
Ja, eine: Liegen die Reparaturkosten bei bis zu 130 Prozent des Wiederbeschaffungswerts, müssen sie von einer Haftpflichtversicherung trotz Überschreitung der Zeitwertgrenze erstattet werden ("130-Prozent-Regel"). Bedingung: Der Besitzer muss seinen Wagen fachgerecht reparieren lassen und dies auch nachweisen. Und er muss ihn danach mindestens sechs weitere Monate nutzen. Beispiel: Der Wiederbeschaffungswert des Wagens betrug 10.000 Euro, und die Reparaturkosten liegen bei 12.950 Euro, dann übernimmt die Haftpflicht diese Kosten. Liegen die Reparaturkosten dagegen bei 13.050 Euro, zahlt die Versicherung nur den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts.

Wenn es doch ein Neuer sein soll: Tipps zum Thema Probefahrt

Was zahlt die Versicherung bei einem Unfall außerdem? Im Haftpflichtfall hat man Anspruch auf einen Mietwagen oder Nutzungsausfall, bei einer Teil- oder Vollkaskoversicherung darauf nur so weit vertraglich ausdrücklich vereinbart. Für die Beschaffung eines Ersatzfahrzeugs werden in der Regel bis zu 14 Tage als ausreichend angesehen, für die dann ein Mietwagen oder der Nutzungsausfall gezahlt werden. Außerdem kann man in Haftpflicht die Übernahme der angefallenen Ab- und Anmeldekosten verlangen.

Kfz-Versicherungsvergleich

Ein Service von

Versicherung vergleichen und bis zu 850 Euro sparen!

  • Über 200 Tarife im Vergleich
  • Kostenlos und unverbindlich

Roland Bunke

Roland Bunke

Fazit

Totalschaden, das ist ein schwe­rer Schlag ins Portemonnaie – und er strapaziert die Nerven. Ich ra­te, als Geschädigter unbedingt einen An­walt zu nehmen. Der sorgt dafür, dass kein Euro verschenkt wird.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.