Unfallchirurgen warnen vor Kopfhörern im Straßenverkehr

Unfallchirurgen warnen vor lauter Musik im Verkehr

— 13.05.2014

Hohes Unfallrisiko durch Kopfhörer

Kopfhörer auf, MP3-Player an und los. Laut der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie birgt Musikhören im Straßenverkehr ein hohes Unfallrisiko.

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) warnt vor der erhöhten Unfallgefahr durch das Benutzen von Kopfhörern im Straßenverkehr. Zwar wird in keiner Statistik erfasst, inwiefern zu laute Musik oder Kopfhörerbenutzung zu einem Unfall beigetragen habe, trotzdem beobachtet Reinhard Hoffmann von der DGU einen für ihn beunruhigenden Trend: "Viele Radfahrer, Jogger und Fußgänger tragen heutzutage die Stöpsel von iPods und ihren Smartphones im Ohr, weil sie auch unterwegs auf Musik, Telefonate oder Hörspiele nicht verzichten wollen. Leider müssen wir in den Unfallkliniken immer wieder Verletzte und Schwerverletzte versorgen, die wichtige Signale überhört haben und dann verunglückt sind."

Es gibt keine klaren Regeln und Gesetze

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'Sind Kopfhörer im Straßenverkehr gefährlich?'

Für Auto- und Radfahrer definiert Paragraf 23 der StVO die Sachlage. Im Gesetz heißt es (Auszug aus §23, Absatz 1): "Wer ein Fahrzeug führt, ist dafür verantwortlich, dass seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden." Dies gilt jedoch nicht für Fußgänger. Auch gibt es keine klaren Regeln dazu, wieviel Musik per Kopfhörer denn eine Beeinträchtigung ist. Das Oberlandesgericht Köln urteilte: Radfahrer dürfen keinen Walkman mit Kopfhörer benutzen, falls die Lautstärke zu einer Gehörbeeinträchtigung führt. Das ist genauso kurz wie uneindeutig. Martin Jobst, stellvertretender Landesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Radfahrer-Clubs (ADFC) Bayern sagte der Zeitung "Die Welt": "Nach diesem Urteil dürfen Radfahrer also per Kopfhörer Musik hören, aber eben nur so laut, dass das Gehör nicht beeinträchtigt wird. Die Entscheidung liegt also letztendlich weiter beim Fahrradfahrer selbst."

Kopfhörer als Ordnungswidrigkeit?

Laut DGU und ARAG nicht empfehlenswert: Kopfhörer im Straßenverkehr.

Der Rechtsschutzversicherer ARAG informiert, dass "das Tragen des Kopfhörers eine Ordnungswidrigkeit darstellt, durch die der Träger den Pflichten des §1 StVO, insbesondere der Pflicht zur gegenseitigen Rücksichtnahme, nicht ausreichend nachkommen kann." Die Rechtsexperten weisen aber darauf hin, dass es keine feste Regel dafür gibt, ob etwa ein Knopf im Ohr keine Beeinträchtigung darstellt, Stereo-Hören hingegen zwangsläufig. Darüber müsse im Einzelfall von einem Richter entschieden werden. Sofern es dabei nur um eine Ordnungswidrigkeit geht, "dürfte dies in den meisten Fällen angesichts des geringen Bußgelds aus wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll sein", heißt es auf der Website des Unternehmens.

Polizei Hamburg meldet geringe Anzahl an Verfahren pro Jahr

Die Polizei darf Verkehrsteilnehmer auch wegen lauter Musik und Kopfhörern kontrollieren.

Die Hamburger Verkehrspolizei teilte auf Anfrage mit, dass im Jahr 2013 "aufgrund der Einschränkung des Gehörs durch Geräte" 31 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet wurden. Davon richteten sich fünf gegen Kfz-Führer und 26 gegen Radfahrer. In Bußgeldverfahren gelte das Opportunitätsprinzip. Das bedeutet, die Polizisten können, müssen aber nicht zwingend Fahrzeugführer wegen zu lauter Musik belangen. Fahrzeugführern (also Fahrern von Rad, Motorrad, Auto) droht ein Verwarnungsgeld von zehn Euro, wenn ihr Gehör durch Geräte "übermäßig beeinträchtigt" ist. Sollten Fußgänger oder Jogger aufgrund ihrer Kopfhörer in einen Unfall verwickelt werden, weist die Polizei darauf hin, dass ihnen bei der Unfallabwicklung eine Mitschuld gegeben werden könnte: Im Einzelfall sei "eine Vernachlässigung der gebotenen Sorgfalt" aus der Kopfhörerbenutzung abzuleiten.

Vom Kopfhörertragen wird abgeraten

In einem Punkt sind sich Chirurgen, Rechtsexperten und Polizei einig: Wer – ob als Fußgänger oder Fahrzeugführer – im Straßenverkehr unterwegs ist, sollte im eigenen Interesse auf das Tragen eines Kopfhörers bzw. das Hören von übermäßig lauter Musik verzichten.

Autor: Jonathan Blum

Stichworte:

Verkehrssicherheit

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