Unfallforschung mit dem "Bumpertest"

Unfallforschung mit dem "Bumpertest" Unfallforschung mit dem "Bumpertest"

Unfallforschung mit dem "Bumpertest"

— 20.11.2006

Streit um die Stoßstange

Ein neuer Crashtest zwingt zu einheitlichen Stoßfängern. Künftige Modelle müssen geändert werden – und das kostet.

Jahrelang glaubte die Autoindustrie, ein schwerer Stahlblock am Ende einer Crashbahn im bayrischen Ismaning sei so etwas wie der Stein der Weisen. Tausende Testautos sind schon gegen den Klotz geknallt. Der vom Allianz Zentrum für Technik (AZT) entwickelte Versuch soll simulieren, was bei einem Auffahrunfall passiert. Bisher war er das Maß aller Dinge, die Autoingenieure richteten ihre Konstruktionen nach ihm. Doch nun wurde der Stein der Weisen zum Stein des Anstoßes.

Denn die Methode entspricht nicht der Realität. "Die Autoindustrie hat ihre Stoßfänger so gebaut, dass sie zwar diesen speziellen Crashtest, nicht aber einen echten Unfall überstehen", sagt AZT-Ingenieur Dr. Hartmuth Wolff. Auf den Straßen sind eben keine genormten Klötze unterwegs, sondern Gefährte in allen möglichen Erscheinungsformen. Prallt ein flacher Flitzer in einen großen Geländewagen, kommt es so gut wie nie zum Stoßstangen-Rendezvous. "Das geht dann voll in die teuren Weichteile, also Lampen, Motorhaube und Kotflügel", sagt Wolff. Deshalb haben sich die Unfallexperten den Bumpertest (Bumper, englisch für Stoßfänger) ausgedacht. Hierbei prallt ein Versuchsfahrzeug mit zehn km/h auf eine genormte Stoßstange.

Beispiel Ford Fiesta: Die eigentliche Stoßstange wurde heimlich eingespart.

Die Idee: Wenn alle Autos damit herumfahren, landet die Aufprallenergie dort, wo sie nach dem Wortsinn hin muss – im Stoßfänger, nicht in teuren Teilen. Doch seit Kurzem steht das Telefon von Ingenieur Wolff nicht mehr still. Designer der großen Autohersteller rufen an. Denn um Bumpertest-Blamagen zu umgehen, müssen sie Hunderte künftiger Modelle ändern. "Fast fertige Entwicklungen umzustellen, das geht richtig ins Geld", sagt Lutz Fügener, Design-Professor an der Hochschule Pforzheim. Und Audi-Designer Stefan Sielaff gibt zu bedenken: "Immer neue Vorgaben, speziell beim Fußgängerschutz, reduzieren die Design-Freiheit. In einem Geschäft, das von Proportion und Harmonie in der Gesamtarchitektur des Fahrzeugs lebt, sind dies Störgrößen."

Beispiel Ford Focus: Der Stoßfänger ist breit und hoch genug.

Am 22. November 2006 steht der Bumpertest auf der Tagesordnung der jährlichen Typklassenkonferenz. Wenn der Test die Experten überzeugt, werden Neuwagen mit schlechtem Testergebnis in der Versicherung teurer – und damit womöglich zum Ladenhüter. Schwer verkäuflich wären dann Fahrzeuge wie der aktuelle Ford Fiesta. Die eigentliche Stoßstange, ein schmaler Querträger unter der Plastikverkleidung am Heck, wurde Ende 2003 heimlich eingespart. Auch nicht gerade der Stein der Weisen.

Autor: Claudius Maintz

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