Unfallhaftung

Unfallhaftung

Unfallhaftung

— 18.07.2007

Ganz schnell schuldig

Tempo, Tempo: Wer aufs Gas drückt, geht auch rechtlich ein hohes Risiko ein. Das zeigen die Umstände eines tragischen Unfalls.

Sonntag, 6. Mai 2007, 3.37 Uhr. Auf der BAB 24 (Berlin–Hamburg) kommt ein Renault Kangoo von der Fahrbahn ab, überschlägt sich und bleibt auf der Überholspur liegen. Der 29-jährige Fahrer war laut Polizeibericht eingeschlafen, zudem fuhr er mit 0,95 Promille. Er verletzt sich leicht. Kurz darauf nähert sich ein Seat Toledo auf der rechten Fahrbahn. Darin ist eine vierköpfige Familie auf der Heimfahrt, am Steuer sitzt die Mutter (44). Als sie den verunglückten Renault sieht, bremst sie ab. Jetzt nimmt das Unheil seinen Lauf: Ein Mercedes CLK 350 Cabrio nähert sich mit schätzungsweise 200 km/h. Der 26-jährige Fahrer erfasst die Situation zu spät und prallt auf das Heck des Seat. Der wird in den Graben geschleudert, überschlägt sich einmal. Die Fahrerin, ihr Sohn (21) und ihre Tochter (22) sterben. Der Familienvater (46) überlebt schwer verletzt. Der Fahrer des Mercedes erleidet mittelschwere Verletzungen.

Geld- oder Freiheitsstrafen von zwei bis zu fünf Jahren

"Wer zu schnell fährt, haftet", sagt Rechtsanwalt Uwe Lenhart aus Frankfurt.

Wer hat Schuld an dieser Tragödie? Die Antwort ist Sache eines Gerichts. Der Laie wird vielleicht schnell antworten: der Fahrer des Renault. Doch der Verkehrsrechtsanwalt Uwe Lenhart (Frankfurt), der sich den Fall für AUTO BILD angesehen hat, befindet anders: "Zwar hat der Renault-Fahrer die Ursache für den zeitlich folgenden Unfall gesetzt. Bei dem Aufprall des Mercedes auf den Seat handelt es sich aber um einen klassischen Auffahrunfall, für den der Auffahrende haftet." Kommt der Fahrer des Kangoo also ungeschoren davon? "Nein", so Lenhart, "Strafen drohen sowohl dem Fahrer des Mercedes wie dem des Renault. Dieser hat offenbar seinen Wagen unter Alkoholeinfluss und trotz Übermüdung geführt. Auf solche fahrlässigen Straßenverkehrsgefährdungen stehen Geld- oder Freiheitsstrafe bis zwei Jahre." Doch dem Fahrer des Mercedes droht eine höhere Strafe.

Der Anwalt: "Fahrlässige Tötung, hier infolge nicht angepasster Geschwindigkeit, kann mit Geld- oder Freiheitsstrafe bis fünf Jahre geahndet werden." Bei diesem tragischen Unfall wird der Paragraf 3 der Straßenverkehrsordnung für den Lenker des CLK ernst. Der Grundsatz lautet: "Der Fahrzeugführer darf nur so schnell fahren, dass er sein Fahrzeug ständig beherrscht... Er darf nur so schnell fahren, dass er innerhalb der übersehbaren Strecke halten kann."

Kommentar von AUTO BILD-Redakteur Roland Bunke

Die Straßenverkehrsordnung ist in Sachen Tempo eindeutig, sie kann auch nicht anders formuliert sein. Sie kann nicht vorschreiben, dass der Fahrer sein Fahrzeug "meistens beherrscht". Das heißt aber auch: Wer schnell fährt, kann sich auch schnell schuldig machen. Betroffene müssen dann auf ein Urteil hoffen, das alle Umstände des konkreten Falls berücksichtigt.

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