Unicat Volvo FH12 4x4 Expeditionsmobil

Unicat Volvo FH12 4x4 Expeditionsmobil

— 13.07.2016

Der Hardcore-Camper

3,90 Meter hoch, 2,50 Meter breit, 8,70 Meter lang, 18 Tonnen schwer und 460 PS stark! Der Unicat Volvo FH12 4x4 ist ein Expeditionsmobil der Extreme.

Der Unicat ist 3,90 hoch, da will die Route sorgfältig geplant sein.

Was für ein Monstrum, selbst die nackten Zahlen steigern die Ehrfurcht: 3,90 Meter hoch, 2,50 Meter breit! 8,70 Meter lang! 18 Tonnen schwer und 460 PS stark. Metertiefes Wasser ist kein Problem für diesen Hardcore-Camper. Ebenso wenig wie 45-Grad-Steigungen, Baumstämme auf dem Weg oder Schlaglöcher vom Format koreanischer Kleinwagen. Temperaturen zwischen 30 Grad unter null und 50 Grad Hitze kann der Koffer schadlos ab. Für das nötige Durchhaltevermögen sorgt ein Volvo FH12 4x4 als Basis. So ist dieses Expeditionsfahrzeug das ideale Weltreisemobil für bis zu vier Personen. Es gibt ein Hubdach, große Betten, eine komfortable Nasszelle und eine große Küche. Auf Knopfdruck arretieren nicht nur alle Schubladen, sondern auch die Gläser in der Vitrine. Ein Unimog wirkt dagegen beinahe possierlich.

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Im Unicat kann man monatelang autark reisen

An der U-förmigen Sitzgruppe finden bis zu sechs Personen Platz.

Aber das hier ist ja auch ein Unicat – so heißt der Hersteller aus Dettenheim bei Heidelberg. Der Kleinserien-Spezialist baut Abenteurern, Weltreisenden und Forschern seit 1990 ihre fahrbaren Basislager – Expeditionsmobile, mit denen die Kundschaft monatelang autark unterwegs sein kann, ganz gleich ob in Afrika, Südamerika oder China. Wenn es sein muss, selbst bei einer zehnjährigen Reise um den Globus. Das Angebot reicht von Serienfahrzeugen mit individueller Ausstattung bis zu Eigenentwicklungen nach Kundenwunsch. Zu den Käufern zählen das Max-Planck-Institut, Filmemacher, arabische Prinzen und internationale Topmanager. "Die meisten unserer Kunden fahren zum Warmwerden ein paar Wochen nach Island oder Marokko", sagt Unicat-Geschäftsführer Bernhard Söllner. Erst ein Jahr später starten sie dann ihre richtig große Tour. Und zwar ohne Komfortverlust – mit Espressomaschine in der Küche und einer Dusche wie daheim. "Mit Camping hat das nur noch wenig zu tun. Unicat-Fahrer sind meist dort unterwegs, wo Straßen und Zivilisation aufhören", sagt Söllner.
Vom Unimog zum Lkw: Unicat baute bisher rund 300 Mobile
Unicat fertigt seit 1990 Expeditionsfahrzeuge. Anfangs noch auf Unimog-Fahrgestellen, mittlerweile sind eher MAN und Mercedes Zetos als Basis gefragt. Die sind günstiger und kommen auch (fast) überall durch. Die meisten Fahrzeuge werden nach Kundenwunsch gefertigt. Besonders beliebt ist das Basismodell Family TC 59, ein XXL-Camper für vier Personen auf einem MAN TGM 18-Tonner. Momentan stellt die Firma mit 30 Mitarbeitern auf acht Montageplätzen etwa fünf bis acht Fahrzeuge jährlich her. Insgesamt waren es in der Firmengeschichte bisher knapp 300. Unicat könnte auch noch mehr: Derzeit liegt die Wartezeit bei knapp zwei Jahren. Offensichtlich herrscht kein Mangel an besonders solventen Kunden. Denn die Fahrzeuge kosten zwischen 300.000 und 700.000 Euro, die ganz großen Brummer kommen locker auf 1,8 Millionen Euro – jeweils ohne Steuern, versteht sich. "Gebrauchte Fahrzeuge gibt es aber deutlich günstiger. Und bei denen gibt es keine Wartezeit", erklärt Firmenchef Bernhard Söllner. Wie der Volvo, in dem wir gefahren sind: Das elf Jahre alte Expeditionsmobil mit rund 150.000 Kilometern Laufleistung kostet aber immer noch 495.000 Euro. Vor elf Jahren zahlte der Erstbesitzer nahezu das Doppelte. Trotzdem kein schlechter Werterhalt: Bei einem Pkw halbiert sich schon nach etwa drei Jahren der Neuwert, bei gefragten Modellen wie SUVs dauert es etwas länger.

Fällt ein Bauteil aus, springt das nächste an

Das Badezimmer fällt wie alles im Unicat sehr großzügig aus.

Alle Mobile besitzen Allradantrieb, große Kraftstoff- und Wassertanks. Außerdem baut Unicat die serienmäßigen Fahrgestelle um: längerer Radstand, größere Kabine, alles machbar. Kostet halt – und ist akkurate badische Handwerksarbeit. Der Innenausbau dauert im Schnitt drei Monate. Die GFK-Sandwichplatten des Aufbaus kommen aus den Niederlanden, sechs Schreiner fräsen und kleben sie zusammen. Spezielle U-Profile sorgen in den Kanten für eine steife Verbindung. Systeme wie Elektrik, Elektronik sowie Pumpen und Kompressoren sind wie in einem Flugzeug redundant ausgelegt: Fällt ein Bauteil aus, springt das nächste an. Die lasergeschnittene und verschweißte Dreipunktlagerung zwischen Fahrgestell und Kabine ist eine Eigenkonstruktion, ebenso wie Fenster, Türen und Dichtungen. "Das Auto muss auch auf den übelsten Rüttelpisten halten", sagt Söllner. Wo zehn Schrauben reichen müssten, drehen die Unicat-Werker lieber gleich 20 rein.

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Zwei fliegende Mechaniker für den Service

Die Unicat-Bordtechnik steckt in dieser Kontrollzentrale. Da ist das Handbuch gefragt.

Und falls doch mal Probleme auftauchen sollten, stehen zwei fliegende Mechaniker bereit – um weltweit eingreifen zu können. Söllner: "Für normale Wartungsarbeiten haben wir Servicestationen in Dubai, China und Südamerika." Per Ferndiagnose lässt sich die Technik eines Unicat größtenteils überprüfen und überwachen – wenn der Kunde zustimmt. "Die meisten nehmen den Service aber in Anspruch. So wissen wir zuerst, wenn etwas mit dem Fahrzeug nicht stimmt, und können Gegenmaßnahmen einleiten", so Söllner. Nicht zuletzt ermöglicht das Trackingsystem dem Fahrer, stille Notrufe abzusetzen und Hilfe zu holen.

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Je nach Modell fallen 2000 bis 6000 Arbeitsstunden an

Die Expeditionsmobile entstehen in Handarbeit in Dettenheim bei Heidelberg.

Die meisten Unicat basieren auf MAN- oder Mercedes-Zetros-Fahrgestellen mit zwei, drei oder vier Achsen – je nach Wunsch und Budget. Die meisten Kunden, so der Chef, fragen zuerst nach einem 7,5-Tonner, des alten Dreier-Führerscheins wegen. In der Regel kaufen sie dann doch einen 18-Tonner und gehen noch mal zur Fahrschule, um ihn bewegen zu dürfen. Der Unimog ist als Basis-Fahrzeug übrigens out – er kommt zwar überall durch, ist aber auch laut, vergleichsweise unkomfortabel und teuer. "Ein Unimog-Fahrgestell kostet rund 150.000 Euro, MAN verlangt etwa 80.000 Euro“, erklärt Söllner.

Unicat Volvo FH12 4x4 Expeditionsmobil

Die Entscheidungsphase mit ein paar Besuchen in Dettenheim dauert in der Regel zwischen drei und sechs Monaten. Nach der groben Bestellung kommt die Feinabstimmung. "Das ist wie beim Haus Zubehörbau und kann bis zur Aufteilung des Besteckkastens gehen", sagt Söllner. Der Umbau dauert rund sechs Monate. Je nach Modell laufen zwischen 2000 und 6000 Arbeitsstunden auf. Der Kauf eines Extrem-Campers markiert oft einen neuen Abschnitt im Leben des Kunden. Einige verkaufen ihre Wohnung, schaffen sich dafür einen Unicat an und wählen einen speziellen Service des Herstellers: Er kümmert sich auch um die Verschiffung, Überführung und sichere Stellplätze im Ausland. Oder um die Post des Kunden – wenn der wirklich jede Spur des Alltags hinter sich lassen will.
Technische Daten Unicat Volvo FH12 4x4
Motorisierung Sechszylinder-Diesel
Leistung 338 kW (460 PS) bei 1500–1800/min
Hubraum 12.100 cm3
Drehmoment 2200 Nm bei 1100 bis 1450 U/min
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h (abgeregelt
Getriebe/Antrieb Sechsgang-Automatik/Allrad
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 560 l/Diesel
Länge/Breite/Höhe 8700/2480/3900 mm
Radstand 4800 mm
Bereifung 16.00 R 20 Michelin XZL
Leergew. fahrbereit/Zuladung (Testmobil) 16 000/2000 kg
Material Wand/Dach/Boden GFK-Verbundplatten
Stärke Wand/Dach/Boden 60 mm/60 mm/95 mm
Isolierung Wand/Dach/Boden 55 mm/55 mm/80 mm
Liegefläche Front L x B 2000 x 1800 mm
Liegefläche Heck L x B 2000 x 1400 mm
Kühlschrankvolumen/Froster 2 x 120 l/2 x 16 l
Herd drei Flammen
Bordbatterie 24 V 765 Ah
Frisch-/Abwasser-/Fäkaltank 800 l/140 l/100 l
Gasvorrat/Heizung 2 x 11 kg/Warmwasser-Zentralheizung
Testwagenpreis 495.000 Euro (gebraucht)
Autor:

Fabian Hoberg

Fazit

Groß, mächtig, schwer. Aber genial! Die Fahrzeuge von Unicat kommen dank hochgelegter Karosserie, großer Reifen und Allrad überall durch. Fehlt neben den paar Monaten Urlaub im Jahr nur noch das nötige Kleingeld. Ab 300.000 Euro geht es los. Der gebrauchte Volvo, den wir fahren durften, kostet allerdings immer noch fast eine halbe Million!

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