Wachsende Kritik am Automobilclub

UPDATE: ADAC: Bericht über Schmu mit Auto-Batterien

— 03.02.2014

Immer neue Vorwürfe

Teure Batterien vom ADAC, hingehaltene Versicherte, Werbe-Deal mit ADAC-Funktionär: Die Liste der Vorwürfe wird immer länger. ADAC-Präsident Meyer will den Club umbauen. Die Zahl der Kündigungen nimmt aber zu.

(dpa/brü) Die Liste der Anschuldigungen gegen den ADAC wegen undurchsichtiger Geschäftspraktiken wird immer länger. Zuletzt wurden Vorwürfe laut, der Automobilclub habe seine Pannenhelfer dazu gedrängt, Autofahrern eigens für den ADAC gefertigte Batterien zu verkaufen. Kritik wurde auch an einem Werbedeal des Clubs mit dem Unternehmen eines ADAC-Funktionärs laut. Auch soll der Club im Ausland erkrankte Versicherte hingehalten haben, bevor ein vertraglich zugesicherter Rückflug bewillig wurde. Ins Gerede kam auch ein Werbevertrag zwischen dem Club und einem ADAC-Funktionär. Der Autoclub ist seit Wochen in den Schlagzeilen, seitdem bekannt wurde, dass die Zahlen einer Leserwahl der Mitgliederzeitschrift zum "Lieblingsauto der Deutschen" gefälscht waren.

Die Pannen des ADAC

ADAC-Zentrale in München Preisverleihung Gelber Engel Karl Obermair
In Folge des Skandals wächst die Zahl der ADAC-Mitglieder, die dem Club kündigen. So bearbeitete der ADAC am 31. Januar insgesamt 66.233 Kündigungen, die aufgrund von Fristen erst zu einem späteren Zeitpunkt wirksam werden. Das sind knapp 15.000 mehr als im Januar 2013. Der ADAC geht laut einer Pressemitteilung selbst davon aus, dass ein Großteil dieser Kündigungen auf die jüngsten Entwicklungen zurückzuführen sind. Allerdings gewann der Automobilclub 2013 auch rund 528.000 Mitglieder hinzu. Mag die Zahl de Vorwürfe auch von Tag zu Tag wachsen, die Führung des Clubs bleibt standhaft und setzt auf eine Reform von innen statt auf einen personellen Neuanfang. "Wir werden die Axt anlegen und uns dabei von externen Beratern begleiten lassen", sagte ADAC-Präsident Peter Meyer bei seinem jüngsten Auftritt am Sonntagabend (2. Februar 2014) in der ARD-Sendung "Günther Jauch". "Wir wollen komplette Aufklärung und wir wollen eine deutliche Transparenz sofort einführen." So sei etwa die ADAC-Pannenstatistik nicht repräsentativ, was aber künftig deutlicher betont werden müsse.

Die "Süddeutsche Zeitung" und das NDR-Magazin "Panorama" hatten recherchiert, dass der Autoclub seine Pannenhelfer dazu anspornt, eigens für den ADAC gefertigte Auto-Batterien der Firma Varta zu verkaufen. Ein erfolgreicher Verkauf erhöhe die Bonus-Zahlung. Der Autoclub wies die Vorwürfe zurück. "Der ADAC erzielt keinen Gewinn mit dem Austausch der Batterien im Rahmen der Pannenhilfe", sagte ein ADAC-Sprecher. Laut den Recherchen berichtete ein ehemaliger Straßenwachtfahrer, der zehn Jahre als "Gelber Engel" fuhr, aus seinem Alltag: "Autofahrern werden Batterien aufgeschwatzt, die sie nicht brauchen, oder die sie bei einem regulären Einkauf weit günstiger bekommen könnten." Auch andere Pannenhelfer hätten von entsprechendem Verkaufsdruck berichtet.

Mit dem Schmu beim "Gelben Engel" begann die Vorwurfswelle gegen den ADAC und seinen Präsidenten Peter Meyer.

Meyer verteidigte finanzielle Anreize beim Batterieverkauf durch Pannenhelfer. Anreize seien in der Wirtschaft eine übliche Praxis. Allerdings räumte er ein: "Auf so ein Provisionssystem kann man komplett verzichten." Laut der ADAC-Pannenstatistik gab es 2012 insgesamt 685.751 Fälle, in denen der ADAC liegengebliebenen Autos mit Batterie-Problemen zu Hilfe. Der Statistik zufolge baute der ADAC in 165.000 Fällen eine neue Batterie ein – also bei fast jedem vierten Autofahrer. Der Autoclub wies darauf hin, jede Batterie werde vor dem Tausch getestet. Mit Stichproben werde geprüft, ob die ausgetauschten tatsächlich defekt sind.

Leistungsprämie für verkaufte Batterien

Der ADAC bestätigte zugleich, dass die Mitarbeiter der Straßenwacht eine Leistungsprämie "im mittleren einstelligen Prozentbereich" am Gesamtgehalt bekämen – dabei werde auch der Austausch von defekten oder leeren Batterien berücksichtigt. Es gebe jedoch keine Prämie pro Batterie und keine zusätzliche Leistungsprämie bei der Überschreitung einer bestimmten Anzahl ausgetauschter Batterien, sagte ein Sprecher. Dem ADAC entstünden bei jeder Pannenhilfe erhebliche Kosten etwa mit Einkauf, Lagerung und Einbau. Die Einnahmen über den Austausch der Batterien leisteten einen Beitrag, die eigenen Kosten zu reduzieren. "Das Angebot einer Autobatterie erspart dem Mitglied zusätzlichen Zeitaufwand für die Besorgung und zusätzlichen Aufwand für den Einbau einer neuen Batterie."

Der ADAC gerät auch unter Druck wegen eines größeren Geschäftes seines Regionalverbandes in Nordrhein-Westfalen. Dort hatte der Club im Jahr 2009 einen Werbe-Deal mit dem Unternehmen eines ranghohen Club-Funktionärs abgeschlossen. Eine Sprecherin des ADAC Nordrhein bestätigte den Sachverhalt. Der Vertrag sei aber völlig einwandfrei gewesen, versicherte sie. Demnach hatte der von ADAC-Präsident  Meyer geleitete Regionalverband dem Unternehmen eines Vorstandskollegen 200.000 Euro "Werbekostenzuschuss" für ein Fernsehstudio am Nürburgring gezahlt.

Die Rettungshubschrauber des ADAC wurden vielfach eingesetzt – auch zu PR-Zwecken oder zum Trockenföhnen eines Fußballrasens.

Das Unternehmen produziert unter anderem Fernsehbilder von Sportereignissen. Meyers ADAC-Kollege Peter Geishecker saß bei der Muttergesellschaft Wige Media damals im Vorstand, er war zudem Großaktionär. Als Gegenleistung wurde für den Autoclub an der Eifelstrecke geworben. Wegen der späteren Pleite der Rennstrecke wurde schließlich die Hälfte der Summe an den ADAC zurückgezahlt.

"Korrektes Geschäft"

Eine ADAC-Sprecherin sagte dazu, es sei ein korrektes Geschäft gewesen: "Es war alles klar geregelt und ist durch alle Gremien beim ADAC gegangen". Nach der Insolvenz des Nürburgrings seien nur 100.000 Euro zurückgezahlt worden, weil zuvor die vereinbarte Leistung, die Fernsehübertragungen und die Werbung, erbracht worden sei.

Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" soll der ADAC wiederholt Versicherte hingehalten haben, die im Ausland schwer erkrankten und einen Ambulanzflug in die Heimat benötigten. Mitarbeiter der Notrufzentrale des Clubs hätten sich zögerlich gezeigt, berichteten Betroffene. Der ADAC bezeichnete es als absurd, anhand von Einzelfällen einen Pauschalverdacht zu erheben. " Alle Ambulanzflüge würden ausnahmslos nach medizinischer Notwendigkeit durchgeführt. Dabei müsse auch geprüft werden, ob der Gesundheitszustand der Patienten Flüge zulasse. Letztlich entschieden Ärzte darüber.

Meyer bei Jauch: Kein Rücktritt

Bei seinem Besuch bei Jauch schloss ADAC-Präsident Meyer einen Rücktritt wegen der vielfachen Vorwürfe aufs Neue aus. Der Verein liege zwar am Boden. Aber er sehe seine Aufgabe darin, die Dinge nach dem Skandal wieder ins Reine zu bringen, sagte Meyer.

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