UPDATE: Rundgang auf der Tokyo Motor Show 2009

UPDATE: Rundgang auf der Tokyo Motor Show 2009

— 21.10.2009

Japan feiert sich selbst

So ist das also, wenn man zur großen Party einlädt – und alle guten Freunde sagen ab. Den 41. Geburtstag der Tokyo Motor Show feiern die Japaner unter sich. Und hier sind ihre Messe-Highlights.

Vor allem die Abstinenz der deutschen Hersteller kommt hier gar nicht gut an. Höflich wie die Japaner nun mal sind, wird ihr Nichterscheinen mit  "schade" bis "unglücklich" kommentiert. Die rund 600 Händler deutscher Marken in Japan werden sicherlich deutlichere Worte finden. Sollten die Deutschen in zwei Jahren wieder bei der Makuhari Messe vor den Toren Tokios aufschlagen – nach dann vier Jahren Abstinenz – sind neue Modelle wie Porsche Panamera, BMW 5er GT oder Mercedes SLS bereits alte Hüte. Dennoch gibt es für die Japaner in diesen Tagen etwas zu feiern. Nach 13 Monaten im Rückwärtsgang springt der Automarkt endlich wieder an. Plus 9,2 Prozent im September im Vergleich zu 2008 – eine Abwrackprämie nach deutschem Vorbild, Steuerhilfen für umweltfreundliche Autos sowie eine Autobahnflatrate fürs Wochenende (1000 Yen, rund 7 Euro), haben die Trendwende eingeleitet.

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Da sieht man vor lauter Spielzeug das Auto nicht mehr. Roller, Krankenfahrstühle und Mini-Flitzer dominieren das Bild in Tokio.

Seit drei Monaten klebt ganz oben an der Spitze der Hitliste der neue Toyota Prius. Nippon liebt Hybriden. Ihr Anteil liegt bereits bei zehn Prozent. Tendenz steigend. Einen ähnlichen Steilflug sollen nun die Elektro-Mobile hinlegen, angetrieben von der diesjährigen Motor Show. Doch von einer elektrisierenden Veranstaltung kann hier – zumindest an den Pressetagen – nun wirklich nicht die Rede sein. In den Hallen an der Tokio Bay, die früher vor dumpfen Bässen und schrillen Discoklängen erzitterten, herrscht beinahe schon gespenstische Stille. Keine Musik, keine Show, keine Party. Hier und da ein paar tapfer lächelnde Hostessen, dazwischen skurrile "Krankenfahrstühle" mit Brennstoffzellen und leicht debile Journalisten in Hawaiihemden und Schiebermütze – wer hat die denn reingelassen?

Zum Tokio-Kommentar von Tomas Hirschberger

Mit gewagten Flügeltüren und jeder Menge Platz für bis zu sechs Personen sorgt die Studie Skydeck für Aufsehen am Honda-Stand.

Auf jeder Zuchtbullenversteigerung in Bad Tölz ist mehr Stimmung unterm Dach. Die verbliebenen japanischen Hersteller setzen trotzdem ihr Honigkuchenlächeln auf und konzentrieren sich darauf, ihre sauberen Visionen der Zukunft so gut es geht ins rechte Scheinwerferlicht zu rücken. Zum Beispiel Toyota: Neben dem Prius Plug-in, der noch in diesem Jahr einen weltweiten Feldversuch startet (etwa 20 Autos kommen auch nach Deutschland), soll vor allem der FT-EV das grüne Gewissen beruhigen. Noch einmal 20 Zentimeter kürzer als der iQ, setzt der kleine Stromer auf Lithium-Ionen-Akkus im Leasing-Verfahren. Im sonnigen Kalifornien wird 2012 der erste Flottenversuch unternommen. Nicht zum Sparen, sondern zum Spaß fährt Anfang 2012 die Serienversion der Studie FT-86 vor. Der kompakte Sportler knüpft an erfolgreiche Celica-Zeiten an, wird zusammen mit Subaru entwickelt (Toyota hält 16,8 % am Subaru-Mutterkonzern Fuji Heavy Industries) und bekommt deshalb einen Zweiliter-Boxer mit rund 200 PS unter die Haube gepflanzt. Ob Toyota sich tatsächlich dazu entschließt, den klangvollen Namen Celica wiederzubeleben, blieb leider offen. Unser Tipp: Machen!

Ghosn postuliert Null-Emission

Mit dem CR-Z Concept und dem Skydeck zeigt Japans Nummer zwei Honda die ganze Bandbreite des Themas Hybrid. Während der CR-Z sich als sportlicher Kompakter vor allem an die verantwortungsbewusste Spaßgesellschaft richtet, soll der Skydeck als variabler Sechssitzer auch die Familien ins Ökoboot holen. Rein elektrisch macht sich der Kleinwagen EV-N zumindest optisch auf die Suche nach den Wurzeln seines Vorgängers N 360. Geradezu sensationell fallen die Verbrauchsversprechen von Mitsubishis Kompakt-SUV PX-MiEV aus. Der 1,6-Liter-Benziner des Plug-in-Hybriden wird von zwei Elektromotoren unterstützt, soll so mit zwei Liter auf 100 Kilometer auskommen – ein mehr als ehrgeiziger Wert. Kurierdienste und Pizzaboten dürfen sich über den i-MiEV Cargo freuen. Die Nutzfahrhzeugversion des E-Mobils trägt hinter den beiden Vordersitzen einen nicht schönen, aber praktischen Kastenaufbau. Nissan konzentriert sich auf den Leaf, der Ende 2010 das erste in Großserie gefertigte E-Mobil sein soll. "Das Null-Emissions-Auto ist keine Illusion mehr, sondern erreichbare Realität", erklärt uns Nissan-Chef Carlos Ghosn und postuliert gleich mal seinen Anspruch, bei den E-Mobilen in Zukunft den Takt anzugeben.

Daihatsu schlägt mit einer skurrilen Schnuckel-Flotte auf

AUTO BILD-Redakteur Tomas Hirschberger macht es sich in dem Daihatsu-Würfel Deca Deca gemütlich.

Nur so zum Spaß steht der Landglider hier auf der Bühne. Die zweisitzige Zigarre mit E-Antrieb legt sich wie ein Motorrad in die Kurven (bis zu 17 Grad) und wird so sicher nie kommen. Toyota-Tochter Daihatsu ist mal wieder für die schnuckeligen Minis zuständig. Der 3,10 Meter kurze und 700 Kilo leichte e:S will mit 3,3 Litern Sprit 100 Kilometer schaffen, der Basket spielt den ebenso lustigen wie luftigen Freizeit-Pick-up und der Würfel-Zwerg Deca Deca löst Transportprobleme von morgen auf die quadratisch praktische Weise. Alles nur Fingerübungen. Im Gegensatz zum neuen Suzuki Alto (3,40 m). Der kommt bestimmt, was wir vom Swift Plug-in Hybrid noch nicht sagen können. Seine Technik: Serieller Hybrid mit Range-Extender, 20 Kilometer Reichweite bei rein elektrischer Fahrt.

Schon wieder so ein schickes Konzept von Subaru: Der Elektro-Allradler "Hybrid Tourer Concept" deutet die zukünftige Design-Sprache an.

Mazda hat mit E-Technik vorerst nichts am Hut – mit dem Sky Concept wollen sie ihren Flottenverbrauch bis 2015 aber dennoch um 30 Prozent zurückfahren. Hinter dem schönen Namen verbirgt sich eine komplett neue Generation von Benzinern und Dieselmotoren, eine moderne Automatik sowie konsequenter Leichtbau, der künftige Modelle im Schnitt um rund 100 Kilo leichter machen soll. Endlich mal was Handfestes. Das kann man von Subarus Hybrid Tourer Concept zwar nicht behaupten, dafür sieht der Elektro-Allradler (pro Achse ein E-Motor) aber verdammt gut aus – auch oder obwohl das Heck vom Alfa Brera abgeguckt ist. Auch wenn eine Serienfertigung nicht geplant ist, schon gar nicht mit den riesigen Flügeltüren, zeigt die 4,63 Meter lange Studie schon mal die zukünftige Designsprache Subarus. Die dürften wir spätestens Ende 2011 dann am neuen Sportwagen von Subaru wiederfinden, eine gemeinsame Entwicklung mit Toyota. Die Nippon-Party geht also weiter. Und nächstes Mal dann hoffentlich wieder mit Gästen aus aller Welt.

Autoren: Tomas Hirschberger, Gerald Czajka

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