US-ChampCar-Serie 2005

Timo Glock in der ChampCar-Serie

US-ChampCar-Serie 2005

— 01.09.2005

Platz 2 – aber moralischer Sieger

Speed-Academy-Botschafter Timo Glock und sein Rocketsports-Team haben in Montreal hoch gepokert – und dabei fast gewonnen.

Ein Push-to-pass-Button fehlt

In der 53. Runde kommt Timo Glock beim zehnten Lauf der ChampCar im kanadischen Montreal zum dritten Stopp. Die Rocketsports-Mannschaft pokert. Das Methanol reicht nicht über die restliche Renndistanz, es sei denn, eine Gelbphase zum Spritsparen folgt. Endlich ist das Glück auf Glocks Seite. Nur eine Runde später kracht's – Gelb. Die Konkurrenz tankt. Glock fährt.

Bis wenige Kurven vor Schluß. Schon zweimal hat Timo die letzte Schikane verpaßt. Jetzt muß er Oriol Servia vorbeilassen. Er versucht zwar gleich den Konter, aber es reicht nicht. "Verdammt, das wäre mein Ding gewesen. Ein Push-to-pass-Button hatte mir gefehlt", resümiert der Hesse. Dieser Knopf erlaubt für 60 Sekunden im Rennen 50 PS mehr. Diese Zeit war beim schnellen Postboten schon aufgebraucht. Servia gewinnt. Aber der moralische Sieger heißt Glock.

Der Circuit Gilles Villeneuve war für Timo Glock auch ein Wiedersehen. "Die neuen, höheren Kerbs und die Betonflicken, die nach dem letzten F1-Rennen auf der Ideallinie nötig wurden, erfordern eine andere Linie als letztes Jahr und kosten Haftung", sagte Glock nach den ersten Runden am Freitag.

Instinkt rettet vor dem Abschuß

Sein Montreal-Hoch von 2004, als er beim F1-Debüt im Jordan zwei Punkte holte, war vergessen. Nun schüttelte er wieder mal entnervt den Kopf. Denn da waren sie wieder, seine Probleme, die ihn schon die ganze Saison bremsen: Dämpfung und Differential seines Lola-Ford sind nicht optimal. Folge: mangelnde Traktion. Und die ist bei den vielen Schikanen und den Haarnadeln der Montreal-Piste das A und O. "Wenn ich mir die Top-Autos von Newman-Haas oder Forsythe anschaue, dann verliere ich pro Kurve drei bis vier Zehntelsekunden", raufte sich Glock seinen schwarzen Schopf. Das machte unterm Strich fast 1,7 Sekunden, genau zehn Startplätze Rückstand auf die Spitze.

Eine weitere Lektion in der US-Formel-1 lernte Glock in der ersten Runde der Quali: "Ich weiß nicht warum, aber ich habe vor der Spitzkehre instinktiv in den Rückspiegel geschaut." Dort sah er Alex Tagliani plötzlich unerwartet groß. Der Kanadier schoß mit Bremsproblemen hilflos geradeaus. "Im letzten Moment habe ich die Lenkung aufgemacht und bin in die Auslaufzone ausgewichen", beschrieb Timo Glock die Beinahkollision.

Auch im Rennen konnte der Rookie allen Scharmützeln aus dem Weg gehen. Und mit Platz zwei im Gepäck sind die vier Wochen Pause bis zum Rennen in Las Vegas (24. September) durchaus angenehm. Viel Zeit zum Nachdenken und zum Verhandeln. Denn viele der US-Teamchefs wollen sich das deutsche Supertalent und seinen Top-Sponsor für 2006 angeln.

Autor: Leopold Wieland

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