V8-Diesel von Mercedes, Audi und BMW im Test

V8-Diesel von Mercedes, Audi und BMW

— 11.01.2007

Diesel ganz oben

Hoch ber dem normalen Dieselvolk thronen die prchtigen Achtzylinder. S 420 CDI, A8 4.2 TDI, 745d: Wer ist Knig der Selbstznder?

Preise, Ausstattungen und Fahrleistungen

Der Stachel sitzt noch tief. Als die drei deutschen Luxusmarken Audi, BMW und Mercedes vor gut sieben Jahren ihre Luxus-Limousinen mit Achtzylinder-Diesel prsentierten, war der S 400 CDI Letzter. Zumindest was den Verkaufsstart betraf. Das Prestigerennen um den ersten Selbstznder-V8 auf dem Markt machte der 740d, der ab Mitte 1999 bei den Hndlern stand. Vier Monate spter folgte der A8 3.3 TDI. Der Mercedes war erst im Juni 2000 zu haben. Nicht schlimm, aber doch irgendwie eine Niederlage beim Technikwettrsten um die Dieselkrone.

Verzichtet aufs PS-Wettrsten mit der Konkurrenz: Mercedes S 420 CDI.

Eine Autogeneration spter hat der deutsche Diesel-Dreikampf nichts an Dramatik verloren. Und wieder ist Mercedes der Nachzgler. Audi A8 4.2 TDI quattro und BMW 745d sind schon lnger im Angebot, der Mercedes S 420 CDI kommt erst jetzt dazu. Auf einen peinlichen PS-Wettlauf mit den Konkurrenten hat Mercedes verzichtet. Im Gegenteil: Mit 320 PS ist die S-Klasse das nominell schwchste Modell in diesem Vergleich. Der A8 hat sechs und der 7er zehn PS mehr Dampf unter der Haube. Auch beim Drehmoment setzt der Benz nicht den Mastab, sondern der hubraumstrkere BMW. Eigentlich keine guten Voraussetzungen fr einen Herausforderer, der zeigen will, dass er die beste Diesel-Limousine der Welt baut. Dass es ihm trotzdem gelingt, hat andere Ursachen. Vor allem beweist der Mercedes, dass Dieselantrieb und Luxusanspruch sehr gut zusammenpassen.

Beeindruckend: Der S 420 CDI vermittelt ein hnlich erhabenes Fahrgefhl wie der Zwlfzylinder S 600. Wer dieseltypische Vibrationen herausspren will, muss ber seismografische Sensibilitt verfgen. Hier zittert nichts. Zu hren ist auch nichts. Schon gar kein Selbstznder-Nageln. Nur im Stand ist auen ein leises Wummern zu vernehmen, guter Motorkapselung sei Dank. Dieses Auto ist die Ruhe selbst. Vor allem durch seinen berlegenen Fahrkomfort schwebt der Mercedes buchstblich ber den Konkurrenzmodellen von Audi und BMW. Serienmige Luftfedern tilgen perfekt alle Ste von der Fahrbahn. Ob kurze oder lange Bodenwellen, Gullydeckel oder Betonfugen, Kopfsteinpflaster oder Feldweg die S-Klasse gleitet ber alles mit grtmglicher Souvernitt. Eine glatte Eins.

Gut dazu passt die Siebenstufen-Automatik. Sie hlt die Drehzahlen niedrig und senkt so das Geruschniveau. Bei 730 Newtonmeter Drehmoment verfgt der Achtzylinder in jeder Fahrstufe ber ein derart ppiges Kraftreservoir, dass Runterschalten berflssig wird. Sollte der Fahrer dies dennoch wnschen, um auf der Autobahn den lstigen Porsche-Piloten loszuwerden, ist das per Kickdown oder den Schaltknpfen am Lenkrad jederzeit mglich. Dann wechselt der Automat kaum sprbar den Gang, und die S-Klasse strmt mit gewaltigem Schub bis auf abgeregelte 250 km/h.

Heavy Metal: Anders als Mercedes und Audi hat der 745d Stahlfedern.

Wie gut das Mercedes-Getriebe arbeitet, zeigt der direkte Vergleich mit dem BMW. Der ist zwar strker und fast zwei Zentner leichter, beim Beschleunigen dennoch langsamer, weil mehr Wandlerschlupf die Antriebskraft reduziert. Bei hherem Tempo leidet der 7er zudem unter dem ungnstigeren cW-Wert von 0,29 (Audi und Mercedes jeweils 0,27). Die Handlichkeit anderer BMW-Modelle fehlt ihm. Der 7er ist nicht nur ein groes und massiges Auto, er fhrt sich auch so. Mit 12,40 Meter hat er zudem den grten Wendekreis. Anders als Audi und Mercedes hat der BMW Stahlfedern, wird aber von elektronisch kontrollierten Dmpfern vor Fahrbahnsten geschtzt. Nur kurze Bodenwellen dringen sprbar in den Innenraum vor. Trotz der leicht schlechteren Fahrleistungen arbeitet im BMW dennoch ein briger Motor, der kaum vernehmbar ist, den 2,2-Tonner aber expressartig vorwrts schiebt. Auch fr den 745d gilt: Der starke Diesel ist eine gute Alternative zum durstigen 760i. Denn selbst bei zgiger Fahrweise bleibt der Verbrauch bei zehn Liter. Der Zwlfzylinder-Benziner schluckt dann mehr als 16 Liter.

hnlich sparsam ist der A8 4.2 TDI. Er ist dynamischer ausgerichtet als 745d und S 420 CDI, trgt aber auch seinen Diesel-Charakter zur Schau. Feines Lenkradzittern und das Verbrennungsgerusch kennzeichnen ihn als Selbstznder. Selbst in der Einstellung "Comfort" federt das Luftfeder-Fahrwerk auf schlechten Straen straff. Gegenber 7er und S-Klasse wirkt der A8 enger. Seine Fondkopfsttzen sind fest montiert, beeintrchtigen so die Rundumsicht. Bei unruhigem Gasfu neigt der Audi zudem zu ruckartigen Gangwechseln. Sportlich betrachtet macht er aber alles richtig. Beim Beschleunigen lsst er BMW und Benz hinter sich. Deutlich sogar. Trotz offizieller 250-km/h-Abregelung spurtete unser Diesel-A8 auf Tacho 280.

Technische Daten und Bewertung

Auch beim Kurvenfahren wirkt der Audi leichtfiger. Der Grund fr seine Agilitt liegt auf der Hand. Dank Alukarosserie ist der Audi fast eine Vierteltonne leichter als der Mercedes. Dadurch ist er nicht nur schnell und sparsam, sondern glnzt auch mit 530 Kilogramm Zuladung. Auerdem hat der A8 als einziger Allradantrieb, was ihm Traktionsvorteile auf nassen Straen verschafft.

Ups: Der Zuziehmechanismus des Heckdeckels klemmt beim Audi.

Grer als bei den sehr hnlichen Fahreigenschaften der drei Diesel-Dampfer sind die Unterschiede bei den Ausstattungsmglichkeiten. So sind sie zwar optional mit Tr-Zuziehhilfen sowie elektrischen Heckdeckelbettigungen auszustatten, doch bei Audi lsst deren Funktion zu wnschen brig. Die Kofferraumklappe schliet und ffnet nur widerwillig. Steht der Wagen einseitig auf einem Bordstein, schliet sie berhaupt nicht. Das passt so gar nicht zum hohen Qualittsanspruch der Marke. Hier besteht dringender Verbesserungsbedarf.

Empfehlenswert ist fr alle drei Modelle der adaptive Tempomat, der den Abstand zum Vordermann automatisch reguliert. Mercedes geht noch einen Schritt weiter und bietet "Distronic Plus" an (2737 Euro). Das System bremst die S-Klasse bei Bedarf sogar bis zum Stillstand ab. Nachtsichtassistenten gibt es nur fr 745d und S 420 CDI. In Sachen Infotainment hat BMW einen Vorteil. Als einziger in der Luxusliga bieten die Mnchner einen automobilen Online-Zugang, mit dem man sich aktuelle dpa-Nachrichten, Brsenkurse, Wetterberichte, Kinoprogramme und Reisetipps in den 745d holen kann ein tolles Extra fr die verwhnte Kundschaft.

Das beste Gesamtkonzept allerdings bietet einmal mehr der Luxus-Diesel aus Stuttgart. Daran hat sich also nichts gendert. Schon im ersten AUTO BILD-Vergleichstest 2001 siegte der Mercedes. Damals hatte er brigens den strksten Motor: 250 PS und 560 Newtonmeter. Aus heutiger Sicht fast schon etwas schwchlich. Und das Wettrsten geht weiter. Audis Q7 luft schon mit dem 500 PS starken V12-TDI in der Erprobung, und es drfte nur eine Frage der Zeit sein, bis er auch im A8 auftauchen wird.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jrg Maltzan:

Gravierende Schwchen zeigt keiner der Luxus-Diesel. Bis auf Mercedes. Ausgerechnet der Sieger stolpert ber eine viel zu geringe Zuladung. Hier zeigt sich die Kehrseite einer Vollausstattung die wiegt eben viel. Ansonsten bleibt als wichtigste Erkenntnis: Diese Autos machen die durstigen Benziner berflssig. Ihr Geruschniveau ist hnlich niedrig, Spurtvermgen und vor allem Elastizitt ebenbrtig. Auf wen die Wahl fllt, ist letztlich Geschmacksache. Einzig der nicht mehr taufrische BMW verliert etwas den Anschluss.

Autor: Jrg Maltzan

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