Vaneo, Kangoo und Berlingo im Vergleich

Autos zum Leben: Mercedes Vaneo, Renault Kangoo und Citroën Berlingo Autos zum Leben: Mercedes Vaneo, Renault Kangoo und Citroën Berlingo

Vaneo, Kangoo und Berlingo im Vergleich

— 11.10.2002

Autos zum Leben

Sie sind echte Originale unter den Vans und bieten Platz satt: Renault Kangoo, Mercedes Vaneo, Citroën Berlingo. Ihr Motto: Schöner wohnen auf Rädern.

Man muss ja nicht gleich einziehen ...

"Wohnst du noch, oder lebst du schon?" Die Frage, mit der Ikea uns neuerdings verwirrt, passt bestens auch zum Thema Auto: "Zwängst du dich noch in Limousine oder Schrägheck? Oder lebst du schon in Kangoo, Vaneo oder Berlingo?"

Denn Renault, Mercedes und Citroën haben Platz. Platz zum Durchatmen, zum Toben oder einfach nur zum entspannten Sitzen, je nach Lebensalter. Man muss ja nicht gleich einziehen. Könnte aber – siehe Foto. Erfunden hat diese Art von Auto Citroën. Und das, obwohl die Marke bis vor kurzem stets als halb tot galt. Doch mit dem Berlingo und dem Zwilling Peugeot Partner gelang den Franzosen 1996 ein großer Wurf. Aber, auch wieder typisch Citroën, die schlampigen Genies hatten mal eben eine hintere Tür vergessen. Die gab es erst ab Frühjahr 1999.

Da war der Renault Kangoo cleverer. Als er 1997 startete, besaß er nicht nur von Anfang an eine praktische Schiebetür, sondern verzauberte die Leute vor allem mit seinem Lausbubencharme. Er sieht aus wie ein Postauto, das nur gute Nachrichten bringt (erinnert er nicht irgendwie an den Fridolin?), und übertraf das Zwillingspaar Berlingo/Partner auch mit dem Witz seiner fröhlich-rustikalen Inneneinrichtung.

Massivhaus statt Pappbungalow

Auf solch verspielten Übermut lässt sich Mercedes-Benz natürlich nicht ein. Hier wird ernsthaft gearbeitet. Wenn also ein Kastenwagen, dann der beste. Und auch wenn Mercedes trompetet, dass der Vaneo ein Kompakt-Van und sonst gar nichts ist, passt er hier bestens. Mit Abmessungen, Platzangebot und Motorleistung. Vom Design schweigen wir auch an dieser Stelle konsequent, über den Preis allerdings reden wir noch.

Jedenfalls, das war klar, hat Mercedes-Benz dann 1991 erst mal diese ganze Art von Auto neu erfunden. Die Karosserie des Vaneo zum Beispiel ist unvergleichlich steifer als die der beiden Franzosen. Unerschütterlich wie ein Massivhaus auf Rädern bewegt sich der Vaneo auch über Feldwege, während sich Kangoo und Berlingo auf Stolperstrecken verwinden wie ein Pappbungalow im Herbststurm.

Natürlich haben die Mercedes-Mannen, wir ahnten es, auch das Thema Variabilität gründlich aufgearbeitet. Also faltet sich im Vaneo die geteilte Rückbank mit der Unterstützung von Gasdruckfedern und lässt sich bequem ausbauen. Also ist, wenn auch gegen Aufpreis (186 Euro), der Beifahrersitz klapp- und ausbaubar. Also gibt es einen ausziehbaren Laderaumboden (406 Euro) und allerlei Ausstattungspakete, die Bike, Snow und Surf heißen und Fahrrad, Ski und Brett anständig unterbringen. Ach, und natürlich laufen die Schiebetüren viel besser in der Führung und schließen satter als bei Kangoo und Berlingo.

Gemütlichkeit als Teil des Konzepts

Aber so ist das im Leben: Der Klassenstreber kann noch so fleißig sein, manchmal sind die anderen dafür kreativer. Die Ladeluken am Renault-Dach zum Beispiel oder, noch besser, das Modutop-System im Citroën, mit Staufächern, Lüftungsdüsen und getönten Scheiben, bereiten einfach ein Riesenvergnügen. Sie müssen mal die Knirpse erleben, wenn sie ihre Plüschtiere und Gameboys in den Dachluken verstauen und dabei so tun, als bestiegen sie gerade routinemäßig den Linienflug nach Toronto.

Jetzt aber keine falschen Erwartungen, natürlich startet keiner der drei auch nur annähernd wie ein Jet. Sie lassen es gemütlich angehen, das liegt ja in der Natur ihres Konzepts. Geschwindigkeiten über Tempo 150 sollte man deshalb für die Reiseplanung gar nicht ernsthaft in Erwägung ziehen. Der Mercedes mit seinen 1,6 Litern Hubraum und den 82 PS scheint nominell noch etwas im Vorteil, wiegt mit 1330 Kilo aber auch am meisten. So bleibt er brav und unauffällig, mit Abstand immerhin am leisesten.

ESP hat nur der Vaneo an Bord

Den frischesten und lebendigsten Eindruck macht der kleine 1,2-Liter mit 75 PS im Renault. Der hat mit 1085 Kilo am wenigsten zu schleppen, muss sich aber trotzdem ganz schön ins Zeug legen und höher drehen als die beiden anderen. Wie der knurrige, zähe und durstige Citroën – 1,4-Liter, 75 PS – lärmt er bei hohen Drehzahlen allerdings gewaltig.

Der Berlingo wirkt inzwischen auch mit seinem schaukelig-schwammigen Fahrwerk nicht mehr ganz zeitgemäß, die Ablösung steht deshalb bereit. Der Kangoo fährt sich da viel handlicher. Und gerade im Vergleich mit dem leichtfüßigen Renault bewegt sich der Vaneo eher steifbeinig und unbeholfen. Immerhin wacht hier ein aufmerksames und sanft regelndes ESP (Serie). Klar, so hatten wir das von Mercedes erwartet.

Genauso erwartungsgemäß liegt der Vaneo auch mit Riesenabstand beim Preis vorn: Der Trend, wohlgemerkt das Einstiegsmodell der Baureihe, steht mit 19.349 Euro in der Liste. Das sind stolze 5899 Euro mehr als beim Renault Kangoo 1.2 16V Expression für 13.450 Euro und immer noch 4859 Euro mehr als beim Citroën Berlingo 1.4 Spacelight für 14.490 Euro. Und dafür gibt es woanders ganze Wohnungseinrichtungen – bei Ikea zum Beispiel.

Fazit und Technische Daten

Fazit Als rollende Unterkunft empfehlen sich vor allem der Kangoo und der Vaneo, beide liegen am Ende gleichauf. Der Renault ist praktisch genauso groß und genauso flott wie der Vaneo, dazu einfach charmanter. Der Mercedes überzeugt vor allem mit seiner Perfektion und Fahrsicherheit. Aber es liegt eben eine Differenz von stattlichen 6000 Euro zwischen den beiden, nicht nur in dieser Klasse ist das eine Welt. Der Berlingo, mit Abstand der Älteste hier, fährt den beiden ein bisschen hinterher. Macht aber auch nichts, seine Ablösung steht schon bereit.

Kosten und Ausstattungen

Der Vaneo (19.349 Euro) kostet 4859 Euro mehr als der Berlingo und 5899 Euro mehr als der Kangoo. Nur der Mercedes bietet ESP (Serie).

Wertung und Endergebnis

Wir orientieren uns am Maßstab. Heißt: Das jeweils meistverkaufte Modell in Deutschland markiert in jedem der Wertungskapitel 100 Prozent. Für diesen Vergleich bedeutet das: Maß der Dinge bei den kleinen Kastenwagen ist der Renault Kangoo, hier mit dabei als 1.2 16V Expression. In den jeweiligen Kapiteln zeigt sich, ob der Mercedes Vaneo Trend und der Citroën Berlingo 1.4 Spacelight besser oder schlechter abschneiden als der Marktführer Renault Kangoo. So können Sie Ihren ganz persönlichen Favoriten küren.

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