Vectra Caravan, Passat Variant, Volvo V70

Opel Vectra Caravan V6 CDTI, VW Passat Variant V6 TDI, Volvo V70 D5 Opel Vectra Caravan V6 CDTI, VW Passat Variant V6 TDI, Volvo V70 D5

Vectra Caravan, Passat Variant, Volvo V70

— 02.12.2003

Der Caravan-Salon

Vorhang auf für drei große Kombis. Mit viel Platz und Dreiliter-Diesel greift der Vectra Caravan die etablierten Größen von VW und Volvo an.

Markenzeichen: hubraumstarke Diesel

Er ist wieder da. Nach längerer Kombi-Abstinenz bringt Opel wieder einen Lademeister in der Mittelklasse auf den Markt. Kein leichtes Erbe. Zum einen soll der Vectra Caravan die Nachfolge des vor zwei Jahren eingestellten Vorgängers antreten, zum anderen das schmerzliche Loch schließen, das der im Juni 2003 endgültig verabschiedete Omega Caravan hinterlassen hat.

Und als sei dieser Spagat nicht genug, erwartet Opel-Chef Carl-Peter Forster auch noch wichtige Impulse für seinen Sanierungsplan Olympia von ihm. Der Caravan soll Kombi-Kunden ködern, ohne den Signum zu kannibalisieren. Seine Klientel sucht Opel daher woanders. In der 30.000-Euro-Region – bei Kaufinteressenten von VW Passat Variant und Volvo V70 zum Beispiel.

Salonfähig sind alle drei. Besonders wenn sie mit hubraumstarken Dieseln ausgerüstet sind. Opel bezieht seinen größten Selbstzünder in Japan. Das V6-Aggregat stammt von Isuzu und wird über das Gemeinschaftsunternehmen GM-Powertrain auch an Saab für den 9-5 sowie an Renault für Vel Satis und Espace geliefert.

Opel Vectra schwächelt beim Verbrauch

Nach dem morgendlichen Kaltstart lässt der CDTI-Dreiliter keinen Zweifel daran, dass er Öl statt Benzin verbrennt. Zunächst wummert er wie ein Fischkutter. Frühestens nach fünf Kilometern erreicht das Alutriebwerk Betriebstemperatur und nimmt sich akustisch mehr und mehr zurück. Mit warmem Motor rollt der Vectra ausgesprochen leise und souverän durch die Lande.

Kraft ist jederzeit genügend vorhanden. Ein sanfter Druck aufs Gaspedal, schon ziehen bis zu 370 Newtonmeter den 1,7-Tonner mächtig nach vorn. Nur bei Drehzahlen unter 1800/min ist der Vortrieb träge. Bei 140 km/h Autobahnreisetempo brummelt der 177-PS-Motor mit nur 2600/min leise vor sich hin. Motorisch erlaubt sich der Vectra nur eine nennenswerte Schwäche: Sein Verbrauch ist vergleichsweise hoch. 8,2 Liter im Durchschnitt liegen nicht nur fast einen Liter über der Werksangabe, sondern sind auch deutlich schlechter als die Werte seiner beiden Konkurrenten.

Gelungen dagegen ist die Fahrwerkabstimmung: straff, auf schlechten Straßen dennoch mit angenehmem Federungskomfort. In schnellen Wechselkurven indes wird der massige Karosserieaufbau unruhig. Bei der Präzision und Beherrschbarkeit bleibt der Opel hinter den dynamischen Qualitäten der Limousine zurück.

Eine sportliche Gangart mit dem Caravan einzuschlagen macht auch wegen des zuweilen hakeligen Getriebes keine wahre Freude. Besonders beim Runterschalten dürften die Gänge widerstandsfreier in Position rutschen. Stilistisch folgt der Vectra der Maxime, auf 4,82 mal 1,80 mal 1,50 Metern möglichst viel Ladekapazität unterzubringen.

Vorhaben gelungen: Der Vectra bietet den meisten umbauten Raum. Entsprechend fällt sein Äußeres aus: kantig statt kurvig, klotzig statt konturreich. Vor allem das Heck ist wuchtig; die hinteren Türen sind auffällig lang und ermöglichen einen bequemen Zutritt in den Fond. Dort und im Kofferraum setzt der Opel Maßstäbe. Keiner in diesem Trio hat mehr Platz. Nur zu schwer darf das Opel-Gepäck nicht sein: Mit 480 Kilo bietet er für einen großen Kombi zu wenig Zuladung.

Altmeister Passat Variant trumpft auf

Altmeister Passat verträgt 25 Kilo mehr – was immerhin einem großen, prall gefüllten Reisekoffer entspricht. Insgesamt präsentiert sich der Variant als sehr ausgereifter Kombi, dem kaum Schwächen nachzuweisen sind. So bieder die äußere Schale erscheinen mag: Die Verarbeitung ist gut, das Platzangebot großzügig, der Motor kultiviert.

Zwar läuft auch der V-Sechs nach dem Kaltstart zunächst rau, glänzt aber bald mit hoher Elastizität und nur sanft vernehmbarem Knurren. Sein Drehmomenthoch von 350 Nm liegt schon bei rekordverdächtigen 1500/min an. Entsprechend schaltfaul lässt sich der Volkswagen bewegen.

Dabei macht der Gangwechsel eigentlich viel Freude. Der griffige Hebel flutscht flink in jede gewünschte Gasse. Schon bei 50 km/h kann der fünfte Gang eingelegt werden, ohne dass der Passat störrisch ruckt. Wer so drehzahlarm unterwegs ist, verbraucht auf 100 Kilometer nicht viel mehr als fünf Liter Diesel. Auch auf der Autobahn zeigt das 2,5-Liter-Aggregat erfreulich zurückhaltende Trinksitten. Bei Tempo 140 liegen moderate 2600/min in der sechsten Fahrstufe an. Der Testverbrauch von 7,5 Litern ist für einen so starken Motor mehr als okay.

V70 taugt mehr als Langstreckengleiter

Noch sparsamer ist der Volvo. Kein Wunder: Gegenüber Vectra und Passat fehlt dem V70 ein Zylinder. Der Schwede erreicht mit dem fast gleich großen Fünfzylinder exakt die gleiche Leistung bei identischer Drehzahl wie VW mit dem V-Sechs. Doch der quer eingebaute 2,4-Liter-Reihenmotor läuft erheblich rustikaler: Ungeniert überträgt er Vibrationen ins Lenkrad und Kupplungspedal.

Ebenso zeigt das Fahrwerk mangelnde Manieren. Bodenwellen mit kurzer Frequenz bringen den Armaturenträger zum Zittern. Beim Beschleunigen aus engen Kurven kämpft die Vorderachse mit Traktionsproblemen. Und auch die teigige Lenkung kann nicht mit der deutschen Konkurrenz mithalten. Bei Ausweichhaken reagiert sie zu träge und verhärtet beim Konterschlag. Der Bremse fehlt ein klarer Druckpunkt, und sie ist schlecht dosierbar.

Der V70 taugt mehr als Langstreckengleiter. "960 Kilometer bis Tank leer", empfängt eine grüne Schrift links vom Lenkrad den Volvo-Fahrer. Das entspricht der Strecke Hamburg–Salzburg. Ein Bestwert. Der durstigere Vectra muss schon 230 Kilometer früher an die Zapfsäule. Ansonsten glänzt der V70 mit dem variabelsten Innenraum und individuellem Design. Wie Skulpturen ragen die Heckleuchten an den hinteren Dachpfosten in die Höhe. Die Seitenlinie ist ansehnlich konkav ausgeformt, und das Klacken der schönen Griffschalen klingt schön.

Kosten und Ausstattungen

Wer mit skandinavischen Möbeln, B&O-Radios, Elchwurst oder Saunazubehör handelt, kommt imagemäßig nicht am Volvo vorbei. Der V70 ist ein solides Auto, Passat und Vectra sind aber die besseren Wagen.

Technische Daten und Testwerte

Das Bremsverhalten aller drei Kandidaten ist gut. Obwohl mit 1760 Kilo Leergewicht am schwersten, bremst der Vectra am besten.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan Nein, Opels großer Kombi schafft es nicht bis ganz nach vorn. Stattdessen gewinnt ein Oldie den Vergleich. Für Autotester ist der Passat ein altes Modell, das bald abgelöst wird. Trotzdem: In der Kombi-Mittelklasse bleibt er das Maß der Dinge. An seinem Thron kann auch der neuere, größere, stärkere und billigere Vectra nicht rütteln. Dafür leistet er sich zu viele Schwächen bei Verbrauch, Versicherungstarif und Zuladung. Nur wenn er an diesen Stellen zulegt, kann er dem VW gefährlich werden. Dem Volvo bleibt nur der Exotenstatus. Ein Auto für Individualisten, die Formen über Fakten stellen.

Passat, Vectra oder V70 – Ihr Urteil

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für VW Passat Variant, Opel Vectra Caravan und Volvo V70. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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