Vectra gegen Mondeo und Passat

Opel Vectra 1.8 gegen Ford Mondeo 1.8 SCI und VW Passat 2.0 5V Opel Vectra 1.8 gegen Ford Mondeo 1.8 SCI und VW Passat 2.0 5V

Vectra gegen Mondeo und Passat

— 16.12.2003

Der deutsche Klassiker

Opel gegen Ford und VW: der klassische Dreikampf in der Mittelklasse. Jetzt ist es wieder so weit: Fährt der frische Mondeo an die Spitze?

Nie waren die drei wirklich trendy

Warum lieben wir Deutschen Klassiker? Klassiker – das Wort klingt so vertraut wie das Rotieren unserer Waschmaschine. Frei von jeder bösen Überraschung. Vielleicht fahren wir deshalb so gerne Mondeo, Vectra und Passat, weil wir vor dem Einsteigen schon wissen, was uns im Cockpit erwartet.

Nie waren die drei Stufenhecks wirklich trendy, darum wirken sie auch nach über 30 Jahren klassisch-modern – eine Eigenschaft, die sich die Limousinen mit den beliebteren Kombi-Varianten teilen. Ein echter Klassiker wird eben immer wieder gespielt: VW verkaufte in diesem Jahr (bis Oktober) 91.774 Passat, was in der Mittelklasse einem Marktanteil von 15,7 Prozent entspricht. Zugleich wurden 37.761 Mondeo (6,5 Prozent) und 44.028 Vectra (7,5 Prozent) zugelassen.

Jetzt haben die Autohersteller ihre Dauerbrenner neu interpretiert. Bei Ford änderten die Macher nicht nur den Inhalt ihres beliebten Stücks, sondern arbeiteten auch an der Maske. Glänzend, liebes Publikum! Chrom, wohin der Fahrer guckt und greift: am Kühlergrill, an der Heckklappe, an den Türgriffen.

Glänzendes Mondeo-Fahrwerk

Eine blitzsaubere Vorstellung liefert auch das Fahrwerk ab. Straff und trotzdem ausgewogen federnd, führt der Mondeo in der Mittelklasse Regie, als wolle er lieber einen Sport- statt des angekündigten Familienfilms drehen. Früher hätten wir an dieser Stelle ESP vermisst, den gelifteten Mondeo begleitet das elektronische Stabilitätsprogramm nun endlich in Serie.

Ford-Schritte machte auch die Motorenpalette. Das klassische Diesel- und Benzinerangebot ergänzt der "Duratec SCi"-Antrieb (Smart Charge injection), ein 1,8-Liter-Benziner, der den Kraftstoff mit einem Druck von 120 Bar (FSI-Motoren von VW: bis zu 110 Bar) direkt in die Brennräume spritzt, statt den Umweg über ein Ansaugrohr zu nehmen.

Sehr leise entwickeln 130 PS angenehme Kräfte, um den 1445 Kilogramm schweren Mondeo flott vorwärts zu bewegen. Dabei verbraucht der Benzin-Direkteinspritzer im Schnitt nur 8,5 Liter, kann aber auch im Schongang mit sechs Litern gefahren werden. Wegen des sehr lang übersetzten sechsten Gangs muss der Fahrer öfter die gut sortierten Gänge bedienen. Beim Überholen sollte der Ford-Fahrer lieber einen Gang runterschalten, sonst zieht sich das Manöver zäh wie ein Film mit Überlänge (24,5 Sekunden von 80 auf 120 km/h im 6. Gang). Das von uns getestete Sondermodell Viva (130 PS) kostet 24.250 Euro, 125 Euro mehr als der 2,0-Liter mit 145 PS – ein faires Angebot.

Preisbrecher Opel Vectra

Der Preisbrecher ist aber der Opel (21.745 Euro). Sein Vierzylinder stammt aus dem Pool des Gemeinschaftsunternehmens GM-Powertrain, das den 16-Ventiler auch an Saab für den 9-3 liefert. Ausgesprochen leise fährt der Vectra durch Stadt und Land. Motorisch lässt es der Opel niemals krachen, sondern punktet durch seinen sanften, vibrationsarmen Antrieb und die gelungene Fahrwerkabstimmung: straff, auf Rumpelpisten dennoch angenehm federnd.

Mit den elektrisch verstellbaren Sitzen (1500 Euro Aufpreis) bringen sich die Cockpit-Passagiere in eine angenehme Sitzposition, wobei der Vectra mit seinen Verstellmöglichkeiten so flexibel reagiert wie ein ultramoderner Zahnarztstuhl: Auf Wunsch klappt eine unterstützende Beinauflage aus, der Sitz lässt sich so weit zurückfahren, dass die Füße dem Gaspedal zur Verabschiedung winken könnten.

Ewig junger VW Passat

Mehr Platz im Cockpit bietet nur noch der Passat, dessen Lehne leider immer noch mit Verstellrad bewegt wird, das zwischen Tür und Fahrersitz schlecht zu erreichen ist. Ansonsten merkt man der VW-Limousine das Alter nicht an, weil die Wolfsburger ihr Mittelklasse-Modell über Jahre gut gepflegt haben: Zuletzt erhielt er serienmäßig einen Bremsassistent, Klimaanlage, den 130-PS-5V-Motor, und zum Jahresende steht noch ein Mini-Facelift an, bevor der Passat übernächstes Jahr dann endgültig vom neuen Modell mit Quermotor abgelöst wird.

Dieser Zweiliter-Vierzylinder schiebt den braven Fünftürer kraftvoll nach vorn, bei mittleren Drehzahlen dann auch mit rauem Bass. Gerne schlägt der Fahrer mit dem Schalthebel den Takt dazu, denn bereitwillig flutscht der griffige Knüppel in alle fünf Ecken. Auf der Autobahn zeigt der Passat bei Vollgas seine Arroganz: Mit einer unverschämten Selbstverständlichkeit genehmigt er sich bis zu 14,7 Liter – das muss kein Fahrer einfach schlucken ... Im Schnitt reichen dann 9,2 Liter, immerhin noch 0,5 bis 0,7 Liter mehr, als sich Vectra und Mondeo gönnen.

Diesen Schönheitsfehler bügelt auch das komfortable Fahrwerk nicht einfach aus. Die Lenkung könnte VW noch eine Spur direkter auslegen, dafür lässt sich der Passat leicht in Kurven zirkeln. Das gutmütige Fahrverhalten des Passat setzte bislang Maßstäbe in der Mittelklasse, jetzt kommt der Mondeo mit neuem Schutzpatron ESP und toppt den Wolfsburger durch eine bessere Lenkung und das knackigere Fahrwerk. Muss der deutsche Klassiker deswegen umgeschrieben werden? Blicken wir zurück: 1987 siegte bei uns der Passat vor Sierra und Ascona. Und heute? Ist es kaum anders. Das Drama nimmt immer den gleichen Ausgang. Und so siegt am Ende wieder der Passat.

Technische Daten und Testwerte

Unglaublicher Mondeo: Der Ford steht nach nur 36,6 Metern! Und auch die Werte des Passat sind passabel (38,2 Meter/38,9 Meter). Aber was ist mit dem Vectra los? 40,9 Meter – das ist zu viel.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko Der deutsche Klassiker mit klassischem Ausgang: Sieg für den Passat. Grund: behutsame, aber wirkungsvolle Modellpflege über die Jahre. So reifte der Wolfsburger zum echten Evergreen. Nicht wirklich dominant in einem Punkt, dafür ausgewogen wie kein anderer. Da kann er es sich sogar leisten, im Kostenkapitel Buh-Rufe zu kassieren. Auf Platz zwei fährt der ebenfalls betagte Mondeo, dessen Facelift ins Schwarze getroffen hat. Fahrwerk, Motor und Qualität stimmen jetzt auf den Punkt, ihm verderben ärgerliche Kleinigkeiten (Wendekreis, Wartungskosten) den Sieg. Und der Vectra? Er stolpert über den müden Motor und die schwache Bremse, ist für Spar-Füchse aber der Preis-Leistungs-Sieger.

Passat, Mondeo oder Vectra – Ihr Urteil

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Passat, Mondeo und Vectra. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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