Verbraucherrecht

Rückruf

Verbraucherrecht

— 25.03.2002

Was tun bei Rückruf?

Wenn Autohersteller nachbessern müssen, können die Kunden nur hoffen: auf Kulanz.

Rückrufe kommen immer öfter

Vor zwei Wochen erwischte es die Besitzer einer Mercedes A-Klasse. Mercedes rief den kleinen Benz zurück in die Werkstätten. Grund: mögliche Undichtigkeiten am Bremszylinder. So langsam kommt der Rückruf in Mode. Denn der Fall A-Klasse ist keine Ausnahme. Allein in den ersten sechs Wochen dieses Jahres mussten bereits zehn Autohersteller ihre Kunden anschreiben und in die Werkstatt zum Nachbessern bitten. Im Jahr 2000 waren es insgesamt fast 100 Rückrufe.

Aus Imagegründen und wegen möglicher Haftungsansprüche schlagen Hersteller schnell Alarm. Denn durch das Produktsicherheitsgesetz kann das Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg theoretisch einen Hersteller sogar zum Rückruf zwingen. "Das ist möglich, wenn sicherheitsrelevante Fahrzeugteile wie Bremsen und Lenkung betroffen sind", sagt KBA-Sprecherin Angela Bartholmae. Dann werden alle Halter angeschrieben. Wer sich nicht in der Werkstatt meldet, kriegt eine zweite Aufforderung. Grundsatz: Je gefährlicher der Mangel, umso deutlicher muss der Hersteller auch in Presse, Radio und Fernsehen informieren.

Harmlosere Produktmängel hängen die Hersteller dafür nicht so gern an die große Glocke. Zwar räumt BMW bei der aktuellen 3er-Reihe ein, dass die Heizung streiken könnte. Doch sicherheitsrelevant sind kalte Finger natürlich nicht. Statt eines teuren Rückrufs und Tauschs aller Thermostate (immerhin eine halbe Million) bekommen nur die Kunden kostenlosen Ersatz, die von sich aus frierend den Weg in die Werkstatt antreten.

Millionenklagen sind nicht möglich

Und die müssen fast noch dankbar sein, dass die Heizung umsonst instand gesetzt wird. "Unsere Forderung nach einem grundsätzlich kostenlosen Austausch beim Rückruf ist bisher nicht rechtlich festgelegt", sagt ADAC-Jurist Ulrich May. Rechtlich gesehen hat der Kunde außerhalb der Garantiezeit keinen Anspruch auf Ersatz für fehlerhafte Teile des Herstellers. Kleiner Trost: Kein Autobauer hat bislang versucht, seine Kunden bei einem Rückruf auch noch zur Kasse zu bitten.

Doch schon Gebrauchtwagenkunden müssen zittern. Denn hat der Erstkäufer den Rückruf verschlafen und der Zweithandbesitzer kommt Jahre später endlich zur Markenwerkstatt, muss der Betroffene mehr denn je auf die Großzügigkeit des Herstellers hoffen. Auch einen Anspruch auf ein Ersatzfahrzeug hat der Kunde nicht. Selbst wenn das Auto zur Sicherheit gar nicht mehr bewegt werden dürfte - wer den Transport zur Werkstatt bezahlen müsste, blieb bisher ungeklärt. Und obwohl der Rückruf gesetzlich geregelt ist, gibt es keine Pflicht zur Teilnahme für den Autofahrer. Zwar gilt die Betriebserlaubnis weiter, aber Versicherungen könnten bei einem Unfall grobe Fahrlässigkeit unterstellen. Daher sollte besser niemand einen Rückruf ignorieren.

Schlimmster Fall: Auf dem Weg in die Werkstatt passiert ein Crash wegen des Materialfehlers. Haften für Schaden und Folgeschaden muss dann der Hersteller nach Produkthaftungsgesetz oder Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB). Da das deutsche Recht aber keine Bestrafungsfunktion wie in Amerika kennt, sind die dort üblichen Millionenklagen bei uns nicht möglich.

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