Vergleich 30.000-Euro-Allradler
Äpfel & Birnen
Fünf herrlich unterschiedliche Kandidaten treten gegeneinander an. Zwei Dinge haben Dodge Nitro, Land Rover Defender, Mitsubishi L200, Skoda Octavia Scout und der VW Tiguan gemeinsam: Den Preis von 30.000 Euro und Allradantrieb.
Ja, sind wir Redakteure denn noch zu retten? Fünf derart unterschiedliche Autos in einen Vergleich zu packen — das sieht nach grobem Unfug aus. Und das ist es eigentlich auch. Aber wir wollten zeigen, welche höchst unterschiedliche Charaktere man sich einfangen kann, wenn man einfach nur den Preis von rund 30.000 Euro als Kriterium nimmt — und selbstverständlich den Allradantrieb. Der deutsche
VW Tiguan 2.0 TDI steht dabei für den modernen Geländegänger: sparsam, sicher, flott, praktisch und unterhaltsgünstig. Der
Dodge Nitro macht vor allem durch seine Optik auf sich aufmerksam: viel Ami-Blech fürs Geld, gezähmt von einem wirtschaftlichen Dieselmotor. Noch mehr Auto zum gleichen Preis plus rustikale Ladepritsche versprechen die Dritte-Welt-Pick-ups, hier vertreten durch den technisch modernsten Kleinlaster auf dem deutschen Markt, den
Mitsubishi L200. Ein Japaner aus Thailand. Viel Tempo bietet der
Octavia Scout der tschechischen VW-Tochter
Skoda. Ein 160 PS starker Turbobenziner treibt den höhergelegten Kombi an.
Land Rover und Dodge setzen auf kantige Formen
Gelände-Urgestein: Den rustikalen Land Rover Defender kennt fast jeder.
Alles, nur kein Tempo, ist dagegen die Devise des ehrwürdigen
Land Rover Defender. In unserem 30.000-Euro-Vergleich tritt ein kurzer 90 an, um die Fahne der klassischen Geländewagen hochzuhalten. Mit klassischen Formen spielt auch der
Nitro der Chrysler-Tochter Dodge. Gebaut wird er in der traditionellen Willys-Overland-Jeep-Fabrik in
Toledo im US-Bundesstaat Ohio. Verkauft wird der Dodge erst seit 2007. Er teilt sich die technische Basis mit dem aktuellen
Jeep Cherokee der dritten Generation — ganz modern also. Dass der Amerikaner dennoch reichlich rustikal wirkt, liegt an seinem wuchtigen Auftritt, aber vor allem an seinem Motor: Es gibt ihn in Deutschland ausschließlich mit einem Turbodiesel, der 2,8 Liter Hubraum auf nur vier Zylinder aufteilt. Der Motor stammt vom italienischen Dieselmotorenwerk VM Motori in Cento. Er läuft rau und laut. Zudem verärgert er mit seinem trägen Ansprechen auf Gaspedalbewegungen. Seine 177 PS sind spürbar, aber man muss vor allem beim Anfahren auf sie warten. Wenig zeitgemäß ist das Konsumverhalten des Diesels. Trotz der drehzahlschonenden Auslegung der aufpreisprichtigen Getriebeautomatik verbrauchte der Dodge im Test 10,7 Liter Diesel/100 km – und damit 3,5 Liter mehr als der in Fahrleistungen und Platzangebot sehr ähnliche
VW Tiguan 2.0 TDI.
Im Alltag verbreitet der Dodge gute Laune
Der wuchtige Frontspoiler und die geringe Bodenfreigheit begrenzen die Geländetauglichkeit des Nitro.
So rustikal wie der Motor wirkt auch der Allradantrieb des
Dodge Nitro. Wohl aus Preisgründen muss er mit einem simplen, starren Zuschaltallrad auskommen. Schon weil dieser stark negative Auswirkungen auf Bremswege und Lenkverhalten hat, sollte man ihn lediglich als Anfahrhilfe auf glatter Fahrbahn oder im Gelände nutzen. Zum Glück lässt er sich elektrisch per Drehknopf ebenso schnell wieder abschalten, wie man ihn eingerückt hat. Im Gelände fühlt sich der Nitro aber auch nicht richtig wohl. Die für ein Auto seiner Abstammung knappe Bodenfreiheit von 180 mm unter dem Vorderwagen und der extrem tief gezogene Frontspoiler bergen eine ständige Sorge vor Beschädigungen. Im Alltag indes verbreitet der Dodge gute Laune. Man lümmelt sich lässig auf den komfortabel wattierten Sitzen, betrachtet die Welt durch die Sehschlitz-Scheiben. Die Polster dämpfen die Stöße, die das Fahrwerk vor allem auf kurzen Unebenheiten zuweilen austeilt. Etwas Extrovertiertheit sollte man als Dodge-Fahrer mitbringen. Denn die auffällige Form ermuntert Passanten zu spontanen Reaktionen.
Welcher Allradler für 30.000 Euro am Ende das Rennen macht, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es hier als Download.
Martin Braun
Fazit
Der VW gewinnt, weil er den guten Kompromiss verkörpert. Er verliert bei Anhängelast und Geländetauglichkeit nicht zu viele Punkte gegenüber Land Rover und Mitsubishi Pick-up. Und er fährt sich ähnlich flott wie der schnelle Skoda. Schön, dass man auch für 30.000 Euro derart unterschiedliche Allradler bekommt: den altertümlichen Land Rover, den rustikalen Dodge, den rasanten Skoda, den belastbaren Mitsubishi-Pick-up.
Kommentare zum Artikel (54)
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Vor kurzem fuhr ich noch einen sehr alten Mazda, den ich mit 120 Tausend auf der Uhr 1997 erwarb und zuletzt einen Tachostand auf der Uhr von 330 Tausend hatte. Da kannste jeden Golf 2 in die Ecke stellen, das zu VW.
Wenn VW eine Langzeitqualtiät aufweisen könnte (ist ja nicht gewollt) wie ein Japaner, dann würde ich auch, wenn der Gebrauchtmarktpreis stimmen würde, vielleicht VW fahren. Aber bei diesen (Gebrauchtmarkt)-preisen gibt es besseres auf dem Markt.
In der Tat, wurden hier Äpfel mit Birnen verglichen.
Zum Thema Neiddebatte VW:
Wie sieht es denn mit der Langzeitqualität aus wenn ein Gebrauchtwagenkäufer einen ab 10 Jahren alten VW Tiguan (in ferner Zukunft) oder andere Modelle aus dem selben Konzern erwirbt ?
Ich selbst gehöre "NICHT" zu dieser Schicht, die sich solch ein Fahrzeug "NEU" leisten kann.
Richtig, wer eine Ladefläche und ein Arbeitstier braucht, wird mit einem Weichei-SUV namens Tiguan nichts anfangen. Derjenige, dem nicht der Sinn nach langweiliger Massenware steht, wird zum Nitro greifen. Nur der, der tatsächlich ins Gelände will oder muss, wird hier nicht fündig, denn der Defender ist wirklich eine Zumutung.
Gelungen ist er schon, der Bericht. Er ist eine Art Übersicht, welche unterschiedlichen allradgetriebenen Fahrzeuge (willkürlich ausgewählt) zum ähnlichen Preis derzeit auf dem deutschen Markt zur Verfügung stehen. Soweit so gut. Aber m. E. sind hierbei Platzierungen völlig fehl am Platz. Das sagt ja schon der Titel. Ich kann nun mal keine Birne als besten Apfel küren.
Aber, aber Herr Braun, seit wann ist denn der Tiguan ein Geländegänger! Ansonsten finde ich den Äpfelbirnenbericht ganz gelungen.