Vergleich 911, Cayman, GT2
— 29.05.2008(K)eine Frage der Leistung
Was macht einen Porsche aus? Woher kommt dieses einzigartige Gefühl? Auf der Suche nach Antworten hat AUTO BILD den Cayman, den 911 Carrera und den GT2 auf der Rennstrecke getestet.
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Der Cayman: Hat's zum 911er nicht gereicht?
Zündschloß links, griffiges Lenkrad, tolle Sitze und die solide Verarbeitung vertreiben sofort jeden Zweifel. Natürlich ist der Cayman ein echter Porsche. Im Stand kann er es mit einem 911 aufnehmen. Sein Cockpit ist fast identisch. Außerdem hat er eine Klappe und mehr Platz für Gepäck. Nach dem Starten ist auch die Motorfrage positiv: Sechszylinder, hinterm Fahrer, aber vor der Hinterachse. In den Kurven des Spreewaldrings liegt der Cayman daher wunderbar ruhig auf der Piste und ist exzellent zu dirigieren. Sogar Anfänger könnten sich problemlos auf sein Handling einstellen und werden schnell schneller, ohne dass es gefährlich wird. Genau das aber ist sein Manko: Ihm fehlt es an jenem Schuss Verwegenheit, die uns frühere 911-Generationen ins Gedächnis gebrannt haben. Der Normal-Cayman ist schlicht zu handzahm. Er ist nur ein Porsche light. Seine 245 PS drücken ordentlich, doch auf Geraden und in breiten Kurven dürfte mehr kommen. Dazu hemmt das lang übersetzte Fünfganggetriebe sein Temperament. So führt Porsche Cayman-Kunden zur nächsten Ausbaustufe. Motto: Wenn es für den 911 nicht reicht, dann aber wenigstens Cayman S. Der hat 295 PS, sechs Gänge, bringt gut Dampf – und mindestens 11.400 Euro mehr in die Porsche-Kasse.Der 911: Anfänger-Carrera oder Puristen-Porsche?
Wer vom Cayman in den Basis-Elfer umsteigt, kommt ins Grübeln. Wo ist der Unterschied? Warum trennen diese beiden Autos 32.249 Euro? Die perfekte Sitzposition, das Cockpit, der Blick auf die Kotflügel – das alles ist sehr ähnlich. Auch nach dem Anlassen unterscheidet die beiden nicht viel. Die Erleuchtung kommt erst in der zweiten Runde auf dem Spreewaldring. Besonders in den anspruchsvollen Wechselkurven entwickelt das Hinterteil bei ausgeschalteter Stabilisierungs-Elektronik (PSM) mehr Eigenleben. Wie in alten Tagen zeigt der 911 heftige Heckschwenks. Profis sprechen gern vom "hilfreichen Lastwechsel", Amateure von unlösbaren Lenkaufgaben. Also Finger weg von der PSM-Taste.ANZEIGE
Der GT2: Ferrari-Gegengift mit Suchtgefahr
Er sieht zwar aus wie ein 911, aber der GT2 ist ein anderes Auto. Dieser Über-Porsche ist mehr als doppelt so teuer wie der Carrera, hat einen Treibsatz von 530 PS im Heck und ist mindestens so selten wie ein Nichtschwimmer mit Bademeister-Ausbildung. Ihm gebührt eine tiefe Verneigung. Die deutsche Antwort auf Ferrari wirkt hervorragend als Gegengift auf die rote Influenza aus Italien. Dass er in 3,8 Sekunden auf 100 km/h schießt ist kaum zu glauben; die 11,6 auf 200 noch viel weniger. Und wie, bitteschön, schlägt sich ein 330-km/h-Supersportwagen auf einem winkeligen Rennkurs im Spreewald? Mit Streckenrekord natürlich! Mit 1,33 Minuten für 2,7 Kilometer ist er drei Sekunden schneller als der Carrera und sogar zehn gegenüber dem Cayman. Der GT2 basiert auf dem 911 Turbo, folgt aber jener eigenwilligen Logik, die nur Rennfahrer verstehen: Da 480 PS irgendwie nicht reichen, hat Porsche nochmal 50 PS zusätzlich eingeblasen, dafür das Gewicht reduziert und den Allrad-Antrieb weggelassen. Selbstverständlich ist der GT2 Porsche pur. Allerdings so pur, dass er Le Mans näher ist als dem öffentlichen Verkehr. Schon wenige Kilometer im Bi-Turbo-Ungeheuer über Landstraßen reichen und der Entschluß steht: Tausche diesen Straßen-Rennwagen gegen einen Porsche mit Federungskomfort.Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan
Welcher Porsche macht am meisten Spaß? Geld spielt keine Rolle. Was für ein Traumauftrag! Die Antwort ist aber schwieriger als geahnt. Die Vermutung "der Cayman reicht" stimmt nur so bedingt wie die Erwartung "aus dem GT2 willst Du nicht mehr raus". Alle drei machen ihre Sache sehr gut und sind echte Porsche. Für mich ganz persönlich ist es der Carrera. Er ist und bleibt das Original.| Fahrzeugdaten | Cayman | 911 Carrea | GT 2 |
|---|---|---|---|
| Motor/Zylinder | Boxer/6/Mitte längs | Boxer/6/hinten längs | Bi-Turbo, Boxer/6/hi. längs |
| Hubraum | 2687 cm³ | 3596 cm³ | 3600 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 180 (245)/6500 | 239 (325)/6800 | 390 (530)/6500 |
| Nm bei 1/min | 273/4600 | 370/4250 | 680/2200 |
| Vmax | 260 km/h | 285 km/h | 329 km/h |
| Getriebe | Fünfgang manuell | Sechsgang manuell | Sechsgang manuell |
| Bereifung | 205/55 - 235/50 ZR 17 Y | 235/35 - 295/30 ZR 19 Y | 235/35 - 325/30 ZR 19 Y |
| Radgröße | 6,5 - 8,0 x 17" | 8,0 - 11,0 x 19" | 8,5 - 11,0 x 19" |
| Abgas CO2 | 227 g/km | 266 g/km | 298 g/km |
| Verbrauch* | 13,8/6,8/9,3 l | 16,1/8,1/11,0 l | 18,8/8,9/12,5 l |
| Tankinhalt | 64 l/Super plus | 64 l/Super plus | 90 l/Super plus |
| Vorbeifahrgeräusch | 75 dB (A) | 74 dB (A) | 75 dB (A) |
| Grundpreis | 48.879 Euro | 81.128 Euro | 189.469 Euro |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km | |||
| Messwerte | Cayman | 911 Carrea | GT 2 |
|---|---|---|---|
| Beschleunigung | |||
| 0–100 km/h | 6,3 s | 5,3 s | 3,8 s |
| 0–200 km/h | 23,9 s | 19,1 s | 11,6 s |
| Elastizität | |||
| 80–120 km/h | 8,4 s (5. Gang) | 8,7 s (6. Gang) | 6,5 s (6. Gang) |
| Leergewicht/Zuladung | 1385/235 kg | 1530/280 kg | 1482/268 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. | 46/54 % | 38/62 % | 39/61 % |
| Wendekreis links/rechts | 11,2/11,1 m | 11,0/10,8 m | 11,0/11,0 m |
| Bremsweg | |||
| aus 100 km/h kalt | 37,0 m | 35,9 m | 34,3 m |
| aus 100 km/h warm | 36,8 m | 35,5 m | 34,3 m |
| Testverbrauch – CO2 | 10,7 l – 254 g/km | 11,8 l – 286 g/km | 14,3 l – 340 g/km |
| Reichweite | 601 km | 540 km | 630 km |
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