Vergleich A4/C-Klasse/3er

Vergleich A4/C-Klasse/3er

— 14.12.2007

Ein richtig großer Auftritt

Tusch, Bühne frei: Der neue Audi A4 ist da. Und im ersten Vergleich muss er gleich richtig ran. Gegen BMW 318d und Mercedes C 200 CDI wird der neue Star der Mittelklasse gesucht.

Am klassischen Stufenplan aller Hersteller kommen natürlich auch die klassischen Stufenhecks nicht vorbei: Bei jedem Modellwechsel werden sie ein Stück größer. So legten 3er-BMW und Mercedes C-Klasse zuletzt jeweils um fünf Zentimeter zu, Audi streckte seinen taufrischen A4 gleich um stattliche zwölf. Zum Gardemaß des alten A6 fehlen ihm nun nur noch zehn Zentimeter. Längenmäßig lässt der neue A4 seine Konkurrenten also schon mal klein aussehen. Schafft er sie auch technisch? Haben doch die beiden die Latte schon mal richtig hochgelegt. Der 3er wurde vor drei Jahren renoviert, bekam kürzlich das spritsparende Efficient-Dynamics-Paket spendiert. Und die C-Klasse ist so taufrisch, dass sich Passanten noch nach ihr umdrehen. Nun, in dieser Premiumklasse dürfen bei Einstiegspreisen von rund 30.000 Euro (Mercedes C 200 CDI ab 31.892, als Avantgarde sogar 34.010) die Erwartungen schon groß sein.

Dank neuer Motorlage gibt der A4 den neutralen Dynamiker

Die beiden klassischen Hecktriebler leisten 143 (BMW) und 136 (Mercedes) PS, der Audi orientiert sich genau an seinem bayerischen Landsmann. Beim Antrieb setzt der A4 natürlich auf Ingolstädter Tradition – seine Vorderräder ziehen die Fuhre. Aha, jetzt müsste also die Formel greifen, dass Frontmotor plus Frontantrieb plus viel PS ein Auto unhandlicher machen. Von wegen. Da der A4 den Motor nun etwas weiter hinten trägt, ist die Vorderachse weniger belastet als beim Vorgänger. Ergebnis: Der Neue wieselt nahezu neutral um die Ecken, gehorcht auch im Grenzbereich noch der sehr direkten Lenkung. So sehen Dynamiker aus. Die traditionell aber auch etwas weiter südlich gebaut werden. Der 318d kann prima mithalten. Und da an seinen Vorderrädern keine Antriebskräfte zerren, reagiert die Lenkung noch einen Deut williger auf die Armbewegungen des Fahrers. Nur die junge C-Klasse sieht in diesem Dreiervergleich etwas älter aus. Ihre Abstimmung ist bewusst komfortbetont ausgelegt. Der Wagen untersteuert früh, nimmt gemütlich jede Ecke, aber auch jeden sportlichen Ehrgeiz. Sollte der mal durchblitzen, wird er frühzeitig vom gut abgestimmten ESP eingebremst, das sich zwar wie bei den anderen abschalten lässt, im Ernstfall dann aber doch wieder ein greift. Beruhigend, falls der Knopf mal aus Versehen betätigt wird.

Endlich setzt auch Audi auf den kultivierten Common-Rail-Diesel

Endlich dieselt er kultiviert: Der Selbstzünder des neuen A4 setzt auf Common-Rail-Einspritzung.

Bei den Motoren lautet die neueste Nachricht: Endlich hat der Audi-Vierzylinder auch eine Common-Rail-Einspritzung. Bedeutet also gegenüber dem Pumpe-Düse-Vorgänger: Der Motor läuft hörbar leiser, die Kraft kommt gleichmäßiger und nicht mehr so überfallartig. Dank einer günstigen Abstufung des Sechsgang-Schaltgetriebes gewinnt der Audi die Antriebswertung auf Anhieb. Leise singend, begeistert der Motor mit Drehfreude und Elastizität. Lediglich beim Beschleunigen behält Konkurrent BMW die Niere vorn. Dann folgen Audi und Mercedes, der trotz des größten Hubraums hier die geringste Leistung hat und schwer an seinem Gewicht trägt. Er kommt mühsam aus dem Turboloch und ist obenrum auch kein Dynamiker. Immerhin liegt sein Verbrauch auf günstigem Audi-Niveau. Der etwas brummelige BMW ist aber noch über zehn Prozent sparsamer. Er ist nicht nur der Leichteste im Trio, sondern besitzt auch das pfiffige wie simple Efficient-Dynamics-Paket, das ab einer Aussentemperatur von drei Grad den Motor bei jedem Halt abstellt (bekommt der A4 ab 2008 auch) und die Batterie überwiegend im Schiebebetrieb lädt, nicht aber beim Beschleunigen.

Wohlan, treiben wir das Trio auf die Piste, simulieren Solo- und Wochenendfahrt. Im Audi sitzt es sich am besten, ausgeformte Sitzwülste sorgen für guten Seitenhalt. Etwas umständlich die Höhenverstellung mit den beiden Ratschen, und auch aus dem Fond kommen Klagen: Die Gäste falten sich mühsam rein und wieder heraus, sitzen tief und recht steil, es gibt kleine Ablagen nur in den Türen. Dafür ist eine Mittelarmlehne vorhanden, die Sitzlehne auch asymmetrisch umklappbar, was bei der Konkurrenz extra Geld kostet. Vorn verwirrt (zumindest den Autor) das viele Rotlicht der unzähligen Schalter, über die umständliche Klimaeinstellung wollen wir nicht schon wieder klagen. Zum Glück gibt es eine "Auto"-Taste, die Klimaanlage reagiert dann sogar auf die Sonneneinstrahlung. Auch ist der "Zündschlüssel" zum Einschieben gewöhnungsbedürftig und hakelt manchmal. Dafür hat der A4 mit Straßenschäden wenig Probleme: Die Federung gibt sich schluckfreudig, nur kurze Wellen teilt sie den Insassen schon mal trocken mit; der Geradeauslauf ist stoisch gut. Kein Wunder, der A4 hat den längsten Radstand.

Im BMW-Fond ist Holzklasse angesagt

Hinten nicht unbedingt Premium: Im BMW-Fond ist Holzklasse angesagt.

Die BMW-Sitze bieten vorn ebenfalls guten Seitenhalt. Als einziger Premium-Hersteller verzichten die Bayern auf den verstellbaren Gurtumlenk-Punkt an der B-Säule. Angeblich soll das kein Sicherheitsmanko sein. Ein Komfortverlust ist es allemal, wenn der Gurtverlauf Hals und Schulter nicht angepasst werden kann. Hinterbänkler sitzen gemütlich in zwei Kuhlen (der dritte Platz ist ohnehin nirgendwo reisetauglich), sonst aber ist Holzklasse angesagt: Ablagen in den Türen fehlen, Mittelarmlehne und Netze an den Vordersitzlehnen kosten Aufpreis, ebenso die geteilt umklappbare Rücksitzlehne. Beim Fahrkomfort stört der im Leerlauf und beim Stadtverkehr hörbar rauher laufende Diesel, auf der Autobahn verschwindet das Geräusch im Fahrtwind. Schluckfreudig geht auch die Federung mit den Insassen um, bleibt aber stets straff. Beim Mercedes hingegen stellt sich erst mal das gute alte "Willkommen daheim"-Gefühl ein. Alles ist traditionell-logisch und schnörkellos angebracht, auf den Sitzen hat sich schon Opa wohlgefühlt, Enkel freuen sich über die Ausformung. Nur die Kunststoff-Wüste auf der Armaturentafel, die sieht nicht nach "Premium" aus. Immerhin: Die Vorderstühle lassen sich serienmäßig elektrisch verstellen, lediglich in Längsrichtung muss der Fahrer handgreiflich werden.

Bei der Sicherheit ist der Mercedes nicht zu schlagen

Sicherer Gleiter: So gut wie die C-Klasse schützen die Konkurrenten die Passagiere nicht.

Die Rücksitze sind nicht so körpergerecht ausgeformt wie bei Audi und BMW, Mittelarmlehne und Umklappmöglichkeit fehlen beim Grundmodell. Das auf Komfort ausgelegte Fahrwerk lässt die C-Klasse in diesem Trio etwas behäbig wirken. Was aber durchaus positiv zu sehen ist, denn nicht jeder will ständig genauestens über den Fahrbahn-Zustand informiert werden. Beim Stichwort Sicherheit schlägt Mercedes uneinholbar zu, gewinnt dadurch das erste Test-Kapitel. Er sichert als Einziger die Beine des Fahrers mit einem Knieairbag, hat dynamische Kopfstützen (Audi will mit "Backguard" das Gleiche erreichen) und bietet eine Fahrlichtautomatik ebenfalls schon im Grundmodell an. Fast könnte man sagen: Irgendwoher muss der höhere Preis ja kommen. Doch dann fällt der Blick auf die Komfortausstattung: Da will Mercedes Geld fürs Radio haben, die beiden Konkurrenten bieten es serienmäßig an. Ein klarer Rückfall in alte Mager-Ausstattungszeiten.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz

Der neue Audi A4 fährt seinen Konkurrenten auf Anhieb davon. Den BMW schlägt er knapp, die junge C-Klasse aber hängt er deutlich ab. Das wird der schwäbischen Eiche ganz sicher nicht schmecken und riecht nach baldiger Verbesserung des C-Klasse-Rezepts. Der Dieselmotor gehört ebenso auf den Prüfstand wie die Preispolitik.
Fahrzeugdaten Audi BMW Mercedes
Motor Bauart/Zyl./Einbaul. R4, Turbo/v. längs R4, Turbo/v. längs R4, Turbo/v. längs
Ventile/Nockenw. 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenw.-Antrieb Zahnriemen Kette Kette
Hubraum 1968 cm³ 1995 cm³ 2148 cm³
kW (PS) bei 1/min 105 (143)/4200 105 (143)/4000 100 (136)/3800
Nm bei 1/min 320/1750 300/1750 270/1600
Vmax 215 km/h 210 km/h 215 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen v./h. Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Bereifung 225/50 R 17 Y 225/45 R 17 W 225/45 R 17 W
Radgröße 7,5 x 17“ 8 x 17“ 7,5 x 17“
Abgas CO2 144 g/km 123 g/km 160 g/km
Verbrauch* 7,5/4,3/5,5 l 5,7/4,1/4,7 l 8,2/4,9/6,1 l
Tankinhalt 70 l/Diesel 61 l/Diesel 66 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 72 db(A) 70 db(A) 74 db(A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1700/750 kg 1600/745 kg 1800/750 kg
Kofferraum 480 l 460 l 475 l
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Preise/Ausstattung Audi BMW Mercedes
Modell A4 2.0 TDI Ambit. 318d C 200 CDI Avantg.
Airbags Fahrer/Beif./Seiten v. S/S/S S/S/S S/S/S
Kopfairbags v./. S/S S/S S/S
Klimaanlage/ -automatik –/S S/770 € –/S
Automatik N 2160 € 2178 €
elektr. Schiebedach 980 € 980 € 1214 €
Metalliclack 770 € 770 € 881 €
Bi-Xenon-Licht 975 € 910 € 994 €
CD-Radio S S 893 €
Navigation ab 1745 € ab 2300 € ab 1856 €
Grundpreis 32.350 € 31.520 €* 34.010 €
S = Serie, N = nicht lieferbar, * inkl. 17-Zoll-Bereifung 1570 €
Kosten/Garantien Audi BMW Mercedes
Abgasnorm Euro 4 Euro 4 Euro 4
Steuer pro Jahr 308 € 308 € 339 €
Typklassen HPF/VK/TK 18/21/24 18/22/24 18/25/23
Werkstattintervalle n. Anzeige/
2 Jahre
n. Anzeige/
2 Jahre
Anzeige/
2 Jahre
Kosten Ölwechsel/Inspektion 170/450 € 170/420 € 180/500 €
Garantie/ Gewährleistung Garantie Gewährleistung Garantie
Technik/ km-Begrenzung 2 Jahre/ohne 2 Jahre/ohne 2 Jahre/ohne
Garantie gegen Durchrostung 12 Jahre 12 Jahre 30 Jahre
Mobilitätsgarantie unbegrenzt 5 Jahre 30 Jahre
Messwerte Audi BMW Mercedes
Beschleunigung
0–50 km/h 3,1 s 3,1 s 3,4 s
0–100 km/h 9,9 s 9,4 s 10,3 s
0–130 km/h 16,6 s 15,6 s 17,6 s
Elastizität
60–100 km/h 6,8 s (4. Gang) 8,0 s (4. Gang) 9,1 s (4. Gang)
80–120 km/h 12,5 s (6. Gang) 17,1 s (6. Gang) 16,8 s (6. Gang)
Leergewicht/ Zuladung 1590/420 kg 1528/422 kg 1610/435 kg
Gewichtsverteilung v./h. 58/42 % 50/50 % 53/47 %
Wendekreis links/rechts 11,7/11,7 m 10,9/10,9 m 10,7/10,8 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,2 m 36,4 m 36,8 m
aus 100 km/h warm 35,8m 36,3 m 37,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 db (A) 59 db (A) 59 db (A)
bei 100 km/h 65 db (A) 65 db (A) 66 db (A)
bei 130 km/h 69 db (A) 69 db (A) 68 db (A)
Testverbrauch – CO2 6,6 l –172 g/km 5,9 l – 154 g/km 6,6 l – 172 g/km
Reichweite 980 km 1030 km 1000 km
Die Wertung Punkte max. Audi BMW Mercedes
Karosserie
Platzangebot 30 24 26 23
Kofferraum/Variabilität 20 12 13 13
Zuladung (Anhängelast) 20 15 15 16
Sitze/Sitzposition 30 28 27 27
Raumgefühl/Rundumsicht 20 17 16 17
Ausstattung/Bedienbarkeit 30 27 26 26
Sicherheitsausstattung 30 20 20 25
Qualitätseindruck/ Materialien 20 18 18 16
Zwischenergebnis 200 161 161 163
Antrieb/Fahrwerk
Motoreigenschaften 20 18 17 15
Beschleunigung/Vmax 30 22 21 21
Elastizität 20 13 10 10
Fahrverhalten 30 29 29 28
Fahrgeräusche 10 10 9 8
Fahrkomfort 20 17 15 16
Getriebe/Schaltung 20 18 17 16
Lenkung/Wendekreis 20 16 18 17
Bremsen 30 23 22 20
Zwischenergebnis 200 166 158 151
Kosten
Steuer/Versicherung 20 17 17 15
Verbrauch/Umwelt 40 38 40 38
Garantie 20 11 9 13
Wartung 20 16 17 17
Aufpreisgestaltung 10 7 7 6
Wiederverkauf* 10 9 9 9
Grundpreis 80 54 56 49
Zwischenergebnis 200 152 155 147
* ermittelt von Bähr & Fess Forecasts, Saarbrücken
Gesamtpunktzahl 600 479 474 461
Platzierung 1. 2.** 3.
** Preis-Leistungs-Sieger

Autor: Diether Rodatz

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