Vergleich Artega GT/Porsche Cayman S

Vergleich Artega GT/Porsche Cayman S

— 26.11.2009

Was kann der Porsche aus Paderborn?

Er ist schön, er ist stark, er ist exklusiv. Und er will eine Alternative zum Porsche Cayman S sein. Kann der Artega GT halten, was die scharfe Form verspricht? Zwei Fahrspaß-Garanten im Vergleichstest.

So viel steht fest: Artega wirkt. Als ich nach eintägigem Genuss wieder ins Freie stolpere, rast mein Puls. Ich vibriere wie ein Schlagbohrer, die Zunge klebt am Gaumen wie eine Briefmarke, meine Augen oszillieren wie ... wie Dinge eben, die stark oszillieren – Ozelote vielleicht. Sie merken, die Droge, die uns Klaus Dieter Frers aus dem friedlichen Delbrück ins Haus schickte, geht unter die Haut. Erst macht sie munter, dann macht sie schlapp. Artega? Genau, der neue Sportwagen aus dem Westfälischen. Es ist der in Polyurethan gegossene Traum eines Autonarren. Und für die Realisierung holte er sich klugerweise verdiente Männer der Praxis. Ergebnis: eine Mittelmotor-Rakete auf Porsche-Cayman-Niveau (auch im Preis), aber leichter, kürzer, extremer. Und aufregender: Frers Sprössling steht da wie ein zu heiß gewaschener Lamborghini. Straffe Haut, aggressive Konturen, darunter ein Alurahmen und hinten ein Stahlgerüst für den Treibsatz, den Frers bei VW einkauft. Er stammt mitsamt DSG-Getriebe aus dem Passat.

Hier gibt es alle News und Tests zum Porsche Cayman

Wehe, wenn er losgelassen: Ohne ESP wird der Artega GT zum giftigen Kreisel.

Lacht da jemand? Verständlich, aber verfrüht, denn es ist der V6. Ein Direkteinspritzer, der 300 PS aus 3,6 Litern schöpft. Der Cayman S, mit dem sich der Artega messen muss, schafft 320 PS, hat aber 106 Kilo mehr auf den Rippen. Wer Komfort schätzt, ist im Cayman besser aufgehoben. Reinzukommen ist nicht einfach, denn im Artega sitzt es sich noch eine halbe Etage tiefer als im Porsche. Der Platz reicht zum Beherbergen zweier mittelgroßer Menschen, für Großgewachsene wird's eng, und das linke Fahrerbein muss in angewinkelter Position verstaut werden. Koffer finden hinter den Sitzen und im Bug Platz, vorausgesetzt, sie werden vorher durch die Mangel gedreht – wer etwas Raumkomfort nicht missen möchte, ist im Cayman zweifellos besser aufgehoben.

Zum ersten Fahrbericht des Artega GT

Das Artega-Cockpit ist sauber verarbeitet, aber eng. Der Bildschirm ist schwer zu entziffern.

Auch sonst erfordert die Exklusivität des Artega (geplant sind 500 Autos pro Jahr) Tribute, die sich ein Großserienauto nicht erlauben könnte: Die Scheiben neigen zum Beschlagen, das Wischerfeld hat Gucklochcharakter, die Sensortasten in Wagenmitte sind am besten vom Fußraum aus zu bedienen, und die Instrumentierung –teils analog, teils semianalog auf einem Bildschirm – ist schwer zu entziffern. Immerhin strahlt die belederte Kanzel eine Gediegenheit aus, die bei Exoten dieser Art die Ausnahme ist. Erste Lockerungsübungen mit dem Gasfuß, und der Auspuff entlässt unverzüglich jene Töne, die Sportwagenfreunde als Musik empfinden. Passat? Von wegen – ich komme mir vor wie in der Lautsprecherbox von AC/DC.

Keine Frage: Der Sound ist gut gemacht und gut gemeint, aber vor mir liegen 200 Kilometer auf der Autobahn. Und selbst bei sachter Gaspedalbehandlung tobt hinten eine Furie. In Tateinheit mit einem Zementmischer, denn der sonst so sanft schnurrende V6 vibriert hier wie auf Beton gelagert. Kein Langstrecken-GT, dieser Artega, so viel ist sicher, obgleich seine Federung durchaus Nachsicht übt. Er ist ein hartes Auto, aber eben kein zu hartes. Der V6 aus dem braven Passat klingt im Artega wie ein Vollblut Auch Leistung ist in ausreichendem Maß vorhanden. Etwaige Verfolger (so fern nicht gerade ein Cayman S) schüttelt der Artega meist mühelos ab, 273 km/h liegen im Bereich des Möglichen.

Wie sich der Konkurrent Porsche Cayman S im Test schlägt, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Testbericht mit allen Technik-Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
FAHRZEUGDATEN ARTEGA PORSCHE
Motor Bauart/Zylinder/Einbaulage V6, Mittelmotor, hinten quer Sechszylinder, Boxer, Mittelmotor hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 3597 cm³ 3436 cm³
kW (PS) bei U/min 220 (300)/6600 235 (320)/7200
Nm bei U/min 350/2500 370/4750
Höchstgeschwindigkeit 273 km/h 275 km/h
Getriebe 6-Gang-DSG 7-Gang-PDK
Antrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 235/35 –
305/30 ZR 19 Y
235/35 –
265/35 ZR 19 Y
Radgröße 8–10,5 x 19" 8–9,5 x 19"
Abgas CO2 211 g/km 221 g/km
Verbrauch* 13,0/7,2/8,9 l 14,1/6,6/9,4 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 68 l/Super plus 64 l/Super plus
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 74 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. keine Angaben keine Angaben
Kofferraumvolumen vorn/hinten 155/145 l 150/260 l
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
MESSWERTE ARTEGA PORSCHE
Beschleunigung 0–50 km/h 1,9 s 1,8 s
0–100 km/h 4,8 s 4,8 s
0–130 km/h 7,3 s 7,5 s
Zwischenspurt 60–100 km/h 2,3 s 2,5 s
80– 120 km/h 2,9 s 3,0 s
Leergewicht/Zuladung 1318/177 kg 1424/251 kg
Gewichtsverteilung v./h. 43/57 % 45/55 %
Wendekreis links/rechts 12,9/13,0 m 11,2/10,9 m
Bremsweg aus 100 km/h kalt 35,2 m 33,8 m
aus 100 km/h warm 35,0 m 33,2 m
Innengeräusch bei 50 km/h 66 dB (A) 64 dB (A)
bei 100 km/h 74 dB (A) 72 dB (A)
bei 130 km/h 82 dB (A) 76 dB (A)
Testverbrauch – CO2 10,9 l SP – 258 g/km 11,5 l SP – 273 g/km
Reichweite 620 km 550 km
PREISE/AUSSTATTUNG ARTEGA PORSCHE
Modell GT Cayman S PDK
Airbags Fahrer/Beif./Seiten vorn S/S/S S/S/S
Klimaanlage/-automatik N/S S/524
Navigationssystem S 2921 Euro
Bi-Xenon-Scheinwerfer S 1559 Euro
Metalliclack 907 Euro 904 Euro
Preis (wird bewertet) 83.339 Euro* 81.231 Euro**
S = Serie, N = nicht lieferbar, * = inklusive 19"-Bereifung für 3090 Euro und Sportbremsbeläge für 299 Euro, ** = inklusive Doppelkupplungsgetriebe PDK für 2945 Euro, 19"-Bereifung für 1529 Euro, mechanischer Hinterachssperre für 1131 Euro, PCCB-Keramikbremsanlage für 8033 Euro, Sport-Chrono-Paket Plus für 1095 Euro, elektronischem Dämpfungssystem PASM für 1547 Euro und Sportschalensitzen für 2975 Euro
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Eine reife Leistung ist er auf jeden Fall, der neue Porsche-Konkurrent. Er zeugt von Können und vor allem von Mut. Und er bereichert die Autolandschaft. Dass er nicht die Rundumqualitäten eines Cayman bieten kann, überrascht mich nicht. Der Artega konzentriert sich stattdessen auf den Spaßfaktor. Und er bietet obendrein das Vergnügen, mit der gewählten Automarke weitgehend allein auf weiter Flur zu sein – ein kostspieliges Vergnügen, sicher, aber wahre Exklusivität war noch nie besonders billig.

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