Vergleich Audi A1/Alfa MiTo/Mini

Audi A1 Alfa MiTo Mini Cooper Audi A1 Alfa MiTo Mini Cooper

Vergleich Audi A1/Alfa MiTo/Mini

— 17.12.2008

Die kleinen Verführer

Frauen verführen – der Mini kann es, der neue Alfa MiTo will es, der künftige Audi A1 soll es. AUTO BILD hat schon mal geprüft, wie die Chancen des kleinen Audi stehen: der A1 Sportback im Wettstreit mit seinen Kontrahenten.

Frauen und Autos. Als Autoschreiber habe ich dieses Thema immer vermieden. Zu riskant. Über die Wirkung bestimmter Autos auf das eine oder andere Geschlecht zu spekulieren, das ist so gefährlich wie ein Zungenkuss mit einem Hai. Würde ich etwa behaupten, der Mini sei ein Frauenauto oder gar für Girlies, hätte ich postwendend eine Klage am Hals. Mach ich nicht. Auch wenn es womöglich stimmt. Überhaupt, was heißt schon Frauenverführer? Ich weiß von einer jungen Dame, die hochschwanger mit der berüchtigsten aller Testosteronbomben ins Büro fuhr, einer Cobra. Und meine eigene Frau lässt sich für ihr Leben gern von einem Morgan Plus 8 durchprügeln. Da würden sich diese kleinen Verführer schwertun. Womit wir beim eigentlichen Thema wären: dem Audi A1. Noch ist er nur eine Designstudie, aber schon Anfang 2010 will er sich anschleichen. Und zwar genau da, wo sich die Frauen tummeln, im Revier des Mini. Das ist jetzt kein Klischee, sondern reine Statistik: 50 Prozent aller Mini-Kunden sind weiblichen Geschlechts, damit hält der Kleine aus England den Frauenrekord. Seine Verführungskünste stehen also außer Frage. Oder?

Der Mini Cooper kommt nur in der richtigen Farbe an

Ramona, unser Fotomodell, nickt: "Meine Kragenweite wäre er auch", sagt sie, und stellt sich in Pose. "Aber Blau geht gar nicht." Wieder mal kein Verlass auf die Marktforscher also. Denn die sagen, Blau sei momentan schwer im Kommen. Gerade bei Frauen. Jetzt rüber zum künftigen Mini von Audi. Schön klein ist er auch (3,99 Meter lang), aber ansonsten ganz was anderes: fünf Türen, null retro. Was soll Audi auch Schnuckeliges aus der Mottenkiste ziehen? Einen DKW Junior mit 50er-Jahre-Heckflossen vielleicht? Besser nicht. Nein, der A1 will weniger Spaßvogel sein, eher ein Typ zum Anlehnen. Einer, der im Alltag seinen Mann steht. Praktisch, aber trotzdem schick. Und – ganz wichtig – mit dem kleidsamen Premiumlabel. Denn ein solches bürgt bei den Kleinwagen für Exklusivität. Außer dem Mini käme da zurzeit nämlich sonst nur der neue Alfa MiTo infrage, der dritte Aufreißer in unserer Runde. Aber erst mal den Audi ranlassen: "Super", flötet Ramona und schmiegt sich über die Gürtellinie, "handlich und sieht doch schon richtig erwachsen aus." Der Wicht, der ausgekochte.

Die Studie des A1 kommt dem Serienmodell schon sehr nahe

Auf den ersten Blick mimt er die Unschuld vom Lande, so schlicht und so unspektakulär, doch dann geht er in die Charmeoffensive. Geduckt und breitbeinig steht er da, lässt Proportionen und Flächen wirken – die Handschrift von Walter de'Silva, dem Ex-Audi-Chefdesigner, der nun in der VW-Zentrale Regie führt. Er ist ein Meister der leisen Töne. Allein der Grill, plastischer als bei den gängigen Audi und oben abgeschrägt, haut optisch auf den Putz. Austoben durften sich die beteiligten Designer ansonsten nur an ein paar Details – Scheinwerfer mit LED-Lichtorgel, Heckleuchten, die durch eine transparente Heckklappe glühen, das zweigeteilte Rückfenster zum Aufklappen, eine Plexiglasabdeckung auf dem Grill für weniger Luftwiderstand. Und an den Rädern natürlich: verchromt, 18 Zoll groß und mit 35er-Flachgummi besohlt.

Wir spazieren weiter zum Alfa, dem feuerroten Romeo. Rot wirkt fast immer bei Frauen, sagt die Marktforschung, und zumindest das scheint zu stimmen. "Passt haargenau zu meinem Kleid", sagt Ramona, während ich bedeutungsschwer auf die klassische Alfa-Front im Stil der 50er-Jahre zeige. Interessiert sie leider nicht besonders, war ja auch vor ihrer Zeit. "Schade, dass ihm das Nummernschild so schief im Gesicht klebt", meint sie stattdessen, und findet Alfas kleinen Verführer zwar recht praktisch veranlagt und geräumig, jedoch auch ein wenig klobig für ihren Geschmack. Zugegeben, mit 4,06 Meter Länge wirkt er schon leicht untersetzt für einen Kleinwagen. Und klar ist auch: Das Anbaggern muss dieser Romeo noch üben. Oder könnte es sein, dass der MiTo mehr auf Männer steht? Beziehungsweise umgekehrt? Gut möglich, denn auch von innen betrachtet hält sich seine Reizwirkung auf Ramona in Grenzen. Während er mich durchaus anmachen könnte. Mehr als der Mini, dessen Turmuhr im Cockpit ich albern finde. Unserer Frau vom Fashion-Fach entlockt sie indessen ein "echt cool". Vielleicht existiert es ja doch nicht, das Unisex-Auto.

Auf den Hybridantrieb müssen Audi-Fans bis nach 2011 warten

Wir beugen uns in den Audi A1, wo die Designer beim Einrichten offenbar einen perlweißen Palazzo vor Augen hatten. Alles ist hell, alles glitzert, vor dem Reinsetzen muss ich mir erst den Staub aus der Kluft klopfen, damit nichts drankommt. Ramona fingert an den Knöpfen für die Klimaanlage, kühles Metall (sie erinnern an alte Amischlitten), und ist begeistert: "Ein Traum", haucht sie. "Schau", sag ich noch, "wenn du auf 'Sport' drückst, kommt sein Schaltknüppel fürs DSG-Getriebe hoch. Und wenn du ihn von daheim aus mit dem Handy anrufst, sucht er draußen vorm Haus schon mal die passende Musik raus und programmiert das Navi." Aber dann betritt Audis PR-Mann die Szene und holt uns unsanft in die Realität zurück. Ja, die Studie sei optisch dicht an der Serie, etwas länger und breiter zwar, aber ansonsten schon der künftige A1. Diese netten Details aber, die geteilte Heckscheibe, die rahmenlosen Seitenfenster, die durchsichtige Heckklappe, die könnten wir uns abschminken. Zu teuer für die Serie. Und innen ginge es dann halt auch etwas normaler zu, während der Hybridantrieb (150-PS-Benziner plus 27-PS-Elektromotor) wohl erst nach 2011 käme. "Egal", raunt Ramona halbwegs überzeugend, "ich könnte ihm treu bleiben."

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König

Stehen auf den A1: AUTO BILD-Redakteur Norbert König (links) und Fotomodell Ramona.

Schade, dass viele nette Spielereien des A1 es nicht in die Serie schaffen werden. Aber so ist das nun mal bei Designstudien. Immerhin: Stefan Sielaff, der Audi-Chefdesigner, versichert mir, dass die Gesamtanmutung des künftigen A1 dem Showauto sehr nahe kommt. Wenn das so ist, dann dürfte der kleine Audi beim anderen Geschlecht ähnlich gut landen können wie der kultige Mini. Wenngleich aus etwas anderen Gründen.


Technische Daten Alfa MiTo:
• Vierzylinder, Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1368 cm³ • Leistung 114 kW (155 PS) bei 5500/min • maximales Drehmoment 230 Nm bei 3000/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • Reifen 195/55 R 16 • L/B/H 4063/1720/1453 mm • Radstand 2511 mm • Tank 45 l Super • EU-Verbrauch 6,5 l/100 km • CO2 153 g/km • 0–100 km/h in 8,1 s • Spitze 215 km/h • Kofferraumvolumen 270–950 l • Zuladung 405 kg • Preis ab 17.950 Euro.

Technische Daten Audi A1:
• Vierzylinder mit Turbolader und Kompressor • Hybridantrieb mit Lithium-Ionen-Akku • Hubraum 1390 cm³ • Leistung 110 kW (150 PS) bei 5500/min • maximales Drehmoment 240 Nm bei 1600/min • E-Motor mit 20 kW (27 PS), 150 Nm • Vorderradantrieb • Federbeinachsen vorne/Verbundlenkerachse hinten • Sechsgang-DSG • Reifen 225/ 35 R 18 • L/B/H 3990/1750/1400 mm • Radstand 2460 mm • Verbrauch 3,8 l/100 km.

Technische Daten Mini Cooper: • Vierzylinder, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 88 kW (120 PS) bei 6000/min • maximales Drehmoment 160 Nm bei 4250/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • Reifen 175/65 R 15 • L/B/H 3699/1683/1407 mm • Radstand 2467 mm • Tank 40 l Super • EU-Verbrauch 5,4 l/100 km • CO2 129 g/km • 0–100 km/h in 9,1 s • Spitze 203 km/h • Kofferraumvolumen 160–680 l • Zuladung 450 kg • Preis ab 18.300 Euro.

Autor: Wolfgang König

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