Vergleich Audi S3, BMW 130i M-Paket, Mazda3 MPS

Vergleich Audi S3, BMW 130i M-Paket, Mazda3 MPS

— 14.12.2009

Dreikampf in der Kompaktklasse

Sportler der Kompaktklasse verbinden sehr hohen Alltagsnutzen mit dem entscheidenden Quäntchen Spaß. Wir haben drei Vertreter der 260-PS-Fraktion auf dem Sachsenring getestet.

Drei Vertreter der 260-PS-Fraktion haben wir zum Test auf den Sachsenring gebeten. Obwohl sich im Segment der sportlichen Kompakten alles um den Golf GTI dreht, ist hier längst noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Mit Leistungswerten von 260 (Mazda3 MPS) und 265 PS (Audi S3, BMW 130i) steht unser Testtrio recht gut im Futter. Und mit mindestens 37.400 Euro muss man für die Eintrittskarte in die Welt der beiden Premiumgefährte Audi und BMW eine ganze Menge Scheine auf den Tisch legen. Dagegen nimmt sich der rund 10.000 Euro günstigere Mazda wie ein Schnäppchen aus, spielt aber in der gleichen Leistungsklasse. Kann der flinke Japaner auch im Vergleich mit den Konkurrenten aus Deutschland bestehen? Eine interessante Fragestellung, die auch noch von der unterschiedlichen Konzeption der drei Kontrahenten genährt wird. Denn hier treffen zugleich die drei wichtigsten Antriebsvarianten aufeinander.

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Junger Wilder trifft auf Gentleman-Sportler: Mazda3 MPS, Audi S3 Sportback, BMW 130i.

Der Mazda setzt auf einen 2,3 Liter großen Vierzylinder, der seine ganze Kraft auf die Vorderräder überträgt; der ebenfalls aufgeladene Audi bringt seine Kraft dagegen an alle vier Räder. Variante drei repräsentiert der 130i mit Sechszylinder-Reihensaugmotor und Hinterradantrieb inklusive elektronischem Sperrdifferenzial. Allen gemein: eine manuelle Sechsgangschaltung, 18-Zoll-Räder, fünf Türen und ein Sportfahrwerk, das im Falle von Audi und Mazda serienmäßig ist. Damit die Chancengleichheit gewahrt ist, hat BMW einen 130i mit M-Paket zur Verfügung gestellt, das für 2.050 Euro (Preis bezieht sich auf den fünftürigen 130i) eine ganze Menge bietet: Neben besagtem Sportfahrwerk gibt es unter anderem ein Aerodynamikpaket, Leichtmetallräder mit Mischbereifung (215/40 R 18 vorn, 245/35 R 18 hinten), Sportsitze und Lederlenkrad sowie weitere, vor allem in optischer Hinsicht relevante Extras. Neben dem serienmäßigen S-Sportfahrwerk mit 25 Millimeter Tieferlegung verfügt der S3 Sportback zudem über das adaptive Magnetic-Ride-Fahrwerk (1.050 Euro), das neben einer sehr straffen Sport-Einstellung auch einen Komfort-Modus aufweist.

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Dank Differenzialsperre vorn scharren die 260 PS des Mazda nicht hilflos im Leeren.

Auch der Mazda3 MPS hat serienmäßig ein Sportfahrwerk mit größeren Stabis; dazu setzt er zur besseren Kraftübertragung auf ein Sperrdifferenzial vorn, das die Traktion bei schneller Kurvenfahrt verbessern soll. Drei potente Kompakte also, die nicht nur mit voller Alltagstauglichkeit punkten, sondern auf Wunsch des Fahrers auch in der sportlichen Gangart überzeugen sollen, was wir auf dem Sachsenring ausführlich untersucht haben. Mit überraschendem Ergebnis, doch dazu später. Bereits seit 1999 wildert der Audi S3 im Kompaktrevier, zunächst als Dreitürer und seit Anfang letzten Jahres auch als fünftüriger Sportback. Allzu laute Töne sind dem Ingolstädter fremd, schließlich bewegt man sich im Premiumbereich. Und so sind es markante, aber dezente Details, die den S3 von seinen Markenbrüdern unterscheiden. Etwa die vertikalen Streben in Alu-Optik, die den Single Frame-Grill schmücken, die in ein Gehäuse in Alu-Optik gehüllten Außenspiegel oder die ebenfalls metallisch glänzenden Einstiegsleisten.

Der Mazda3 macht auf wild

Auch der BMW 130i wirkt mit M-Sportpaket von außen zwar etwas stämmiger, doch auch hier ist der Auftritt von zurückhaltender Natur. Deutlich knalliger setzt sich da der Mazda3 MPS in Szene. Mit auffälligem Dachspoiler, den beiden kräftigen Endrohren links und rechts und dem breiten Lufteinlass auf der Motorhaube markiert der Mazda den jungen Wilden neben zwei gesetzteren Gentleman-Sportlern. Im Innenraum der drei Kontrahenten geht es verhalten sportlich zu. Metallisch blitzende Zierringe um die Instrumente, wenigstens zum Teil belederte Sportsitze, Alu-Pedale oder zumindest eine M-Fußstütze wie im 130i sollen für eine sportive Grundhaltung der Insassen sorgen. Alle drei erlauben durch Einstellung von Lenkrad und Sitzen eine vernünftige Sitzposition und bieten genug Seitenhalt im Bereich der Schultern.

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BMW 130i: Der einzige Sechszylinder-Saugmotor hängt am besten am Gas und gefällt mit seiner Drehfreude.

Als besonders bequem und hochwertig erweisen sich dabei die Sitze von Audi und BMW (Bestandteil M-Paket). Nur die Ingolstädter bieten für den S3 ausgewiesene, mit Feinnappa bezogene Schalensitze gegen Zuzahlung von 3.385 Euro an. Obwohl der junge Wilde in seiner neuesten Auflage etwas an Härte verloren hat, ist der Mazda3 MPS in Sachen Federungskomfort nicht so geschmeidig wie seine Widersacher. Das ist bei gezielt sportlicher Gangart natürlich eine feine Sache, aber im Alltag nicht unbedingt die beste Lösung. Wie es anders geht zeigen Audi S3 und BMW 130i. Der Audi hat durch sein optionales Magnetic-Ride-Fahrwerk einen Vorteil, denn das Fahrwerk erlaubt die Voreinstellung der Dämpferkennlinie auf Tastendruck und bietet so eine etwas softere sowie eine sehr straffe Grundeinstellung. Der BMW 130i verwöhnt in diesem Vergleich mit der noch komfortabelsten Abstimmung. Und das trotz Sportfahrwerk – eine sehr geglückte Mischung aus sportlicher Ausrichtung und hoher Alltagstauglichkeit.

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Audi S3 Sportback: Der Allradler kann am Sachsenring seine Traktionsvorteile kaum nutzen.

Motorenseitig sind die drei Kompaktsportler mit reichlich Leistung gesegnet, doch unterscheidet sich die Art der Kraftentfaltung beträchtlich. Der aufgeladene Vierzylinder des Audi S3 entwickelt fast ansatzlos ordentlichen Schub, der Turboladereinsatz ist kaum spürbar. Zwar erreicht der S3–wie seine beiden Konkurrenten auch–nicht die vom Werk angegebene Beschleunigung von 5,8 Sekunden auf 100 km/h, doch legt er mit 6,3 Sekunden den ersten Wert vor. Dazu tönt der Motor recht kernig aus den Doppelendrohren. Statt auf Zwangsbeatmung setzt der 130i auf den klassischen BMW Sechszylinder-Reihenmotor, der aus drei Liter Hubraum 265 PS zieht und mit 89 PS pro Liter so die niedrigste Literleistung produziert (Audi: 134 PS/Liter; Mazda 115 PS/Liter). Der sehr tiefe Sound macht ziemlich an, die gleichmäßige, sehr sämige Kraftentfaltung des Bayern ist ebenso ein Genuss wie seine Drehfreude. Doch muss er sich vom Audi S3 beim Sprint auf 100 km/h in die Schranken weisen lassen: Etwas später als der S3, nämlich nach 6,5 Sekunden (Werksangabe: 6,1 Sekunden) erreicht die Tachonadel des Sechsenders die 100er-Marke.Noch etwas mehr Zeit nimmt sich der Mazda3 MPS: Nach 6,8 Sekunden überwindet er die 100 km/h (Werksangabe: 6,1 Sekunden) etwas spektakulärer als die Konkurrenz, was an der leicht verzögerten Ansprache des Turboladers liegt, der dann aber umso stärker durch schlägt.

Frisches Trio: Der Mazda kann beim Fahrspaß, aber vor allem beim Preis punkten.

Wie gesagt, spektakulär und spaßig, bei einem Fronttriebler jedoch nicht untückisch. Erwartungsgemäß fordern die Turbolader ihren Tribut: Neben dem S3 mit 11,2 Liter pro 100 Kilometer und dem Mazda3 MPS mit 11,4 Liter Super Plus auf 100 Kilometer steht der Sechszylinder von BMW mit 10,5 Litern zwar nicht als Kostverächter da, doch geht der 130i am sparsamsten mit dem teuren Super Plus um. Doch wer macht auf der Rennstrecke die beste Figur? Zunächst nimmt der Audi S3 das Kurvengeschlängel des Sachsenrings unter die 18-Zöller und zeigt schon mal, dass sein Motor mit schön gleichmäßiger Kraftentfaltung auch auf der Rennstrecke richtig Laune macht und gut mit der manuellen Sechsgangschaltung harmoniert. Sehr fein ist auch die Lenkung, die zwar leichtgängig ist, aber sehr gefühlvoll. Doch gerade in den engeren Passagen neigt der S3 zum ausgeprägten Untersteuern, was zum Teil auch am Grip der Michelin-Pilot-Exalto-Reifen liegt.

Knapper Sieg für den Mazda3 MPS

Selbst das Anbremsen gelingt kaum, ohne in den Regelbereich des ABS zu geraten. Eine sehr gute Figur macht der BMW mit M-Paket. Dank Sportfahrwerk lenkt der 130i sehr präzise ein, ist lange neutral und quittiert enge Passagen mit leichten Heckschwenks. Das kippelige, schwammige Einknicken beim Einlenken, das die 1er von der Stange zeigen, ist dem M-Paketler fremd. Zudem bringt die feinfühlige Lenkung viel Spaß. Doch es reicht nicht für den BMW: Nach 1:45,44 Minuten steht die Uhr für den Audi S3, der 130i umrundet den Sachsenring etwas langsamer: 1:46,16 Minuten braucht der flotte Münchner. Und dann der Mazda: Mit wirkungsvollem verhindert der 3 MPS, dass beim Herausbeschleunigen aus Kurven zu viel Kraft am kurveninneren Vorderrad verpufft und setzt damit knapp die Bestmarke: 1:45,36 Minuten. Die gefühllose, in Mittellage träge und dann sehr spitz agierende Lenkung erschwert zwar eine saubere Linie, doch auf der Rennstrecke ist dem forschen Mazda der (knappe) Sieg nicht zu nehmen.

Technische Daten Audi S3 Sportback BMW 130i M-Paket Mazda3 MPS
Motor R4, Turbolader R6 R4, Turbolader
Einbaulage vorn quer vorn längs vorn quer
Hubraum 1984 cm3 2996 cm3 2261 cm3
kW (PS) bei 1/min 195 (265)/6000 195 (265)/6600 191 (260)/5500
Nm bei 1/min 350/2500–5000 315/2750 380/3000
Antriebsart Allrad Hinterrad Vorderrad
Getriebe 6-Gang manuell 6-Gang manuell 6-Gang manuell
Messwerte
0-100 km/h 6,3 s 6,5 s 6,8 s
Verbrauch Ø auf 100 km 11,2 l Super Plus 10,5 l Super Plus 11,4 l Super Plus
Leergewicht 1585 kg 1449 kg 1457 kg
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h 250 km/h
Preise 38.550 Euro 37.400 Euro (M-Paket) 27.400 Euro
Autor:

Ralf Kund

Fazit

Trotz seines vergleichsweise sehr straffen Fahrwerks und der übernervösen Lenkung – der Mazda3 MPS macht viel Spaß. Und das zu einem Preis, der die Konkurrenz ganz schön alt aussehen lässt. Die 2050 Euro für das M-Paket sind beim BMW 130i gut angelegtes Geld. Denn so wird aus dem braven 1er ein heißes Eisen. Das vorzüglich abgestimmte M-Sportfahrwerk und der grandiose Motor verhelfen dem Münchner zu Platz 2. Trotz bester Verarbeitung, eines harmonischen Turboaggregats und sehr agilen Handlings bleibt nur der 3. Platz für den Audi S3 Sportback. Dazu tragen auch der hohe Preis und der längste Bremsweg im Vergleich bei.

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