Test Audi TTS Roadster/Porsche Boxster S

Porsche Boxter S Audi TTS

Vergleich Audi TTS Roadster/Porsche Boxster S

— 13.05.2008

Bye-bye, Boxster?

Größenwahn oder Glanznummer? Mit dem scharfen TTS greift Audi jetzt ganz schamlos sogar den Porsche Boxster an. Da liegt Zündstoff in der Luft. Ein offener Vergleich.

"Ach, der unselige Ehrgeiz, er ist Gift für alle Freuden." Alter Spruch, stammt von Kleist. Warum nur kommt er mir immer in den Sinn, wenn ich an Audi denke? Zu viele Ambitionen auf einmal? Dynamischer als BMW, hochwertiger als Mercedes und jetzt auch noch sportlicher als Porsche. Diese aufstrebende Marke will einfach alles können. Tut sie ja auch, nicht immer, aber immer öfter. Nehmen wir den R8: der schärfste Porsche-911-Rivale, der je auf deutschem Boden gedieh. Und jetzt der STT, die gedopte Variante des TT, im Visier die Cayman/Boxster-Brüder. Ein Allrad-Golf in Lycra-Shorts soll Porsche die Hölle heiß machen? Etwa so glaubwürdig wie Kurt Beck im Fahrraddress am Start der Tour de France. Doch auch wenn der STT auf dem Golf basiert, ist das ja keine Amateur-Bühne. Immerhin tritt hier auch der GTI auf. Hinzu kommen Zutaten wie reichlich Aluminium in der Karosserie (beim STT um zehn Millimeter tiefergelegt), trickreiche Dämpfer mit variabler Kennung (Magnetic Ride) und ein Allradantrieb, der die Hinterräder bedarfsgerecht mit Kraft versorgt.

Der STT Roadster passt seinem Piloten wie ein Turnschuh

Der TTS punktet mit inneren Werten. Tür auf, reinschlüpfen, wohlfühlen – da erinnert er an einen Sportschuh.

Damit lässt sich arbeiten. Zumal vorn nicht der V6 des TT 3.2, sondern der leichtere Turbo-Vierzylinder hängt. Technisch gründlich durchmassiert, leistet er im STT statt 200 nun 272 PS. Da kann er ruhig kommen, der Boxster S. Boxster, weil der STT bei unser ersten Ausfahrt als Roadster antritt. Äußerlich bietet er nichts Neues, mal abgesehen vom Audi-typischen Sport-Outfit: der Grill glanzvergittert, spezielle 18-Zoll-Räder, tiefere Schweller, obligatorisches Rohrquartett hinten. Nett, aber kein Vergleich zur Naturschönheit des Boxster S, den nicht einmal das Metallic-Goldbraun des Testwagens entstellen kann. Der STT punktet mit inneren Werten. Tür auf, reinschlüpfen, wohlfühlen – da erinnert er an einen Sportschuh, der Nike Air Zoom unter den Roadstern. Tolle Sportsitze, ein Cockpit, das verwöhnt und nicht verwirrt, Spitzenqualität, nur das unten abgeflachte Lenkrad ist ein Gag zu viel. Ein Kübel-Gefühl stellt sich ein, das kommt von der hohen Bordwand, aber dafür zieht es kaum. Auch ohne das elektrisch ausfahrbare Windschott.

Ab 3000 Touren scheint eine Seilwinde am Audi zu ziehen

Fahrmaschine TTS: Bei 3000 Touren holt der Turbo Luft, dann geht es dahin, als wäre eine Seilwinde im Spiel.

Anlassen, der Turbo brummelt vielversprechend, Gang rein. Unser STT wird konventionell geschaltet (DSG kostet 2150 Euro Aufpreis), kein Problem, wenn die Sache so reibungslos funktioniert wie hier. Wir wedeln stadtauswärts auf den Fersen des Porsche, aber statt den Rottweiler zu geben, benimmt sich der Audi ruhig und gesittet wie ein braver Labrador. Ich könnte ihn locker mit zwei Fingern führen. Fragt sich, wie lange noch, denn der Doppelrohrauspuff des Boxster bläst zur Attacke. Freie Bahn, zweiter Gang, Leine los, und Waldi verwandelt sich unversehens in einen Windhund. Mit Chilli im Hintern. Atemberaubend, wie lässig und unangestrengt sich der STT im Kielwasser des Porsche tummelt. Kaum zu glauben, dass hier nur zwei Liter Hubraum am Werk sind. Bei 3000 Touren holt der Turbo Luft, dann geht es dahin, als wäre eine Seilwinde im Spiel. Szenenwechsel. Weg von den Hauptverkehrsadern, hinein in die kurvenreichere Topographie. Klassisches Porsche-Revier. Hat der STT wirklich das Zeug, es dem Boxster zu zeigen?

Gar nicht so lange her, da erinnerten die Sportmodelle von Audi beim Lenken eher an alte Matratzen als an einen Porsche. Anbremsen, einlenken – der STT zeigt schon eingangs der ersten Straßenkrümmung, dass sich viel getan hat. Er sticht mit Gusto rein, hat vorn mehr Grip als der normale TT, erreicht bei minimaler Lenkarbeit maximale Querbeschleunigungen. Untersteuern war gestern. Wer früh Gas gibt sowie Sport- und ESP-Schalter drückt (straffere Dämpfung und Lenkung, späterer Regeleingriff), kann sogar ein wenig mit dem Heck wackeln. Nett – und genau das, was dem Sportfahrer schon immer vorschwebte. Dazu die Traktion des Allradantriebs: perfekt. Fast, denn noch etwas mehr Feedback in der Lenkung wäre kein Fehler. Aber reicht das? Umsteigen in den Porsche. Schon beim Platznehmen keimen Zweifel auf. Man sitzt tiefer, sportlicher. Sicher, die Einrichtung wirkt im Vergleich zum Audi leicht verstaubt, und für die vielen Minischalter braucht es spitze Finger. Doch im Boxster herrscht echte Sportwagenatmosphäre.

Der Porsche Boxster S macht subjektiv mehr Spaß

Der feinnervige Porsche Boxster S verwöhnt seinen Fahrer mit dem typischen Zuffenhauser Fahrspaß.

Der Sechszylinder im Rücken – 3,4 Liter, 295 PS – klingt schon im Leerlauf unverkennbar porschig, Kupplung und Schaltung gehen stramm. Dieser hier hat das "Sport Chrono Paket" mit Sport-Taste für Fahrwerk und verschärftes Ansprechen. Kenner wählen Sport und stellen die Dämpfer dann wieder auf Komfort (separater Schalter). Das verspricht optimalen Biss beim Gasgeben – ohne Zähneklappern. Und es stimmt: Der Porsche reagiert wie der Fuchs aufs Geflügel. Gib ihm 4000 Umdrehungen, und er startet durch, gib ihm 5000, und er macht den röhrenden Hirsch – ein Spektakel, das selbst so einen Muster-Turbo wie den des STT reichlich brav aussehen lässt. Derweil flüstert er über die Lenkung unablässig Botschaften in die Handflächen, füttert den Hintern mit den aktuellsten Infos vom Fahrwerk und driftet so bereitwillig durch die Kurven, dass es dem Fahrer unwillkürlich ein Permanentgrinsen ins Gesicht zaubert. So müssen Sportwagen sein, da macht es auch nichts, dass dieser STT dauerhaft den Rückspiegel füllt. Davonfahren geht mit dem Boxster höchstens auf freier Autobahn, das dankt er dem 250-km/h-Limit des Audi. Aber mehr Spaß haben, das geht im Porsche immer.

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König

Wenn es um die subtileren Genüsse des Fahrens geht, führt in dieser Klasse kein Weg am Boxster S vorbei. Das kann auch der neue Audi STT nicht verhindern. Dieser gefühlte Vorsprung des Porsche ändert allerdings nichts daran, dass der Audi-Roadster, sachlich gesehen, fast alles richtig macht: Er liegt hervorragend, geht blendend, verbraucht weniger und ist obendrein auch noch deutlich erschwinglicher als der Boxster. Das macht ihn im Vergleichstest zum geborenen Punktesammler.
Fahrzeugdaten Audi Porsche
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn quer Boxer, Sechszyl., hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Zahnriemen, Kette Kette
Hubraum 1984 cm³ 3387 cm³
kW (PS) bei 1/min 200 (272)/6000 217 (295)/6250
Nm bei 1/min 350/2500 340/4400
Vmax 250 km/h 272 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Allradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 245/40 R 18 Y 235/40-265/40 ZR 18 Y
Radgröße vorn/hinten 9 x 18" 8/9 x 18“
Abgas CO2 194 g/km 254 g/km
Verbrauch* 11,0/6,5/8,2 l 15,3/7,8/10,6 l
Tankinhalt 60 l/Super plus 64 l/Super plus
Vorbeifahrgeräusch 75 dB (A) 75 dB (A)
Länge/Breite/Höhe 4198/1842/1350 mm 4329/1801/1292 mm
Kofferraumvolumen v/h 250 l 150/130 l
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Austtatung/Preise Audi Porsche
Modell TTS Roadster 2.0 TFSI Boxster S
Airbags Fahrer/Beif./Seiten S/S/S S/S/S
Kopfairbags S S
Klimaanlage/-automatik –/S S/464 €
Automatikgetriebe 2150 €* 2642 €
Radio mit CD-Player S S
Sitzheizung S 417 €
Xenonscheinwerfer S 1059 €
Windschott S 327 €
Navigationssystem ab 1075 € 2921 €
Metalliclack 615 € 857 €
Grundpreis 47.750 Euro 57.054 Euro**
S = Serie, * Direktschaltgetriebe, ** inklusive PASM für 1547 € und Sport Chrono Paket für 797 €
Kosten/Garantien Audi Porsche
Abgasnorm Euro 4 Euro 4
Steuer pro Jahr 135 € 230 €
Typklassen HPF/VK/TK 15/24/25 13/26/28
Werkstattintervalle nach Anzeige/2 Jahre nach Anzeige/2 Jahre
Kosten Ölwechsel/Inspektion 180/400 € 280/650 €
Garantie/Gewährleistung Garantie Gewährleistung
Technik/km-Begrenzung 2 Jahre/ohne 2 Jahre/ohne
Garantie gegen Durchrostung 12 Jahre 10 Jahre
Mobilitätsgarantie unbegrenzt 2 Jahre
Messwerte Audi Porsche
Beschleunigung
0–50 km/h 1,9 s 2,2 s
0–100 km/h 5,8 s 5,4 s
0–130 km/h 8,7 s 8,5 s
Elastizität
60–100 km/h 4,3 s (4. Gang) 5,6 s (4. Gang)
80–120 km/h 7,8 s (6. Gang) 8,5 s (6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1514/261 kg 1432/198 kg
Gewichtsverteilung v./h. 58/42 % 47/53 %
Wendekreis links/rechts 11,1/10,9 m 11,2/11,2 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 35,9 m 36,0 m
aus 100 km/h warm 35,5 m 35,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 63 dB (A) 66 dB (A)
bei 100 km/h 69 dB (A) 73 dB (A)
bei 130 km/h 74 dB (A) 79 dB (A)
Testverbrauch – CO2 10,8 l – 256 g/km 11,3 l – 271 g/km
Reichweite 550 km 560 km
Die Wertung Punkte max. Audi Porsche
Karosserie
Platzangebot 20 20 18
Verdeck 10 9 8
Sitze/Sitzposition 20 19 18
Ausstattung/Bedienbarkeit 20 18 15
Sicherheitsausstattung 20 15 10
Qualitätseindruck/Materialien 10 10 9
Zwischenergebnis 100 91 78
Antrieb/Fahrwerk
Motoreigenschaften 40 30 35
Beschleunigung/Vmax 30 28 30
Elastizität 20 18 17
Fahrverhalten 40 38 37
Fahrspaß 30 24 29
Fahrgeräusche 10 8 4
Sound 20 15 20
Fahrkomfort 20 18 17
Getriebe/Schaltung 30 26 26
Lenkung/Wendekreis 30 24 28
Bremsen 30 24 24
Zwischenergebnis 300 253 267
Kosten
Steuer/Versicherung 20 15 13
Verbrauch/Umwelt 40 32 30
Garantie 20 11 5
Wartung 20 16 17
Aufpreisgestaltung 10 6 5
Wiederverkauf* 10 6 8
Grundpreis 80 34 16
Zwischenergebnis 200 120 94
* ermittelt von Bähr&Fess Forecasts/Saarbrücken
Gesamtpunktzahl 600 464 439
Platzierung 1.** 2.
**Preis-Leistungs-Sieger

Autor: Wolfgang König

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