BMW 116i, VW Golf 1.4 TSI, Citroën C4 VTi 120

Vergleich BMW 116i, VW Golf 1.4 TSI und Citroën C4 VTi 120

— 30.07.2009

Was spart besser: Hubraum oder Turbo?

Volle zwei Liter oder aufgeladener Hubraum-Zwerg? Oder doch lieber die goldene Mitte? Was zieht besser beim Spurten und Sparen? AUTO BILD vergleicht BMW 116i, VW Golf 1.4 TSI und Citroën C4 VTi 120.

Früher hieß es, Hubraum sei durch nichts zu ersetzen – außer durch noch mehr Hubraum. Aus und vorbei, heute ist weniger mehr. Das Gebot der Stunde heißt Downsizing. Sprich: kleine, aufgeladene Motoren, die bei vergleichbarer Leistung sparsamer sind und somit weniger Schadstoffe ausstoßen. Sagt jedenfalls die Theorie. BMW dagegen geht beim 116i den umgekehrten Weg. Der Einstiegs-1er hat jetzt einen Zweiliter-Benziner unter der Haube. Für 350 Euro gibt es 400 Kubik mehr als beim ebenfalls 122 PS starken Vorgänger. So reicht der Zweiliter-Block für drei Leistungsvarianten – das senkt Produktionskosten. Spart aber nicht an der Tankstelle: Mit 6,2 Litern im EU-Zyklus schluckt der 116i jetzt vier Zehntel mehr als der abgelöste 1600er. Ist der Neue ein Typ von gestern?

Von der Macht des Hubraums ist beim BMW 116i kaum etwas zu spüren

Der Zweiliter-Motor des 116i ist kultiviert, aber nicht besonders spritzig.

Keineswegs, ein VW Golf 1.4 TSI mit 122 PS ist laut Prospekt nicht sparsamer. Und das will was heißen, schließlich zählt der 1,4-Liter-TSI zu den gelungenen Downsize-Triebwerken. Chancen im Kampf der Motorenkonzepte rechnet sich auch der Citroën C4 aus, der hier mit einem konventionellen 1,6-Liter und munteren 120 PS antritt. Zu Recht, denn von der einst beschworenen Macht des Hubraums ist beim BMW kaum etwas zu spüren. Der gedrosselte Zweiliter läuft zwar kultiviert, ist durchaus flott und begnügt sich mit 7,2 Litern im Testschnitt. Dennoch wirkt er überraschend farblos und weckt keine rechte Begeisterung. Dafür spult der Zweiliter sein Pensum zu leidenschaftslos ab, zeigt nirgendwo richtig Biss und macht vor allem im Drehzahlkeller sowie bei hohen Touren einen müden Eindruck wie ein Pennäler beim Nachsitzen. Keine Frage, für die Freude am Fahren sind andere zuständig.

Die Maschine des Citroën C4 lebt in erster Linie von hohen Drehzahlen

Braucht Drehzahlen: Im C4 geht erst ab 3000 Touren die Post ab.

Ganz besonders der VW Golf: Das Auto mit dem kleinsten Motor macht hier den größten Spaß. Einfach klasse, wie der aufgeladene 1400er schon knapp über Standgas entschlossen zur Sache geht, ab 3000 Touren noch eine Schippe nachlegt und ausgesprochen munter bis zum roten Bereich dreht. Dabei läuft er sehr geschmeidig und schluckt mit durchschnittlich 7,0 Liter Super am wenigsten. Dass der Schalthebel des Sechsganggetriebes ebenso exakt durch die Gassen flutscht wie im BMW, passt ins sportliche Bild. Druck von unten, Biss in der Mitte – entspannter und souveräner als der Golf 1.4 TSI fährt tatsächlich keiner der Konkurrenten. Schon gar nicht der Citroën. Sein lebendiger, durchaus sympathischer 1,6-Liter lebt von Drehzahlen. Über 3000 Touren hängt er bissig am Gas, darunter schwächelt er aber. So muss viel im kurz übersetzten Getriebe gerührt werden, das nur fünf Gänge anbietet. Und die machen keinen Spaß, weil der Schalthebel nur widerwillig durch die Gassen gleitet.

So verlangt der Franzose beim Antrieb vom Fahrer mehr Sportgeist, als das Fahrwerk bietet. Der stoßempfindlichen Lenkung fehlt es nämlich an Feingefühl. Außerdem nimmt der C4 Kurven nur schwerfällig. Er ist eben keiner fürs Rasen, verwöhnt stattdessen mit Sicherheit und angenehmem Komfort, den nur die straff abrollenden 17-Zöller trüben. Ganz anders der 1er-BMW: Der 116i wirft sich so lustvoll in die Radien, als wolle er die Scharte des allzu braven Motors auswetzen. Wunderbar, wie gefühlvoll sich der Hecktriebler mit seiner präzisen Lenkung, dem strammen Fahrwerk und dem fein ab gestimmten ESP auf den Punkt genau steuern lässt. Sobald der Asphalt holprig wird, leistet sich der BMW aber zu viele Fouls: Egal ob kurze Wellen, Querfugen oder Frostaufbrüche – jeder Schlag kommt trocken durch, der BMW überspringt Unebenheiten mehr, als dass er sie abfedert. Mit Sport hat das nichts zu tun, eher schon mit Folter.

Ausgewogenheit und Agilität sind die großen Stärken des VW Golf

Ein großer Kleiner: Der 1.4 TSI ist sparsam, kräftig und laufruhig.

Davon kann beim Golf keine Rede sein. Im Gegenteil, er demonstriert einmal mehr, wie gut sich anscheinend Gegensätzliches kombinieren lässt. Der VW federt geschmeidig, lenkt präzise und fährt dennoch so agil, dass sowohl sportliche Komfortliebhaber als auch komfortverliebte Sportler auf ihre Kosten kommen. Dazu bietet er am meisten Platz und ein angenehm wohnlich eingerichtetes Interieur, Ergonomie und Bedienung sind nahezu perfekt. Gegen diese Ausgewogenheit haben am Ende weder der Citroën C4 noch der BMW 116i eine Chance. Der VW Golf siegt trotz kleinen Motors mit großem Vorsprung. Und beweist, dass Hubraum sehr wohl zu ersetzen ist – durch intelligente Technik.

Weitere Details zu den drei Kompakten und das Endergebnis gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.
Uli Holzwarth

Uli Holzwarth

Fazit

Nichts ist mehr so, wie es mal war. Der VW Golf 1.4 TSI gewinnt diesen Vergleich mit deutlichem Vorsprung. Intelligente, aufwendige Technik ist heute die große Zugnummer, da kann der BMW 116i mit seinem Hubraumvorteil nicht mehr mithalten. Schon gar nicht mit dem viel zu straffen Fahrwerk. Der komfortable Citroën schlägt sich achtbar, besonders agil ist er aber nicht.

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