Vergleich BMW 530d gegen Mercedes E 350 CDI

Vergleich BMW 530d gegen Mercedes E 350 CDI

— 08.12.2009

Schlägt der neue 5er die E-Klasse?

Der neue BMW 5er hat die längste Schnauze in der Business-Klasse. Das macht ein schönes Profil – aber reicht es auch, um die E-Klasse alt aussehen zu lassen? AUTO BILD hat 530d und E 350 CDI verglichen.

Die Weihnachtsgelder sind gezahlt, die Boni einkalkuliert – jetzt geht auf den Manager-Etagen wieder das Feilschen los: 5er oder E-Klasse? Kann der Münchner Star gegen den Stolz des Schwaben bestehen? Oder kann er einpacken? Wir haben die ewigen Gegner zum ersten Vergleich versammelt. So, wie sie hier nun einträchtig nebeneinander stehen, Flanke an Flanke, sieht es aus, als wäre die Frage schnell beantwortet: Von wegen einpacken – dieser BMW ist ein Hammer. So eindrucksvoll setzte sich jedenfalls noch kein 5er in Szene. Viel Haube, viel Schwung im Dach, wenig Überhang vorn und hinten, gekonnt ausgeformte Flanken, saubere Linien statt Designer-Schnickschnack, elegantes Heck. Schön, schön. Geschmackssache sind die Höcker seitlich auf der Schnauze – stand der Pavian Pate?

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Riesig: Der 5er streckt sich bei 2,97 Metern Radstand auf 4,90 Meter.

Der Trost für Mercedes: Der neue 5er mag die Blicke auf sich ziehen, aber das macht die E-Klasse keineswegs zum Mauerblümchen. Ihre ausgeprägtere Keilform verleiht ihr einen Schuss Dynamik, das kantige Design suggeriert Tresorqualitäten – nicht so spannungsgeladen, aber eindrucksvoll. Und kompakter: Jawohl, drei Zentimeter kürzer ist der Mercedes. 4,90 Meter misst der 5er nun, 28 Zentimeter mehr als der Ur-5er von 1972. Sein gewaltiger Achsabstand (2,97 Meter) übertrifft den der E-Klasse um volle zehn Zentimeter. Fragt sich: Was hat der Käufer davon? Die Antwort suche ich im Innenraum, denn wenn nicht hier, wo sonst? Der 5er empfängt mich mit superbequemen Polstern, x-fach verstellbar, die BMW freilich mit 2260 Euro extra berechnet. Tiefe Position in der Sitznische, schwungvolles, ausladendes Cockpit, zwischen den Sitzen eine hohe, breite Mittelkonsole. "Sportlich, fahrerbetont", kommentiert 5er-Projektleiter Josef Wüst, und da ist was dran. Besonders geräumig kommt mir der BMW jedoch nicht vor – trotz der zusätzlichen Zentimeter.

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Trotz kleinerer Abmessungen wirkt die E-Klasse größer, hat hinten sogar mehr Platz.

Dafür besticht er mit schön gemachten Details und ausgeklügelter Funktionalität. Und er sieht so teuer aus, wie er auch ist: Mindestens 49.300 Euro werden für den 530d fällig. Außerdem wimmelt es nur so von Extras aus der Trickkiste. Was kann der 5er, was eine E-Klasse nicht kann? "Automatisch einparken", rattert Wüst los, "permanente Speedlimit-Anzeige mit Navigation gekoppelt, Nightvision mit Personenerkennung, Head-up-Display, jetzt in Farbe, Surround-View zum Beispiel." Surround-View? Genau – Kameras am Heck und unter den Außenspiegeln ermöglichen es, im extragroßen Display (10,2 Zoll) sämtliche Hindernisse in einem Segment von 270 Grad rund ums Auto zu orten. Und nicht zu vergessen "Fahrdynamik-Control": Schalter für vier Fahrprogramme, die alles vernetzen, von der Motorsteuerung bis zur Hinterradlenkung. Münchener Techno-Overkill.

Ich ziehe mich auf den Rücksitz zurück. Josef Wüst verspricht je einen guten Zentimeter mehr Luft für Beine und Kopf im Vergleich zum Vorgänger. Hört sich gut an, aber so genau nachvollziehen kann ich’s nicht. Der Platz reicht, ist aber nicht so üppig, wie es der riesige Radstand erwarten lässt. Immerhin kuschelige Sitze, jetzt mit etwas flacherer Lehne. Zeit für die Gegenprobe im Mercedes. Auch hier wartet kein Serienmobiliar, sondern die aufblasbaren Multikontursitze für 619 Euro – nicht so luxuriös wie im BMW, aber auch bequem. Mindestens 50.992 Euro kostet der vergleichbare E 350 CDI, in der Elegance-Ausstattung sogar 52.914. Doch innen erscheint der Mercedes vergleichsweise nüchtern und weniger elegant. Der 5er bietet mehr fürs Auge. Dafür ist die Cockpitlandschaft im Benz zierlicher dimensioniert und hinterlässt ein deutlich besseres Raumgefühl. Das genieße ich auch auf den Rücksitzen: Die E-Klasse wirkt geräumiger, der Einstieg in den Fond ist bequemer.

In Sachen Normverbrauch hängt der 5er die E-Klasse ab

Sparsamer 5er: Beim Verbrauch schlägt der BMW den Mercedes um fast einen Liter.

Der Technikvergleich offenbart ähnliche Charakterunterschiede: BMW verlangt für die neue Achtstufenautomatik 2200 Euro Aufpreis, Mercedes bietet beim E 350 CDI serienmäßig einen Siebenstufenautomaten. Das relativiert natürlich den höheren Anschaffungspreis. Andererseits fehlen dem V6-Diesel der E-Klasse ein paar Pferde: 231 PS gegenüber 245 PS beim 530d. Und er wiegt 95 Kilogramm mehr. In Sachen Drehmoment herrscht jedoch Gleichstand (540 Nm), ebenso bei den Fahrleistungen, zumindest wenn man den Werksangaben glaubt. Dass BMW seinem Ruf als Meister der ökonomischen Dynamik erneut gerecht wird, zeigt indessen der Normverbrauch: Der BMW kommt laut Werk mit 6,2 Litern aus, der Mercedes mit 7,1 l/100 km. Da hat der 5er sie also vorn, seine lange Nase. Aber die entsprechende Handbewegung in Richtung E-Klasse verkneift sich BMW-Entwickler Josef Wüst und übt sich stattdessen in der Kunst der Diplomatie: "Jeder hat eben so seine Stärken."

Denn der Mann, der den 5er in- und auswendig kennt, weiß, wo's bei seinem Auto derzeit noch hapert: Die Kunststoffabdeckung unter der Haube trägt noch keine Narbung, die Memory-Schalter der Sitzverstellung sehen im Serienbau anders aus. Der beginnt im Januar 2010 – aber bis dahin wollten wir nicht warten. Über solche Kleinigkeiten sehen wir gern hinweg, um das große Ganze zu erkennen: Der ewige Zweikampf treibt die Edelrivalen wieder zur Hochform.

Technische Daten BMW 530d: Sechszylinder, Turbo, vorn längs• vier Ventile pro Zylinder • zwei Nockenwellen • Hubraum 2993 cm³ • Leistung 180 kW (245 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 540 Nm bei 1750/min • Hinterradantrieb • Achtstufenautomatik • L/B/H 4899/1860/1464 mm • Reifen 225/55 R 17 W • Kofferraum 520 l • Tankinhalt 70 l • 0–100 km/h 6,3 s • Spitze 250 km/h • Verbrauch EU-Mix 6,2 l Diesel • CO2 162 g/km.

Technische Daten Mercedes E 350 CDI: V6, Turbo, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • vier Nockenwellen • Hubraum 2987 cm³ • Leistung 170 kW (231 PS) bei 3800/min • max. Drehmoment 540 Nm bei 1600/min • Hinterradantrieb • Siebenstufenautomatik • L/B/H 4868/1854/1471 mm • Reifen 225/55 R 16 V • Kofferraum 540 l • Tankinhalt 80 l • 0–100 km/h in 6,8 s • Spitze 250 km/h • Verbrauch EU-Mix 7,1 l Diesel • CO2 186 g/km.
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Ein BMW zum Angewöhnen: Er markiert den Stand der Technik, er konzentriert sich auf die markentypischen Werte, und er sieht blendend aus. Was bei BMW-Neuheiten in den vergangenen Jahren und Monaten ja nicht immer der Fall war. Nur das Raumangebot, das ist nicht berühmt. Von einem 4,90-Meter-Auto hätte ich da deutlich mehr erwartet. Hat der Stern der E-Klasse ausgestrahlt? Er leuchtet etwas schwächer, ganz klar. Aber er leuchtet nach wie vor, und zwar auf seine ureigene Art. BMW oder Mercedes – das bleibt weiterhin eine Frage des Charakters.

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