Vergleich BMW X3/Mercedes GLK

BMW X3 xDrive 30d Mercedes-Benz GLK 320 CDI BMW X3 xDrive 30d Mercedes-Benz GLK 320 CDI

Vergleich BMW X3/Mercedes GLK

— 01.10.2008

Kampf ums Revier

Sexy durch die City: Mit dem GLK attackiert Mercedes den BMW X3. Statt sportlicher Trendmode trägt das Kompakt-SUV ein rustikales Loden-Outfit und zeigt typische Mercedes-Markenwerte.

Fünf Jahre sind eine lange Zeit. Da sind Kinder fast schulreif und Autos fertig entwickelt. Fünf Jahre lang musste Mercedes nach München schauen und den großen Verkaufserfolg des BMW X3 tatenlos mit anschauen. Jetzt endlich kontert der Stern die Bayern-Attacke mit einem eigenen Kompakt-SUV. Die Schwaben hatten genug Zeit, um den Mercedes GLK deutlich besser zu machen als den X3. Beim Duell der Erzrivalen müsste Mercedes deshalb viele Trümpfe haben. Wer hat beim Kampf ums (Großstadt-)Revier die Nase vorn? Zunächst ein Lob: Die kompakten Abmessungen von X3 und GLK tun dem Auge gut. Sie wirken nicht so klotzig und provozierend wie ihre größeren Brüder X5 und ML. Hier rollen keine Blechgebirge vor, sondern vertretbar proportionierte Vielzweckautos für Freizeit und Familie. Genau genommen handelt es sich bei beiden um höhergelegte Kombis mit Allradantrieb. Ob man den braucht oder nicht, ist freilich zweitrangig.

Der GLK hat eine deutlich markantere Optik als der X3

Bei Kompakt-SUV geht es mehr ums Träumen, um Abenteuer, Freiheit und Offroad-Pisten, die sich vor dem geistigen Auge ins Gebirge schlängeln. Der Mercedes transportiert diese Illusion konsequent. Er ist ein kantiger Typ und liegt stilistisch irgendwo zwischen Camel-Boots und Stuttgarter Staatstheater. Ein Bonsai-GL mit wuchtigem Lamellen-Grill, großem Stern, kantiger Motorhaube und maskulin modellierter Seitenlinie. Keine Frage: Der GLK hat den markanteren Auftritt als der X3. Im Design setzt Mercedes bewusst einen gelungenen Kontrapunkt – nicht nur zum BMW. Der GLK ist schmaler, wirkt aber speziell von hinten betrachtet breiter. Größere Heckscheibe und Rückleuchten sowie eckige Auspuffspitzen links und rechts lassen ihn stämmiger erscheinen. Dabei steht das "K" in seiner Modellbezeichnung zu Recht für kompakt. Bravo: Der Mercedes hat einen halben Meter kleineren Wendekreis als der BMW und innen mehr Platz, obwohl er vier Zentimeter kürzer ist. Gefühlt ist der Raumvorteil zum X3 sogar noch größer, als das Maßband verrät. Auf den Vordersitzen wie im Fond macht der Mercedes den luftigeren Eindruck. Arme, Beine und Kopf finden reichlich Platz. Die bequemen und großen Sitze sowie die hohe Position hinterm Lenkrad sind nahezu perfekt. Ob groß oder klein – hier findet jeder die ideale Einstellung mit erhabenem Ausblick: einer der wichtigsten Gründe für den Erfolg der SUV – vor allem bei Frauen.

Die BMW-Domäne ist auch beim X3 die Dynamik

In Bewegung fast unschlagbar: Der BMW X3 ist ein betont dynamisches Kompakt-SUV.

Sofort nach dem Einstieg fühlt der Fahrer sich in einem typischen Mercedes. Hebel, Schalter, Instrumente – das Cockpit ähnelt weitgehend der C-Klasse, hat aber hier durch kantige Formen etwas SUV-Charme. Leider sind die Türfächer zu klein. Noch ärgerlicher: Die Regler der Klimaanlage sitzen so tief, dass ihre Bedienung vom Verkehrsgeschehen ablenkt. Beim Kofferraumvolumen herrscht praktisch Gleichstand. Trotzdem gibt es Unterschiede: Der Mercedes hat einen doppelten Boden. Darunter ist eine tiefe Mulde – ideal für Wanderschuhe, Fahrradhelme und andere Utensilien, die nicht durchs Ladeabteil kullern sollen. Außerdem bildet die GLK-Ladefläche (maximal 1550 Liter) bei umgelegten Lehnen einen ebenen Boden; beim BMW steigt sie stärker an. Materialien und Qualitätseindruck ist bei beiden Autos okay. Mehr nicht – das ist Premium an der Grenze zur gehobenen Massenware.

Was tun gegen den X3? Ein noch sportlicheres SUV bauen? Da es schwer ist, den X3 in der BMW-Domäne Dynamik zu schlagen, bleiben sich die Schwaben ihren Markenwerten treu. Der GLK ist das harmonischer abgestimmte Auto. Vor allem bei langsamer Fahrt über schlechte Straßen rollt er dank adaptiver Stoßdämpfer geschmeidiger ab als der steifbeinige BMW. Aber: Ein Komfortwunder fühlt sich anders an. Querfugen, Gullydeckel und kurze Wellen dringen bei dem mit 19-Zoll-Rädern bestückten Testwagen spürbar in den Innenraum durch. Die serienmäßigen 17-Zöller versprechen da besseren Abrollkomfort. Geht es scharf um die Ecken, benimmt sich der Mercedes träger. Zwar hat der GLK 320 CDI die Parameterlenkung, doch bei zackigen Ausweichmanövern muss der Fahrer ordentlich kurbeln. Auch die Siebenstufen-Automatik fühlt sich eher im Kulturpalast als im Rockkeller heimisch. Sanft und manchmal etwas zögerlich wechselt sie die Gänge. Bei zurückhaltender Fahrweise wird schon bei 2000 Umdrehungen der nächste Gang eingelegt. Kein Wunder, schließlich bietet der Dreiliter-Diesel seine 540 Newtonmeter bereits bei 1600 Umdrehungen an. Sanft bringt der V6 den GLK ins Rollen, packt dann aber nachdrücklich zu und beschleunigt ihn in 7,8 Sekunden auf 100 km/h. Auf der Autobahn erreicht er laut Tacho 230 km/h und liegt dabei erstaunlich ruhig.

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan

Guter Einstand für den GLK. Das kleine Mercedes-SUV beendet die Alleinherrschaft des X3 im Premium-Segment. Er ist ein typischer Mercedes, bietet mehr Fahrkultur als der BMW und hat durch sein kantiges Design einen markanten Auftritt.

Weitere Details zum Kompakt-SUV-Vergleich zwischen BMW und Mercedes gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel finden Sie im Heftarchiv als pdf.
Fahrzeugdaten BMW Mercedes
Motor R6, Turbo, vorn längs V6, Turbo, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 2993 cm³ 2987 cm³
kW (PS) bei 1/min 160 (218)/4000 165 (224)/3800
Nm bei 1/min 500/1750 540/1600
Vmax 210 km/h 220 km/h
Getriebe Sechsstufen-Automatik Siebenstufen-Automatik
Antrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Bereifung 235/50 R 18 V 235/50 – 255/45 R 19 W
Radgröße 8 x 18" 7,5 – 8,5 x 19“
Abgas CO2 206 g/km 220 g/km
Verbrauch* 9,9/6,4/7,7 l 10,7/7,0/8,4 l
Tankinhalt 67 l/Diesel 66 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 73 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 750/2000 kg 750/2000 kg
Kofferraumvolumen 480–1560 l 450–1550 l
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Preise/Ausstattung BMW Mercedes
Modell X3 xDrive 30d GLK 320 CDI 4Matic
Airbags Fahrer/Beif./Seiten vorn S/S/S S/S/S
Kopfairbags vorn/hinten S/S S/S
Klimaanlage/-automatik S/550 € –/S
Automatik 2160 € S
CD-Radio S S
Metalliclack 790 € 881 €
Sitzheizung vorn 370 € 369 €
Navigationssystem ab 1770 € ab 1499 €
Dachreling ab 230 € 309 €
Preis 48.220 Euro* 47.957 Euro**
S = Serie, *= Grundpreis inklusive Automatikgetriebe 2160 Euro und 18"-Bereifung für 660 Euro; **= Grundpreis inklusive Offroad-Styling-Paket für 1071 Euro und 19"-Bereifung für 833 Euro
Messwerte BMW Mercedes
Beschleunigung
0–50 km/h 2,4 s 2,5 s
0–100 km/h 7,5 s 7,8 s
0–130 km/h 12,5 s 12,9 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 4,3 s 4,5 s
80–120 km/h 5,4 s 5,5 s
Leergewicht/Zuladung 1904/451 kg 1940/560 kg
Gewichtsverteilung v./h. 52/48 % 56/44 %
Wendekreis links/rechts 11,8/11,9 m 11,5/11,3 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,6 m 35,5 m
aus 100 km/h warm 37,4 m 35,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB (A) 57 dB (A)
bei 100 km/h 65 dB (A) 65 dB (A)
bei 130 km/h 70 dB (A) 69 dB (A)
Testverbrauch – CO2 8,8 l – 235 g/km 9,4 l – 233 g/km
Reichweite 760 km 700 km

Autor: Jörg Maltzan

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