Brabus Unimog vs. Brabus Smart

Unimog Black Edition by Brabus Brabus Smart Ultimate 112 Unimog Black Edition by Brabus Brabus Smart Ultimate 112

Vergleich Brabus Unimog gegen Brabus Smart

— 18.06.2008

David gegen Goliath

Vom fliegengewichtigen Stadtfloh bis hin zum allradgetriebenen Geländemonster – Brabus schreckt vor keiner Herausforderung zurück. AUTO BILD SPORTSCARS auch nicht. Ein vollkommen verrückter Vergleich: Unimog gegen Smart.

Eifel, Nürburgring, die Start-Ziel-Gerade auf Höhe der Mercedes-VIP-Lounge: Normalerweise schießt AUTO BILD SPORTSCARS-Testfahrer Sebastian Schneider hier mit Vollgas entlang, einen auf 7000 oder 8000 Touren hoch rasenden Motor im Ohr. Und gleichzeitig eine über 200 km/h weisende Tachonadel sowie die heranfliegende, messerscharfe Yokohama-Kehre im Auge. Doch heute hätte er Zeit genug nachzusehen, ob die Mercedes-Gäste Champagner schlürfen oder mal lieber mit Apfelschorle vorliebnehmen. Bei einer Fahrersitzhöhe von über zwei Metern und der gemütlichen Höchstgeschwindigkeit von 93 km/h könnte er den Herrschaften im zweiten Stock beinahe auf die Teller schauen.

Die Brabus-Leute garnieren den Smart mit Luxus-Details

Unimog-Fahrer haben aus etwa zwei Metern die Übersicht.

Schneider nimmt Rundenzeiten mit einem Fahrzeug, das hier ungefähr so gut hinpasst wie eine Diesellok. Und das auf dem Ring sonst nur zum Einsatz kommt, wenn tiefschürfende Asphaltarbeiten auf der Agenda stehen: dem Mercedes Unimog U 500 Black Edition von Brabus. Dies bestätigt vermutlich all jene, die schon lange argwöhnen, dass unsere Themen nicht im nüchternen Konferenzraum am mausgrauen Linoleumtisch entstehen, sondern im Bierzelt nach der zweiten Runde Hefeweizen. Das ist aber gar nicht wahr. Denn zwei Biere reichen kaum, um auf diese Idee zu kommen: den 7,5 Tonnen schweren Unimog mit einem Smart zu vergleichen. Dabei scheint die Geschichte durchaus logisch: Wir nehmen die riesigste und winzigste Kreation von Brabus und stellen sie einander gegenüber. Dass beide Mobile für sich genommen schon so extrem wirken wie die ganze Geschichte, ist natürlich kein Nachteil: Denn der Brabus Smart Ultimate 112 scheint dem smarten Konstruktionsprinzip eines praktischen Stadtflitzers nicht viel näher als der Unimog einem Formel-1-Auto.

Fliegengewichtiger Stadtfloh misst sich mit allradgetriebenem Geländemonster.

Die Brabus-Leute tunen den frechen Dreizylinder auf stolze 112 PS und garnieren das sparsame Parkplatzsuchgerät mit feinsten Luxusdetails: Das beginnt mit dem sündhaft teuren, bizarr schillernden Speziallack und hört bei feinen Sportledersitzen mit Nähten in Wagenfarbe nicht auf. Auch die Türverkleidungen sind mit Leder bezogen, ebenso der Armaturenträger. Das Orange des Testwagens kontrastiert prima mit dem Schwarz des Leders – kein Zweifel, dass hier eine sehr exklusive, übrigens auf 112 Exemplare beschränkte Sonderserie entstanden ist. Diese Stückzahl zu erreichen wird wohl nicht einfach werden: Dieser Super-Smart kostet 45.900 Euro. So viel wie ein Porsche Cayman mit ein paar Prozent Rabatt. Da trifft es sich gut, dass Brabus-Verkäufer auf weitaus kostspieligere Zweisitzer verweisen können: zum Beispiel den U 500 Black Edition. Der einst für die Dubai Motorshow kreierte Hingucker kostet 261.362 Euro. Ein Schnäppchen, taugt laut Mercedes-Prospekt der "schwarz glänzende Panther" Unimog doch nicht nur "für Ausflüge ins raue Gebirge", sondern auch als Stadtauto fürs "exquisite Shoppen". Fazit des Werbetextes: Der Black Edition ist ein "Inbegriff der Sportlichkeit" – also wie geschaffen für den Nürburgring. Prost!

Wie ein Sportwagen und wie der Smart beherbergt sein Führerhaus zwei feine lederbezogene Sitze. So kann keiner behaupten, wir würden bei diesem Test nicht auf Vergleichbarkeit achten. Die besteht auch in einem anderen Punkt: dem Getriebe. Smart und Unimog setzen beide auf ein automatisch geschaltetes mechanisches Getriebe. Der kleine Unterschied: Der Smart hat fünf Gänge, der Unimog dagegen acht Vorwärts- und sechs Rückwärtsgänge sowie eine zuschaltbare Untersetzung, die das Geländetier noch bei Vollgas mit Schrittgeschwindigkeit kriechen lässt. Auf weiche Schaltvorgänge kommt es hier naturgemäß nicht an.

Die Automatik spielt beim Runterschalten raffiniert mit Zwischengas

Das Unimog-Getriebe haut die Gänge rein wie ein Trucker.

Während die Smart-Schaltung im Automatikmodus im neuen Modell mittlerweile einigermaßen spontan reagiert und die Passagiere bei den Schaltvorgängen nicht mehr zu tiefen Verbeugungen nötigt, rammt Lkw-Technik unsanft die Gänge rein. Dazu spielt die Automatik beim Runterschalten kunstvoll mit Zwischengas – wie ein altgedienter Trucker, der schon am Steuer von Krupp-Lastern fürs Wirtschaftswunder schuftete. Trotzdem gilt für Smart wie U 500 gleichermaßen: Besser, man nimmt die Schaltarbeit selbst in die Hand. Besonders beim Unimog, dessen durchaus nicht übertriebene Motorisierung geschicktes Tricksen mit den passenden Übersetzungen erfordert: Zwar können sich 6,4 Liter Hubraum und 286 PS durchaus sehen lassen. Doch schon die erste Runde auf dem Nürburgring zeigt: Selbst die Macht von 1120 Newtonmeter Drehmoment kommt an ihre Grenzen, wenn sie 7,5 Tonnen bewegen muss.

An Steigungen geht dem Reihensechser schnell die Puste aus, und man muss runterschalten. Letzteres gilt natürlich auch vor Kurven. Denn der fast drei Meter hohe Unimog dürfte noch allergischer auf Querbeschleunigung reagieren als der ultrakurze Smart. Also muss Tester Schneider vor der Yokohama-Kehre den Fuß rechtzeitig auf die Bremse hauen – und zischend Pressluft zu den Stoppern schießen lassen. Die maximal 93 km/h auf der Zielgeraden wären hier eindeutig zu viel. Wer dann eifrig am Lenkrad kurbelt, wuchtet das universale Motorgerät sicher um die Ecke. Auch wenn man dabei haltlos auf den glatten Ledersitzen herumrutscht. Gleichzeitig gilt es, höllisch auf den Smart aufzupassen, und sei er noch so auffällig lackiert. Denn aus der haushohen Unimog-Perspektive ist der Stadtfloh so leicht zu übersehen wie ein Plastikentchen auf dem Kinderspielplatz. Es dürfte niemanden überraschen, dass der Smart Kreise um den Unimog fährt.

Der flotte Smart wetzt die Messer und ist gar nicht so deplatziert

Schindet Eindruck: Riesenreifen im 445er-Format.

Erstaunlich ist dagegen, dass sich der Kleine auf dem Nürburgring gar nicht so deplatziert anfühlt wie erwartet. Mit seinen 112 PS tobt das Leichtgewicht unerschrocken los, der Dreizylinder schnurrt kernig die Drehzahlleiter rauf und runter – von einer spitzen, durch übertriebenes Tuning zur Unfahrbarkeit gequälten Maschine kann hier keine Rede sein. Schon bei niedrigen Touren hängt der Motor temperamentvoll am Gas und dreht munter bis 6000/min. Da kommt in der Tat sportliches Fahrgefühl auf. Sogar auf dem Nürburgring, wo der Smart das Messer zwischen die Zähne nimmt und präzise durch die Kehren pfeift. Testpilot Sebastian Schneider bleibt dabei allerdings nicht viel zu tun – das nicht abschaltbare ESP führt praktisch wie von selbst auf sicherer Linie durch den Grenzbereich. Der lag wegen einer nicht ganz abgetrockneten Strecke diesmal niedriger als sonst, weshalb der Ultimate 112 nicht die Rundenzeiten schaffte wie ein früher getesteter Brabus-Smart. Die wie erwähnt fein vernähten Sportsitze tragen ihren Namen zu Recht und halten den Fahrer auch in der NGK-Schikane sicher am Platz.

Können sich auch sehen lassen: 18-Zoll-Doppelspeichenräder, vorn mit 205er-Reifen.

Was wir nicht unbedingt erwartet haben: Das Fahrwerk kultiviert gewisse Restbestände an Federungskomfort – und ist letztlich sogar angenehmer als das des Unimog, dessen zentnerschwere Starrachsen die ganze Fuhre kräftig durchschütteln. Der Fahrer spürt davon nur deshalb nicht (zu) viel, weil die Federn des Schwingsitzes das meiste schlucken. So schaukelt er so beständig auf und nieder wie auf einer Luftmatratze im sanften Wellengeplätscher. Und hat damit so viel Kontakt zum Untergrund wie ein Dampferkapitän auf hoher See. Macht nichts. Schließlich würde der Unimog neben der Strecke vermutlich die gleichen Rundenzeiten schaffen wie darauf. Wirklich unangenehm wird es für Mensch und Maschine wohl erst in einer ganz anderen Szenerie: beim Einparken in der Innenstadt. Allerdings: In über zwei Meter Höhe ergeben sich ganz neue Perspektiven. Der U 500 könnte einfach in einer schlammigen Baugrube parken. Oder in einem nahe gelegenen Flussbett. Noch einfacher hat es natürlich der Smart: Der passt genau auf die Ladefläche des Unimog.

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Detlev Hammermeister

Im flotten Smart genießt man auf dem Nürburgring ein überraschend sportliches Fahrvergnügen – im Unimog dagegen eine prima Aussicht. Trotz 1120 Nm Drehmoment segelt er stets betulich dahin – auch dann, wenn die Straße plötzlich enden sollte.
Technische Daten Brabus Ultimate 112 Unimog Black Edition
Motor R3, Turbolader R6, Turbolader
Einbaulage hinten quer vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 3 pro Zylinder/1
Hubraum 999 cm³ 6374 cm³
Bohrung x Hub 72,0 x 81,8 mm 102 x 130 mm
Verdichtung 9,0 : 1 20,0 : 1
kW (PS) bei 1/min 82 (112)/5600 210 (286)/2200
Literleistung 112 PS/Liter 45 PS/Liter
Nm bei 1/min 150/3300–3900 1120/1200–1600
Antriebsart Hinterrad Allrad
Getriebe 5-Gang automatisiert 8-Gang autom. (+ Untersetz.)
Bremsen vorn 280 mm Druckluft-Scheibenbremse
Bremsen hinten 203 mm, Trommeln Druckluft-Scheibenbremse
Radgröße vorn / hinten 7 x 18 / 8,5 x 18 22,5 x 14 / 22,5 x 14
Reifen vorn / hinten 205/35 R 18 / 235/30 R 18 445/65 R 22,5 / 445/65 R 22,5
Reifentyp Toyo Proxes T1 R Michelin XZL LI
Länge/Breite/Höhe 2695/1609/1522 mm 5390/2300/2933 mm
Radstand 1867 mm 3350 mm
Leistungsgewicht 8,1 kg/PS 26,2 kg/PS
Zuladung 142 kg 4400 kg
Tankvolumen 33 l 200 l
Messwerte Brabus Ultimate 112 Unimog Black Edit.
Beschleunigung
0–30 km/h 1,4 s 10,1 s
0–50 km/h 3,4 s 15,8 s
0–80 km/h 6,8 s 27,0 s
0–100 km/h 10,3 s nicht messbar
0–140 km/h 21,7 s nicht messbar
Viertelmeile
0–402,34 m 17,16 s nicht messbar
Zwischenspurt
30–50 km/h 2,0 s 5,7 s
60–80 km/h 2,4 s 9,0 s
60–100 km/h 6,5 s nicht messbar
Bremsweg (Verzögerung)
60–0 km/h warm 13,5 m (–10,3 m/s2) 22,0 m (–6,3 m/s2)
80–0 km/h warm 24,0 m (–10,3 m/s2) 39,7 m (-6,2 m/s2)
100–0 km/h warm 37,8 m (–10,2 m/s2) nicht messbar
Testverbrauch
Ø auf 100 km 8,0 l Super Plus 20,0 l Diesel (Werksangabe)
Reichweite 410 km 1000 km
Leergewicht 908 kg 7500 kg (Werksangabe)
Höchstgeschwindigkeit Brabus Ultimate Unimog Black Edit.
GPS-Messung (www.leitspeed.de) 175 km/h (abgeregelt) 93 km/h (abgeregelt)
Preise in Euro (inkl. MwSt.) Brabus Ultimate 112 Unimog Black Edit.
Serienfahrzeug ohne Extras 45.900 Euro 132.328 Euro (U 500)
Tuning
Leistungssteigerung Serie 2320
Radsatz inkl. Reifen Serie 1999
Fahrwerk Serie Serie
Optik Exterieur/Interieur Serie 89.250 (Brabus komplett)
Bremsanlage Serie Serie
Traktionskontrolle Serie Serie
Preis Testwagen 45.900 Euro 261.362 Euro

Autor: Detlev Hammermeister

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