Zwei Retro-Cruiser

Chevrolet HHR 2.4 LT Chrysler PT Cruiser 2.2 CRD

Vergleich Chevrolet HHR/Chrysler PT Cruiser

— 17.01.2008

Es war einmal in Amerika

Fahren statt fliegen: mit zwei Ami-Autos nach Amerika, das wär's doch. Deshalb führte die erste gemeinsame Ausfahrt der beiden Retro-Mobile HHR und PT Cruiser Richtung Bremen. Denn auch dort liegt Amerika.

Manche Autos verlangen nach einem Drehbuch statt nach einem Vergleichstest. Modelle mit Charakter und fernsehtauglichem Namen. Zum Beispiel: der "Äitsch-Äitsch-Ar" – oder simpel gesagt: Chevrolets HHR, Heritage High Roof, was so viel bedeutet wie nostalgischer Hochdachkombi. Ein Gangsterwagen wie Chryslers "Pee Tee" Cruiser, geschaffen für die dunklen Ecken Chicagos. Aber diese Ami-Schlitten verbindet viel mehr als nur Nostalgie. Schließlich gestaltete beide Wagen derselbe Designer. Bryan Nesbitt (kein Künstlername, der Mann heißt wirklich so!) führte Regie und drehte quasi das Remake. Vom Remake. Film ab: Es war einmal in Amerika. Dafür müssen wir erst einmal zum Tatort reisen. Kostengünstig, ohne Visum, ohne Zeitverschiebung, ohne Stress, das ist der Plan. Amerika zum Spartarif liegt zwischen Bremen und Osnabrück.

Amerika wird regelmäßig bestohlen

The One-and-only-Straßendorf mit dem Namen Amerika. Umgeben von Äckern, Wäldern und rechtwinkligen Straßen. Allerdings fehlt das Ortsschild. "Es ist mal wieder geklaut worden", sagt Bürgermeister Andreas Bartels. Amerika, das war einmal. Jaja, Amerika zieht eben immer noch. Nicht nur bei Schilderdieben, sondern auch bei Autofans, die schwülstige Modelle im Colaflaschen-Format kaufen. Offiziell heißt das zwar Retro, macht die Sache aber nicht besser. Denn diese Designrichtung blickt stets zurück statt nach vorn. Beim HHR fällt das nicht gerade leicht. Durch schmale Scheiben und dicke Pfosten schrumpft die Sicht vorn wie hinten auf Wandkalenderformat, die Decke baut flach wie ein Bungalow.

Im HHR arbeitet der Big Mäc unter den Vierzylindern

Der säuselt leise: Mini-Motor für Amis, mit 2,4-Liter-Benziner Hubraum-Held für deutsche Verhältnisse.

Über die A1 geht es zurück Richtung Hamburg, um dort nach dem nächsten Amerika zu suchen. Oder wenigstens nach etwas, das daran erinnert. Wind weht um die beiden automobilen US-Botschafter. Nicht zu überhören, der Hurrikan. Leiser säuselt im HHR ein Motor mit reichlich Hubraum. Der gehört mit 2,4 Litern und 170 PS zu den Big Mäcs unter den Vierzylindern, während der PT Cruiser europafreundlich dieselt. Durchzugsstark und ohne viel Sprit zu saufen, 6,7 Liter im Schnitt. Es ist noch nicht lange her, dass Chrysler mit einem Deutschen verheiratet war. Der versuchte eisern, seinem Partner das Wirtschaften beizubringen. So was hinterlässt Spuren. Dagegen befreite sich der HHR von allen Einflüssen, die sonst bei Chevy gern wirken. Hinter dem goldenen Markenzeichen steckt in Europa meist ein koreanischer Ex-Daewoo. Beim HRR steht Chevy drauf, und da steckt auch Chevy drin. Made in Mexiko, dicke Muskelpakete inklusive, vor allem an den Radhäusern.

Ganz anders als bei der Freiheitsstatue, die wir auf einem Parkplatz bei Barsbüttel vor den Türen Hamburgs an der A 1 entdecken. Ein gefälschtes, rankes Ding, womöglich aus Korea. Sie ist das Wahrzeichen von "Bonny's Diner", einem Imbiss im US-Outfit, durchgehend geöffnet. Die Burger sind geschmackssicherer als die Plastik-Lady. Wie die Inneneinrichtung unserer Amerikaner besteht ihre Haut aus Kunststoff, frisch und faltenfrei. Nur dass HHR und PT Cruiser besser verarbeitet sind. Wäre nicht schade um Lady Liberty, wenn der Chevy sie mit einem Bremsweg über der kritischen 40-Meter-Marke vom Sockel stoßen würde. Ein Denkmal setzten sich die Ingenieure beim Blinker des HHR. Der erste Blinker, der beim Abbiegen im Kanon tickt. Vorn tockert es, hinten klickert's, während die Insassen über die glatten Ledersessel rutschen. Wirklich mehr Halt bieten die Sitze im PT Cruiser aber auch nicht. Oliver Kaps vom Kustom Car Shop in Hamburg findet das nicht sonderlich schlimm. In seine Privatwagen baut der 26-Jährige gern auch mal einen Bierkasten als Fahrersitz ein. Beruflich importiert er Hot Rods aus den USA, dem HHR würde er andere Räder und eine Chromstoßstange verpassen sowie die Karosserie tieferlegen. Trotzdem findet Olli: "Der sieht wirklich aus wie ein Chevy."

Der PT Cruiser hat eine große Klappe – und viel dahinter

Tiefer gelegt: Aus der Hutablage wird im PT Cruiser in Windeseile ein Tisch.

Und fährt auch so. Leichtgängige Lenkung, weich gefedert und mit einem Kofferraum (430 bis 1550 Liter), der sich nach dem Shoppen nahezu beliebig vergrößern lässt. Wertvolle Gegenstände verschwinden unter dem herausnehmbaren Zwischenboden. Auch der PT Cruiser könnte mit seinen Kofferraumtricks in Las Vegas auftreten. Aus der Hutablage wird durch wenige Handgriffe ein Tisch, die Sitzlehnen klappen wie im HHR geteilt und schaffen Platz für 521 bis 2150 Liter. Dafür hat der PT Cruiser glatt einen neuen Heckschriftzug verdient. Da steht "Limited" als Ausstattung drauf, "Unlimited" wäre für das Gepäckabteil aber treffender. Das gilt leider auch für die Wendekreise beider Retro-Mobile. Chevy und Chrysler müssen bei mehr als zwölf Metern weit ausholen, um die Kurve zu kriegen. Eben echt amerikanisch. Unbegrenzte Möglichkeiten gibt es da zumindest noch auf den XXL-Parkplätzen. Auf denen spielen PT Cruiser und HHR ihre Hauptrolle. Während in Europa die besten Zeiten des Chrysler vorbei sind, könnte der Chevrolet HHR seine Rolle übernehmen. Das Drehbuch kennt er ja.

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko

Yes, endlich ein Chevrolet, der den Namen verdient! Und kein als Ami getarnter Koreaner. PT Cruiser und HHR sehen sich nicht nur ähnlich, sie haben auch die gleichen Schwächen: gewöhnungsbedürftige Bedienung, großer Wendekreis. Aber als Cruiser sind beide eine echte Schau!
Fahrzeugdaten Chevrolet Chrysler
Motor Bauart/Zyl./Einbaul. R4, vorn quer R4, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 2399 cm³ 2148 cm³
kW (PS) bei 1/min 125 (170)/6200 110 (150)/4000
Nm bei 1/min 1222/4800 300/1600
Vmax 180 km/h 183 km/h
Getriebe Fünfgang manuell Fünfgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommeln Scheiben/Scheiben
Bremsweg aus 100 km/h 41,8 m 39,2 m
Testwagenbereifung 215/50 R 17 205/55 R 16
Radgröße 6,5 x 17“ 6 x 16“
Wendekreis 12,2 m 12,6 m
Abgas CO2 207 g/km 177 g/km
Verbrauch* 11,7/6,8/8,6 l 8,6/5,6/6,7 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 61 l/Super 57 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 73 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. keine 1000/450 kg
Kofferraumvolumen 430–1550 l 521–2150 l
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Preise/Ausstattung Chevrolet Chrysler
Modell HHR 2.4 LT PT Cruiser 2.2 CRD
Airbags Fahrer/Beif./Seiten vo. S/S/N S/S/S
Kopfairbags vorn/hinten S/S N/N
ESP S N
Klimaanlage S S
Radio mit CD-Player S ab 595 Euro
Grundpreis 22.990 Euro 21.290 Euro
S = Serie, N = nicht lieferbar
Kosten/Garantien Chevrolet Chrysler
Abgasnorm Euro 4 Euro 4
Steuer pro Jahr 162 € 366 €
Typklassen HPF/VK/TK 19/24/18 20/21/22
Werkstattintervalle 15.000 km/1 Jahr 20.000 km/1 Jahr
Kosten Ölwechsel/Inspektion 200/400 € 180/480 €
Garantie Technik 3 Jahre/100.000 km 4 Jahre/50.000 km
Garantie gegen Durchrostung 6 Jahre 6 Jahre
Mobilitätsgarantie 3 Jahre 4 Jahre

Autor: Margret Hucko

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.