Vergleich Dacia Sandero 1.6/VW Golf 1.4

Dacia spielt Golf

7500 Euro kostet der neue Dacia Sandero – grob gerechnet die Hälfte eines Basis-Golf. Ist der Sandero nicht nur billig, sondern auch gut? Oder einfach nur eine Mogelpackung?



Dacia schlägt auf zum nächsten Spiel. Die rumänische Renault-Tochter feierte bisher Erfolge mit dem Logan und dem Kombi MCV. Jetzt kommt der Sandero. Den kompakten Fünftürer gibt es ab 7500 Euro. Das sind zwar 300 Euro mehr als beim Basis-Logan, aber dafür ist der Sandero auch mindestens eine ganze Klasse ansehnlicher. Ein moderner Kompakter mit einer Spur Eleganz – nicht umwerfend, aber kein Vergleich mehr mit der kantigen Logan-Limousine. Die 7500 Euro sind eine Kampfansage. Denn für diesen Preis gibt es weit und breit nichts Vergleichbares.

7500 Euro? Billiger ist kein Neuwagen

Selbst ein antiker Lada 1118 ist teurer (7930 Euro). Am nächsten kommen dem Dacia noch viel kleinere Autos wie der Ford Ka (8190 Euro), der Hyundai Getz (8290 Euro) und der Chevrolet Matiz (8790 Euro). Alle aber enger und bescheidener. Viel mehr interessiert uns ein Vergleich mit dem Klassenbesten. Gegen den VW Golf muss der Sandero zeigen, was er wirklich kann. Den Golf gibt es als Trendline-Viertürer mit 1,4-Liter und 80 PS ab 17.050 Euro – ist er nun tatsächlich doppelt so gut? Mit einer Länge von vier Metern liegt der Sandero etwa in der Mitte zwischen Polo (3,92 Meter) und Golf (4,20), auffällig ist aber sein langer Radstand von 2,59 Metern – beim Golf ist er einen Zentimeter kürzer.

Im Innenraum deutliche Qualitätsunterschiede

Schlicht und einfach: ansehnliches Cockpit, wenige Schalter, deswegen sehr übersichtlich.

Schlicht und einfach: ansehnliches Cockpit, wenige Schalter, deswegen sehr übersichtlich.

Größer ist der Dacia-Innenraum jedoch nicht. Vorn ist er vergleichbar geräumig wie im VW, im Fond dagegen spürbar enger. Der Golf ist halt doch 20 Zentimeter länger und entscheidet auch den Vergleich der Kofferräume für sich: 350 Liter zu 320 Liter im Sandero, mit umgeklappten Rücklehnen 1305 zu 1200 Liter. Einen Klassen-Unterschied gibt es beim Sitzkomfort. Straff und passend ausgeformt sind die Sessel im VW. Schwammig, ohne Seitenhalt und zu klein im Dacia – ein ganz klarer Nachteil. Stil und Qualität der Einrichtung kennen wir so ähnlich aus älteren Renault-Modellen – einfach und mit robusten Kunststoffen gebaut, kleinere Nachlässigkeiten bei der Verarbeitung eingeschlossen. Aber ohne grobe Patzer und vor allem problemlos zu bedienen. Kein Vergleich aber mit dem aufwendigeren und teurer eingerichteten Golf. Nicht nur Schalter und Tasten kommen aus dem Renault-Regal – sondern auch Technik, Fahrwerk und Motoren des Sandero.

Diffuse und gefühllose Lenkung

Zum Start gibt es zwei Benziner, einen 1,4-Liter mit 75 PS und einen 1,6-Liter mit 87 PS – beide aus vielen Renault und auch dem Logan vertraut. Zum Vergleich fuhren wir den 1,6-Liter. Der läuft rau, dreht nicht so gern und brummt ab mittleren Drehzahlen kräftig – er ist aber ganz bestimmt nicht langsam. Der Sandero wiegt schließlich nur knapp 1100 Kilogramm. Mit Blick auf die zu erwartenden miesen Fahrbahnverhältnisse in den meisten angepeilten Märkten ist der Dacia weich abgestimmt. Für unsere Verhältnisse wirkt er zu schaukelig. In dieses Bild passen auch die diffuse und gefühllose Lenkung sowie die hakelige Schaltung mit ihren langen Wegen – aber egal, Fahrdynamik stand bei der Entwicklung ganz bestimmt nicht im Vordergrund. Sandero-Fans wird es nicht stören.

Golf mit erheblich besserem Komfort

Im Fond wird es für Große knapp. Die Sitze sind schwammig gepolstert und nicht sehr bequem.

Im Fond wird es für Große knapp. Die Sitze sind schwammig gepolstert und nicht sehr bequem.

Zur Orientierung: Der Sandero fährt sich etwa wie ein Clio der letzten Generation. Beim Umstieg in den Golf fällt vor allem eins auf: der wesentlich höhere Komfort. Der VW federt gediegener und ist vor allem viel leiser unterwegs. Sein braver 1,4-Liter reicht fürs normale Landstraßen-Bummeln, fährt dem Dacia bei Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit mess- und spürbar hinterher. Angenehm wie immer: die präzise Lenkung und die exakte Schaltung des Golf. Also, lohnt sich der Dacia nun? Ganz eindeutig: Eine Mogelpackung ist er nicht. Selbst wenn sich der Preis noch relativiert. Denn für 7500 Euro gibt es den 1,4-Liter und nur eine wirklich karge Basis-Ausstattung (siehe unten). Da empfiehlt sich schon der Lauréate, am besten noch mit Klimaanlage und CD-Radio im Paket für 1250 Euro. Und damit reden wir beim 1,6-Liter schon über mindestens 11.250 Euro ...

AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: \

AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: "Der Dacia Sandero passt gut in die heutige Zeit."

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: Klar, der Vergleich ist ungerecht. Der doppelt so teure Golf fährt eine Klasse besser – ohne Wenn und Aber. Aber er taugt als knallharte Standortbestimmung für den Dacia. Ergebnis: Wer einen preiswerten Neuwagen mit Dreijahres-Garantie möchte, macht mit dem schicken Sandero nichts falsch. Ein ehrliches Auto ohne Schnickschnack, das mit seiner Bescheidenheit bestens in diese Zeiten passt.

Pluspunkte Sandero: überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, ordentliches Raumangebot, drei Jahre Garantie

Minuspunkte Sandero: kein ESP lieferbar, recht behäbiges Fahrverhalten, diffuse Lenkung, weiche Sitze

Gesamtnote Sandero 1,6 Lauréate: 3

Dacia Sandero 1.4 MPI 1.6 MPI
Motor/Hubraum Vierzylinder/1390 ccm Vierzylinder/1598 ccm
Leistung 55 kW (75 PS) 64 kW (87 PS)
Drehmoment bei U/min 112 Nm/3000 128 Nm/3000
0-100 km/h 13,0 s 11,5 s
Höchstgeschwindigkeit 161 km/h 174 km/h
Verbrauch (l/100 km) - CO2 7,0 l Super – 165 g/km 7,2 l Super – 170 g/km
Kofferraumvolumen 320–1200 l 320–1200 l
Länge/Breite/Höhe 4020/1746/1534 mm 4020/1746/1534 mm
Preis ab 7500 Euro ab 10.000 Euro

Die Sandero-Ausstattungen

BASIS

ABS • Frontairbags für Fahrer und Beifahrer • Dreipunkt-Sicherheitsgurte vorn und hinten • drei höhenverstellbare Kopfstützen im Fond • Isofix für die hinteren Plätze außen • 15-Zoll-Räder mit 185/65-R-15-Reifen • Außenspiegel manuell verstellbar • Heckscheibe beheizbar • Heckscheibenwischer • Stoßfänger in Wagenfarbe • Handschuhfach verschließbar • Mittelkonsole mit Getränkehalter • Radiovorrüstung.

AMBIANCE (zusätzlich zur BASIS)

Servolenkung • Zentralverriegelung • Sicherheitsgurte vorn höhenverstellbar • Umluftregelung • mobiler Aschenbecher • Beifahrer-Sonnenblende mit Make-up-Spiegel • Kofferraum mit Beleuchtung • Kühlergrill mit Zierleiste in Wagenfarbe • Seitenschutzleisten in Schwarz.

LAURÉATE (zusätzlich zu AMBIANCE)

Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer • elektrische Fensterheber vorn • Außenspiegel elektrisch einstell- und beheizbar • Zentralverriegelung mit Fernbedienung • Nebelscheinwerfer • Lehne der Rückbank asymmetrisch geteilt klappbar • Bordcomputer • Fahrersitz höhenverstellbar und mit Lendenwirbelstütze • Kartentaschen an Rückseiten der Vordersitze • Lenkrad höhenverstellbar • Mittelkonsole in Matt-Chrom • Lüftungsdüsen mit Einfassung in Matt-Chrom • Kühlergrill mit Zierleiste.

Autor: Dirk Branke

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